Nach dem Großbrand in einem Freiburger Industriegebiet am Mittwochabend kann die Suche nach der Ursache demnächst beginnen. Laut Polizei sind die Löscharbeiten sowie die letzten Sicherungsmaßnahmen der Feuerwehr mittlerweile abgeschlossen. Aktuell prüften noch Statiker, wie stabil die verbliebenen Gebäudeteile sind. Danach können die Kriminaltechniker mit ihrer Spurensuche starten, heißt es von der Polizei. Das Gelände bleibt wegen der Einsturzgefahr weiterhin abgesperrt und eingezäunt.
Brandursache noch unklar
Was den Großbrand ausgelöst hat, ist weiter unklar. Möglich sei ein technischer Defekt oder auch Brandstiftung, so die Polizei am Montagvormittag. Die Polizei spricht von einem "systematischen, spurenschonenden Vorgehen - von außen nach innen, bis zum möglichen Brandherd". Ein vorläufiges Ergebnis zur genauen Brandursache könnte es noch diese Woche geben.
Sprinkleranlage teilweise außer Betrieb
Nach dem Großbrand war bekannt geworden, dass eine Sprinkleranlage in einer Lagerhalle nicht vollständig in Betrieb war. Das teilte der Eigentümer der "Badischen Zeitung" mit. Demnach gab es in der Zeit Arbeiten an der Sprinkleranlage, weshalb eine zusätzliche Brandwache eingestellt wurde. Diese Person war es dann auch, die das Feuer zuerst entdeckt hatte.
Die Feuerwehr hatte die aufwendigen Löscharbeiten am frühen Donnerstagabend im Industriegebiet in Freiburg-Hochdorf beendet. Die Feuerwehr war in der Nacht auf Donnerstag nach Polizeiangaben mit mehr als 200 Einsatzkräften im Einsatz. Tagsüber waren noch etwa 70 Feuerwehrleute vor Ort, um den Brand und letzte Glutnester zu löschen. Mit Baggern wurde versucht, den Zugang zu weiteren Brandherden auf dem Gelände zu ermöglichen. Noch bis Sonntag war die Feuerwehr vor Ort, um die Brandstelle zu überwachen und sicherzustellen, dass keine Gefahr mehr besteht.
Schaden liegt wohl im zweistelligen Millionenbereich
Der durch das Feuer entstandene Schaden wird auf mindestens 50 Millionen Euro geschätzt, sagte ein Polizeisprecher dem SWR am Donnerstagmorgen. In der Nacht hatte die Polizei sogar von rund 75 Millionen Euro gesprochen. Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sei bei dem Brand am Mittwochabend leicht verletzt worden. Er konnte das Krankenhaus aber inzwischen wieder verlassen.
Schnelle Hilfe für betroffene Firmen gefordert
Die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) fordert schnelle Hilfen für die betroffenen Firmen. Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr sind von dem Großbrand sechs Firmen betroffen. Außerdem ist eine Lagerhalle abgebrannt, die sich mehrere Firmen geteilt hatten. Der betroffene Gebäudekomplex im Freiburger Stadtteil Hochdorf hat eine Fläche von rund 40.000 Quadratmetern, davon fiel etwa die Hälfte den Flammen zum Opfer, wie die Polizei im Nachhinein präzisierte. Ursprünglich war von einer Fläche von 60.000 Quadratmetern die Rede gewesen.
Unser Appell richtet sich an die Behörden und Versicherungen, ihre Hilfe unbürokratisch bereitzustellen.
Laut dem stellvertretenden IHK-Geschäftsführer Alwin Wagner sollten längere Betriebsausfälle verhindert werden. Eine schnelle und unbürokratische Hilfe sei dafür zentral. Die Brandkatastrophe von Hochdorf zeige außerdem, wie wichtig es sei, für solche Notfälle vorbereitet zu sein, so Wagner.
Die Feuerwehr sprach von einem der größten Brandereignisse in der Geschichte der Stadt Freiburg. Auch Oberbürgermeister Martin Horn sprach von einem "historischen Brand". Er informierte sich am Donnerstagmorgen bei der Feuerwehr nach dem Ausmaß des Brandes. Jetzt werde es darum gehen, für die betroffenen Betriebe Ersatzflächen zu finden.
Nach ersten Erkenntnissen war das Feuer gegen 21 Uhr in einer Lagerhalle in der Bebelstraße ausgebrochen und hatte über den Dachstuhl auf angrenzende Gebäude übergegriffen.
Warnung über Gefahren-Apps: Fenster und Türen geschlossen halten
Anwohnerinnen und Anwohner wurden am Mittwochabend aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung bestand nicht, hieß es. Durch die starke Rauchentwicklung habe es im Umkreis aber zu Asche-Niederschlag kommen können. Feldfrüchte im Ausbreitungsbereich sollten daher vor dem Verzehr kontrolliert und gewaschen werden.
Augenzeuge: "Ein erschreckendes Bild"
Sven Winterhalter sah den Brand in der Nacht schon von weitem aus dem Auto. Die Rauchsäule sei schon von der Autobahn aus sichtbar gewesen, sagte er dem SWR.
Es war ein erschreckendes Bild, was da in Flammen stand. Die Geräuschkulisse um das Gebäude war enorm.
Peter Kraus arbeitet eigentlich auf dem betroffenen Areal. Er habe aus dem Radio von dem Feuer erfahren, erzählt er am Donnerstagmorgen. Über SMS sei er dann informiert worden, dass er nicht zur Arbeit kommen soll. "Wir kriegen nachher Infos, wie es weitergeht." Im Moment wisse man dazu noch gar nichts, meint er.