Verschärfte Einreisebestimmungen geplant: DNA, Social Media, Familiendaten

"Die Handykontrolle finde ich krass" - Schule sagt Konzertreise in die USA ab

Für die USA-Reise von Bigband und Chor war schon alles geplant. Doch wegen der drohenden Verschärfung der Einreisebestimmungen hat die Müllheimer Schule sie jetzt abgesagt.

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Von Autor/in Charlotte Schönberger, Paula Gent

Seit 25 Jahren pflegt das Markgräfler Gymnasium im badischen Müllheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) einen Austausch in die USA. Für dieses Jahr war bereits alles geplant, doch dann stieß Bigband-Leiter Marcel Fischer auf die drohende Verschärfung der Einreiseregeln und die Schule entschied: Unter diesen Bedingungen kann die Reise nicht stattfinden.

Die Trump-Regierung plant, im Rahmen des elektronischen Reisegenehmigungssystems (ESTA) künftig unter anderem die Social-Media-Aktivitäten der letzten fünf Jahre, Fingerabdrücke, DNA-Profilierung und familienbezogene Daten zu erheben.

Bigband-Leiter Marcel Fischer mit Schülerinnen und Schülern bei der Probe
Bigband-Leiter Marcel Fischer mit Schülerinnen und Schülern bei der Probe

Zehn Tage in die USA zum gemeinsamen Musizieren mit US-amerikanischen Jugendlichen - das war der Plan für rund 60 Schülerinnen und Schüler aus Bigband und Chor. Alles war vorbereitet: die Busse angefragt, die Flüge vorgebucht, die Stücke geprobt. Doch dann erfuhr Fischer, dass es neue Einreisebestimmungen für die USA geben soll: "Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen." Das Ausmaß der Anforderungen mache es der Schule unmöglich, die Reise stattfinden zu lassen.

Die Schüler dachten erst, ich mache einen Scherz. Dann herrschte betretene Stille und große Enttäuschung.

Schülerinnen und Schüler sind enttäuscht, aber auch verständnisvoll

"Ich finde es total erschreckend, dass so viele Sachen offengelegt werden sollen an die Regierung", sagt Hugo Eisenberg. "Da habe ich mir schon Gedanken gemacht, was ich geliked habe." Der 17-Jährige spielt in der Bigband und hatte sich sehr auf die Reise gefreut. Privat würde er wahrscheinlich trotz der Einreisebestimmungen in die USA fahren, denn er möchte Jazz studieren. Für Jazzmusiker sei es wichtig, nach New York zu gehen und dort Konzerte zu spielen.

Frieda Brunen ist vor allem von einer möglichen Kontrolle des Handys schockiert: "Das erinnert an früher, wo man seine Meinung nicht offen sagen durfte." Die Absage der Reise findet sie sehr schade. "Aber ich weiß nicht, wie wohl ich mich mit der Situation gefühlt hätte", sagt sie, "und meine Eltern hätten da bestimmt auch Angst gehabt".

Schüler aus der Bigband schaut auf seinem Handy Social Media an
Im Rahmen der US-Einreisebestimmungen sollen Social-Media-Aktivitäten der letzten 5 Jahre erhoben werden

Unzumutbare Anforderungen und zu hohes Risiko

Besonders die geplanten Anforderungen, DNA abgeben zu müssen und den Zugriff auf das Handy freizugeben, haben Bigband-Leiter Marcel Fischer erschreckt. Datenschutz sei da überhaupt nicht mehr gegeben. "Das Risiko wäre zu groß gewesen", sagt er, "denn die Garantie einer Einreise gibt es nicht mehr". Im schlimmsten Fall, so Fischer, wäre vielleicht ein Schüler abgegriffen worden, weil er irgendwas gepostet hat, das von der Trump-Regierung als antiamerikanisch interpretiert werden könnte.

Ich war noch nie auf einem anderen Kontinent und es wäre sehr cool gewesen, dort Konzerte zu spielen. Aber auch privat würde ich gerade nicht dorthin reisen, wegen der politischen Situation.

"Es ist zur Zeit eine kulturelle Einbahnstraße"

Normalerweise veranstaltet das Markgräfler Gymnasium alle drei Jahre eine Konzertreise in die USA. Zuletzt konnte die Reise wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Auch deshalb hatten sich alle Beteiligten besonders auf diese Reise gefreut. Die Absage erfolgte schweren Herzens, sagt Marcel Fischer: "Es ist sehr traurig. Derzeit ist unser Austausch kulturell eine Einbahnstraße von den USA nach Europa. Mittelfristig hoffe ich, dass sie wieder beidseitig befahrbar sein wird."

"Dass der Austausch jetzt nicht möglich ist, ist sehr schade," sagt die stellvertretende Schulleiterin Marion Neugebauer, "aber wir haben die Pandemie überwunden und werden auch diese Zeit überwinden. Auch die Zeit von Trump ist wahrscheinlich begrenzt, und dann werden wir einen neuen Anlauf machen". Bis dahin soll der kulturelle Austausch trotzdem bestehen bleiben, versichert Marcel Fischer, nur anders: Erstmal werde sich die Schule nach Europa orientieren, es besteht zum Beispiel der Kontakt zu einem Musikgymnasium in Ungarn.

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Autor/in
Charlotte Schönberger
Charlotte Schönberger, Redakteurin und Reporterin beim SWR
Paula Gent

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