Sechs Wochen lang will die Künstlerin Elke Maier Tausende Meter feinen Garn durch das Münster in Freiburg spannen. Die Fäden sollen sich über das silberne Böcklin-Kreuz hinweg bis hin zum 100 Meter entfernten Hochaltar von Hans Baldung Grien ziehen. Je nach Lichteinfall soll der Raum dann eine andere Wirkung haben. Bis Pfingstmontag (25. Mai) soll die Installation fertig sein.
Künstlerin will mit den Fäden das Unsichtbare sichtbar machen
Die ersten Fäden hat die aus Bayern stammende Künstlerin Elke Maier am Dienstagnachmittag gespannt. Hoch oben vom Gewölbe bis hinunter vor den Altar. An dieser Stelle hängt normalerweise das Fastentuch, so Katharina Seifert vom Fachbereich "Kunst, Kultur, Kirche" des Erzbischöflichen Ordinariats. Im Laufe der nächsten Tage und Wochen sollen sich dann immer mehr Fäden durch das Münster spannen. Für Elke Maier ein Arbeitsprozess im Zusammenspiel mit Licht im "kontinuierlichen Dialog mit dem Raum".
Es ist eine sehr filigrane Arbeit. Manche Öffnungen sind so klein, dass ich immer nur einen Faden hinunterlassen kann. Dann folgt der nächste Faden.
Eine Besonderheit im Freiburger Münster sind für die Künstlerin vor allem die Buntglasfenster des Sakralbaus, wie sie sagt. Diese lassen die feinen weißen Fäden aus Nähgarn auf eine ganze besondere Art und Weise zur Geltung kommen, hofft die Künstlerin. Von morgens bis abends will sie in den kommenden Wochen Fäden durch das gesamte Münster spannen - mitten im Publikumsverkehr. Das Kunstwerk entsteht öffentlich und verändert sich täglich und mit jedem Faden. Zu Pfingsten soll es dann seinen Abschluss finden. Wie es am Ende aussehen wird, das weiß Elke Maier zu diesem Zeitpunkt noch nicht, sagt sie.
Die Garnkunst von Elke Meier
Elke Meier kommt ursprünglich aus Bayern und lebt mittlerweile in Kärnten. Ihre Kunst mit Fäden war schon in zahlreichen Kathedralen und Kirchen in Europa zu bestaunen. Doch jedes Mal sei ein völliges neues Werk entstanden, sagt sie. So zum Beispiel im Wiener Stephansdom oder im Bamberger Dom; zum Teil mit fast 60.000 Metern Garn. Jetzt verwirklicht sie ihre neue Kunstinstallation im Kirchenschiff in Freiburg. Unter dem Titel "sichtbar. unsichtbar." webt die Künstlerin eine Installation, die das Unsichtbare sichtbar machen soll.
Fäden aus früheren Projekten im Münsterforum
Einen Vorgeschmack geben die abgehängten Fäden einer früheren ähnlichen Aktion der Künstlerin. Ab dem 23. April sind diese - zusammen mit anderen Kunstwerken von Elke Meier - im Münsterforum ausgestellt. Zur Installation im Münster findet am 25. Mai eine Vernissage mit der Künstlerin statt.