Sehen Grundrecht in Gefahr

Wohnungsnot in BW: Caritas und Diakonie starten Initiative für bezahlbaren Wohnraum

Wohnungsnot bei gleichzeitigem Leerstand: Für Wohlfahrtsverbände ist das ein unhaltbarer Zustand. Mit dem Programm "Türöffner" bringen sie Vermieter und Wohnungssuchende zusammen.

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Von Autor/in Michael Lehmann

Eine bezahlbare Wohnung zu finden – das ist in den meisten Städten im Land schwierig geworden. Besonders schwer tun sich Menschen mit einem kleinen Einkommen. Die beiden kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie haben deshalb eine Wohnungsoffensive gestartet. Sie wollen, dass bezahlbarer Wohnraum als Grundrecht auch von den neuen Landesregierungen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stärker gefördert wird. Etwa 1,5 Millionen Menschen gelten in BW als armutsgefährdet. 

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Caritas und Diakonie wollen Vermieter unterstützen

Bei einem Pressegespräch diese Woche hatten Caritas und Diakonie kritisiert, dass dieses Grundrecht auf bezahlbaren Wohnraum zunehmend unter die Räder komme. Der Appell der Wohn-Experten: Wohnraum darf nicht noch stärker Spekulationsobjekt werden. Allein für BW fehlten etwa 200.000 Sozialwohnungen. Zu viele Menschen müssten einen großen Teil ihres Einkommens für die Miete ausgeben - ihnen bleibe zu wenig für ein ordentliches Leben, sagt Sabine Jung, die Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Baden.

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist insbesondere für Menschen mit niedrigem Einkommen dramatisch. Wir begrüßen es ausdrücklich, dass sich die neue Landesregierung im Koalitionsvertrag für faire Mieten und bezahlbaren Wohnraum einsetzt.

Der frisch ausgehandelte Koalitionsvertrag für eine neue grün-schwarze Landesregierung in BW nennt die Mietpreisbremse als Hilfsmittel im Kampf um mehr bezahlbaren Wohnraum. Doch ohne Solidarität und Vernunft von Vermietern könne es nicht klappen. Zu viele Wohnungen stehen immer noch leer, sagt Jung: "Wir appellieren an Menschen, die über leerstehenden Wohnraum verfügen, diese Wohnungen aktiv zu vermieten." Caritas und Diakonie seien gerne bereit, die richtigen Mieter zu finden, so Jung: „Wir unterstützen dann auch die Vermieter bei allen Fragen rund um Mietverträge und Verlauf des Mietverhältnisses.“

Caritas-„Türöffner“ schafft günstigen Wohnraum

Wie das gehen kann, zeigt ein Beispiel aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). Farnaz Nourafkan kam mit ihrem Mann 2015 aus Iran nach Deutschland, lebte jahrelang in einer beengten Sammelunterkunft. Sie und ihre junge Familie bekam Hilfe über das Caritas-Projekt "Türöffner". So fand sich eine gut 60 Quadratmeter große Wohnung in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg). "Wir haben hier auch viele Spielplätze in der Nähe, auf denen mein Kind spielen kann", sagt Nourafkan.

"Wir sind wirklich zufrieden und sehr glücklich.

Die iranische Mutter finanziert als Lageristin inzwischen einen guten Teil der Miete mit. Das Caritas-Team, das sie unterstützt, kann sich mehr und mehr zurückziehen. Zumal gut möglich ist, dass Nourafkan bald auch in ihrem gelernten Beruf als Programmiererin arbeiten kann. In ihrer Wohnung in Kornwestheim hat sie nun einen Computer, den sie in Ruhe – ungestört vom Lärm einer Gemeinschaftsunterkunft – für weitere Kurse in Deutsch und zum Auffrischen ihrer Programmier-Kenntnisse nutzen kann.

Initiative für Wohnungen als "Integrations-Turbo"

Das Caritas-Team der Initiative "Türöffner" konnte für den Raum Ludwigsburg, Waiblingen und Teile des Enzkreises bislang etwa 120 Vermieter gewinnen, die aus Leerstand günstigen Mietwohnraum gemacht haben. Etwa 500 Menschen leben so nach Caritas-Vermittlung auf etwa 8000 Quadratmetern. Viele Wohnungen befinden sich dort, wo nun deutsche Familien und Zugewanderte gemeinsam zuhause sind. Aus Sicht der Sozialarbeiter sei das ein "Integrations-Turbo".

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Ein wichtiger Nebeneffekt aus Sicht der Sozialverbände: Wer sicheren, bezahlbaren Wohnraum hat, kommt im Leben dauerhaft klar, bleibt stabiler in Arbeitsverhältnissen, wird seltener krank. Wer Wohnraum schafft, indem er etwas Geld investiert, verhindert hohe Kosten durch Sozialleistungen an anderer Stelle – auch das ist ein wichtiges Argument der Wohlfahrtsverbände.

Bezahlbarer Wohnraum: Vorteile für Mieter und Vermieter

Diese Erfolge bestärken Diakonie und Caritas, den Leerstand gerade auch im ländlichen Raum zu neuen Wohnraum zu verwandeln. Auch wenn man bei den potenziellen Vermietern oft auf Ängste stoße. Annette Holusch-Uhlenbrock aus dem Vorstand des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart nimmt diese Ängste ernst.

Annette Holusch-Uhlenbrock vom Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart verspricht potentiellen Vermietern Beratung und Unterstützung, wenn diese Ihre leerstehenden Wohnungen anbieten.
Annette Holusch-Uhlenbrock vom Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart verspricht potentiellen Vermietern Beratung und Unterstützung, wenn diese Ihre leerstehenden Wohnungen anbieten. Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.

Bei Unsicherheiten oder noch offenen Fragen könnten sich mögliche Vermieter direkt an die kirchlichen Wohnraum-Initiativen wenden. "Dort erhalten Sie Beratung und Begleitung", verspricht Holusch-Uhlenbrock. "Und können so gleich anderen Menschen helfen."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Michael Lehmann
Moderator Michael Lehmann aus dem SWR1 Team moderiert immer wieder den SWR1 Sonntagmorgen  Feiertagsmorgen.
Onlinefassung
Fabian Ziehe
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Anna Knake
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