Die Integrierte Leitstelle Freiburg und Google haben ihr gemeinsames Projekt "Live Video" vorgestellt. Dabei geht es um eine neue Funktion des Android-Betriebssystems, mit der man bei Notrufen einen Video-Stream mit den Rettungskräften teilen kann. In den USA und Teilen Mexikos wird die Notruf-Funktion bereits eingesetzt, jetzt kommt Freiburg als europaweit erster Pilot-Standort dazu.
Rettungskräfte können mit Live-Video-Funktion Notfallsituationen besser einschätzen
Wenn bei German Hummel ein Notruf eingeht, musste er bislang darauf setzen, dass der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung ihm die Situation so gut wie möglich schildert. Jetzt hat er es einfacher - zumindest, wenn sein Gesprächspartner ein Android-Gerät hat. Dann kann Hummel einfach einen Video-Stream anfordern und sieht mit eigenen Augen, was gerade passiert.
Für den Koordinator des Rettungsdienst der Integrierten Leitstelle Freiburg eine echte Hilfe: "Einen Schlaganfall können wir viel besser erkennen, wenn wir ein Bild dazu haben. Ein hängender Mundwinkel, verwaschene Sprache - da hat man einfach einen anderen Eindruck, wenn man's sieht", so Hummel. Auch Herzdruckmassagen könne man jetzt viel besser anleiten. Oder bei einem Brand abschätzen, wie groß er ist, und ob die Feuerwehr wirklich ausrücken muss.
Auf Geräten mit Android: Video-Notruf mit nur einem Klick
Möglich wird all das dank der neuen Android-Live-Video-Funktion für Notrufe. Video-Übertragungen für Leitstellen gebe es zwar schon seit einigen Jahren, so Henning Schmidtpott, Entwickler der Live-Video-Funktion und IT-Beauftragter der Integrierten Leitstelle Freiburg. Seine Anwendung sei aber einfacher zu bedienen: "Der Anrufer bekommt nur eine Aufforderung: Video übertragen - ja oder nein? In Notfallsituationen, in denen die Leute gestresst sind, ist das enorm wichtig", sagt er.
Google-Technik aus Freiburg für die ganze Welt
Die Live-Video-Funktion hat die Integrierte Leitstelle Freiburg zusammen mit Google entwickelt. Die Kooperation besteht schon seit 2020. Gemeinsam haben beide bereits den Ortungsdienst "AML" entwickelt, der bei einem Notruf den GPS-Standort des Handys an die Leitstelle schickt.
Die gemeinsam entwickelten Lösungen sind jetzt theoretisch für Milliarden Android-Geräte auf der ganzen Welt verfügbar. Praktisch müssen Leitstellen das System auch bei sich installieren, damit es genutzt werden kann. In den USA und Teilen Mexikos haben Rettungsdienste das bereits getan. Mit Freiburg kommt jetzt auch der erste Standort in Europa dazu.
Live-Video bei Apple erstmal nicht verfügbar
Die Live-Video-Notruf-Funktion wird zunächst nur auf Android-Geräten verfügbar sein, weil Google sie für ihr eigenes Betriebssystem entwickelt hat. Ob und wann es ähnliche Funktionen auch bei Apple und anderen Smartphone-Herstellern geben wird, ist noch nicht bekannt.