Michael Hogenmüller (parteilos) wollte eigentlich Bürgermeister von Oberwolfach im Ortenaukreis werden. Er wollte die Nachfolge von Matthias Bauernfeind (CDU) antreten, der im Sommer zum neuen Oberbürgermeister von Bühl im Landkreis Rastatt gewählt worden war. Michael Hogenmüller war der einzige Kandidat in Oberwolfach, seine Wahl galt als sicher.
Doch nun hat er sich anders entschieden. Nach einem Streit mit dem Gemeinderat will er - sollte er am kommenden Sonntag gewählt werden - das Amt nicht antreten. Über den Konflikt hatte zuvor die "Lahrer Zeitung" berichtet.
Gemeinderat will neue Regeln für Bürgermeister
Hintergrund für den Streit ist ein Papier, das der Gemeinderat offenbar vergangene Woche - also bewusst noch vor der Wahl - nichtöffentlich beschließen wollte. Mit diesem Dokument sollten verschiedene Dinge geregelt werden: zum Beispiel die Arbeitszeiten des Bürgermeisters, die Nutzung seines Diensthandys, aber auch Themen wie Geschäftsessen und Dienstreiseanträge.
In Oberwolfach wird spekuliert, dass die Amtsführung der Vorgänger der Grund für das Papier sei. Bestätigen will das aber niemand.
Bürgermeister-Kandidat will sich nicht im Vorfeld maßregeln lassen
Kandidat Michael Hogenmüller hat öffentlich eine Erklärung abgegeben, die dem Südwestrundfunk vorliegt. Darin heißt es, er habe mit einem Teil des Gemeinderates, insbesondere mit dem stellvertretenden Bürgermeister, schlechte Erfahrungen gemacht. Das Papier, das nichtöffentlich beschlossen werden sollte, drücke Misstrauen aus. Seine Amtsführung werde vorsorglich, unangemessen und unbegründet eingeschränkt. Er wolle sich nicht schon im Vorfeld maßregeln lassen.
Er spüre Misstrauen und stehe deshalb nicht mehr zur Verfügung, schreibt Hogenmüller in dieser Erklärung. Die Kandidatenvorstellung vergangene Woche wurde kurzerhand abgesagt, stattdessen gab es einen Informationsabend für die Bürgerinnen und Bürger. Gemeinderat und Bürgermeister-Stellvertreter haben an diesem Abend das strittige Papier verteidigt. Beschlossen ist es noch nicht.
Landen neue Namen auf dem Stimmzettel?
Für die Gemeinde Oberwolfach mit ihren 2.500 Einwohnerinnen und Einwohnern ist das nun eine spezielle Situation. Denn bei der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag (9.11.2025) steht nur ein Name auf dem Stimmzettel, nämlich der von Michael Hogenmüller. Wie aus dem Rathaus zu erfahren ist, gibt es aber noch eine freie Zeile, in die andere Namen eingetragen werden können.
Eine mögliche Kandidatin oder ein möglicher Kandidat müsste im ersten Wahlgang dann aber auch - wie üblich - mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen. Sollte Hogenmüller gewählt werden und ablehnen, werde die Stelle neu ausgeschrieben. Ein möglicher Kandidat für die freie Zeile ist offenbar der frühere Oberwolfacher Bürgermeister Jürgen Nowak. Der 66-Jährige, der von 1983 bis 2015 im Amt war, hat sich gegenüber lokalen Medien selbst ins Spiel gebracht.