Ein großer Teil der Betriebe in Freiburg lehnt die neue Verpackungssteuer ab. Das ergab eine Umfrage der IHK Südlicher Oberrhein unter etwa 100 Mitgliedsunternehmen. Für viele Betriebe sei die Steuer eine wirtschaftliche Belastung und mit organisatorischem Mehraufwand verbunden. Im OB-Wahlkampf gibt es dazu unterschiedliche Meinungen.
To-Go-Geschäft laut IHK besonders betroffen
Besonders deutlich sind laut der IHK-Befragung die Auswirkungen im To-go-Geschäft: Zwischen 48 und 66 Prozent der Betriebe berichten von Umsatzrückgängen. Am stärksten betroffen sind Kaffee, andere Heißgetränke und warme Speisen zum Mitnehmen. Viele Kunden verzichten offenbar häufiger auf To-go-Angebote.
Verpackungssteuer erhöht Arbeitsaufwand
Gleichzeitig klagen über 80 Prozent der befragten Unternehmen über zusätzliche Arbeit. Abläufe und Verwaltungsaufwand würden komplexer. Und sie müssten gegenüber den Kunden mehr erklären, was auch zu Spannungen führe. Mehr als die Hälfte der Betriebe berichtet von regelmäßigen Konflikten an der Kasse. Teilweise ließen Kunden Waren stehen, um die Steuer zu vermeiden. Die Folge: Müll und Umsatzeinbußen.
Burger King-Filiale musste Mitarbeiter entlassen
Der Freiburger Burger King hat laut eigener Aussage besonders mit der Verpackungssteuer zu kämpfen. Ungefähr 30 Prozent der Gäste habe die Filiale in der Tullastraße verloren, sagt Geschäftsführer Phillip Karl Eiermann. Die Situation sei "dramatisch". Im Januar und Februar habe das Restaurant rote Zahlen geschrieben und seit Jahresanfang 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Ein Menü koste wegen der Verpackungssteuer oft zwischen 2,50 und 3 Euro mehr.
Auch kleinere Unternehmen hadern mit der Verpackungssteuer: In der türkischen Bäckerei Sevgin habe etwa der Verkauf von warmen Böreks "to go" um 30-40 Prozent abgenommen, erzählt Junior-Chef Hogir Sevgin.
Gastronom Haas: "Bin großer Fan" der Verpackungssteuer
Benny Haas, Gastronom von zwei Cafés in der Freiburger Innenstadt, kann die Aufregung nur teilweise verstehen. Er ist für die Verpackungssteuer. Sein älteres Geschäft, das "Café Auszeit", hat schon davor auf Mehrweg gesetzt. Die Rückgabe von Besteck und Tellern funktioniere vor allem gut, weil das Café viel Stammkundschaft hat. Er findet, die Handhabung "klappt super gut". Fürs Klima und die Sauberkeit in der Stadt sei die Steuer gut. Gerade wenn im Haus gegessen werde, sei Einweg-Geschirr "unsäglich" für die Umwelt.
Die Verpackungssteuer im OB-Wahlkampf Freiburg
Das Thema Verpackungssteuer polarisiert auch im OB-Wahlkampf. Der amtierende Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) musste die Verpackungssteuer wegen eines Gemeinderat-Beschlusses umsetzen, ist aber dagegen. Sie verursache "großen bürokratischen Aufwand", sei "sozial unfair" und habe "nur eine begrenzte Wirkung", so Horn auf SWR-Anfrage. In Zeiten der Inflation sei die Verpackungssteuer für Kunden und Gastronomie eine "zusätzliche Belastung".
Herausforderer Achim Wiehle, den unter anderen die Freiburger CDU unterstützt, kritisierte die Steuer gegenüber dem SWR als "unlogisch und undurchsichtig". Der Müll in der Stadt müsse zwar abnehmen, die jetzige Reglung aber sei "denkbar schlecht". Sie verursache viel Bürokratie und schade der Wirtschaft.
Monika Stein, die Kandidatin eines links-grünen Bündnisses, befürwortet die Verpackungssteuer. Für Menschen mit wenig Geld müssten aber noch andere Lösungen gefunden werden. Die Stadt könne ihnen etwa Pfandbehälter zur Verfügung stellen. Das sagte Stein auf der Podiumsdiskussion von SWR, Badischer Zeitung und Landeszentrale für politische Bildung zur OB-Wahl. Alle drei Kandidierenden finden es gut, dass der Gemeinderat die Reglung im Oktober nachjustieren will.
Verpackungssteuer soll Müll verringern
Die Verpackungssteuer war im Mai 2025 im Gemeinderat beschlossen worden. Sie gilt seit Anfang des Jahres in Freiburg. Die Idee: Weniger Müll durch Einwegverpackungen und gleichzeitig mehr Einnahmen für die Stadt. Pro Einwegverpackung werden 50 Cent fällig, für Einwegbesteck und ähnliche Hilfsmittel 20 Cent. In anderen Städten gibt es sie schon länger: Tübingen führte 2022 eine Verpackungssteuer ein, Konstanz zog letztes Jahr nach.