Am 26. April 2026 wird abgestimmt

OB-Wahl in Freiburg: Diese Kandidaten wollen an die Rathausspitze

Bleibt alles beim Alten oder schlägt Freiburg ein neues Kapitel auf? Am 26. April 2026 steht die Wahl des Oberbürgermeisters an. Neun Kandidaten wurden für die Wahl zugelassen.

Teilen

Stand

Bei der Oberbürgermeisterwahl in Freiburg am 26. April treten neun Kandidierende an. Amtsinhaber Martin Horn (parteilos) strebt eine zweite Amtszeit an. Herausgefordert wird er unter anderem von Monika Stein, die von den Grünen sowie weiteren Fraktionen im Gemeinderat unterstützt wird und von Achim Wiehle, der von der CDU favorisiert wird.

Martin Horn: Der Amtsinhaber

Martin Horn, seit 2018 Oberbürgermeister von Freiburg, tritt erneut als parteiloser Kandidat an. Damals hatte er im zweiten Wahlgang mit 44,2 Prozent der Stimmen Amtsinhaber Dieter Salomon abgelöst. Auch 2026 kann Horn erneut auf die Unterstützung der SPD zählen, die ihm fast einstimmig ihr Votum gab.

Ein zentrales Thema seines Wahlkampfs ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt eine Bürgerumfrage durchgeführt, in der Wohnen und Wohnungsbau mit großem Abstand als drängendstes Anliegen genannt wurden. Horn verweist in diesem Zusammenhang auf eine von ihm initiierte Wohnbauoffensive, die nun erste Ergebnisse zeigen soll.

Zugleich betont er, dass es noch viele weitere große Herausforderungen gebe - etwa in den Bereichen Ökologie und soziale Infrastruktur. "In angespannten Zeiten geht es um Verlässlichkeit, um Politikstil und um Menschlichkeit", sagt der 40-Jährige. Als dreifacher Familienvater sei es ihm stets wichtig gewesen, nahbar, verlässlich und authentisch zu bleiben. Er hofft auf einen fairen Wahlkampf - und darauf, erneut das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen.

Monika Stein: Die Kämpferin für Gerechtigkeit

Monika Stein, 55 Jahre alt, ist ebenfalls parteilos, erhält jedoch Unterstützung von einem breiten linken Bündnis. Mit den Grünen hat sie die größte Fraktion im Gemeinderat hinter sich. Außerdem haben "Eine Stadt für alle", die Linke Liste-Solidarische Stadt, Die Linke, Die Unabhängigen Frauen Freiburg, Urbanes Freiburg, die Liste Inklusion und Teilhabe sowie die Grüne Alternative Freiburg ihre Unterstützung verkündet.

Die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW hat sich in Freiburg bereits einen Namen gemacht: Sie saß 14 Jahre lang im Gemeinderat und kandidierte schon bei der letzten Wahl 2018 für das Amt der Oberbürgermeisterin. Damals erreichte sie in beiden Wahlgängen etwa 25 Prozent der Stimmen.

Stein setzt sich für soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Bildungschancen für alle ein. "Freiburg soll sozial gerecht, nachhaltig und für den Klimawandel gerüstet sein", betont sie in einer Mitteilung. Ihre Erfahrung als Lehrerin und Gewerkschaftsvorsitzende bringt sie aktiv in Debatten ein, etwa zum Lehrermangel oder zur Migrationsquote an Schulen.

Eines ihrer großen Wahlkampfthemen wird die Stärkung der kommunalen Wirtschaft sein, mit neuen Gewerbeansiedlungen auf dem Freiburger Flugplatz. So richtig wird die gebürtige Freiburgerin erst am 14. März in den OB-Wahlkampf einsteigen, da sie derzeit noch als GEW-Landesvorsitzende unterwegs ist.

Dejan Mihajlović: Der Demokratie-Verfechter

Auch Dejan Mihajlović (parteilos) wirft seinen Hut in den Ring. Sein Ziel ist es, Freiburg zu einer "Demokratiemodellstadt" zu machen - einer Stadt, in der Bürgerinnen und Bürger aktiv an der Lösung lokaler Probleme beteiligt sind und dabei von der Verwaltung unterstützt werden.

Mihajlović ist vor allem durch sein Engagement gegen Rechtsextremismus bekannt. Im Januar 2024 organisierte der 49-Jährige in Freiburg eine Großdemonstration mit etwa 25.000 Teilnehmenden gegen Rechtsextremismus. Anlass waren die Correctiv-Recherchen über ein Treffen rechtsextremer Kreise, bei dem auch Pläne zur sogenannten "Remigration" besprochen wurden. Diese Enthüllungen führten bundesweit zu Massendemonstrationen.

Für Mihajlović war dieses Engagement der Anstoß für seine Kandidatur: Er betrachtet diesen Schritt als "logische Konsequenz", um Menschen künftig noch gezielter unterstützen zu können.

Mihajlović ist Referent für Demokratiebildung und Digitalisierung beim Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg und Lehrer an der Staudinger-Gesamtschule in Freiburg. Er engagiert sich in Sachen Demokratie-Demos und Debatten und veranstaltet "Demokratie-Barcamps", um gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie der Rechtsstaat verteidigt werden kann.

Achim Wiehle: Der Unternehmer

Auch Achim Wiehle wirft seinen Hut in den Ring. Der parteilose Unternehmer beschreibt sich selbst als "unabhängigen Kandidaten der bürgerlichen Mitte in Freiburg". Er wird aber vom CDU-Kreisverband Freiburg unterstützt. Das haben dessen Mitglieder auf einem Parteitag Mitte Januar mit großer Mehrheit beschlossen.

Wiehle wurde 1971 in Freiburg geboren und führt derzeit zwei Großhandelsunternehmen. Zudem ist der dreifache Familienvater bundesweit als Berater unterwegs. Als Oberbürgermeister will Wiehle seine "gesamte Kraft und Erfahrung in Freiburg einbringen und sich vollkommen auf die neue Aufgabe konzentrieren", wie er in einer Pressemitteilung schreibt.

Zu seinen wichtigsten Anliegen gehören die Themen bezahlbarer Wohnraum, Sicherheit, Bekämpfung von Kriminalität und Klimaschutz. Wiehle will den Wirtschaftsstandort im Dreiländereck stärken und sich außerdem für die Generationengerechtigkeit sowie das Vereinsleben und Ehrenamt stark machen. "Ich will den Freiburgern und Freiburgerinnen ein Angebot machen. Ich stehe für Zuversicht, Zuverlässigkeit, Vertrauen und Pragmatismus. Die Kandidatur in Freiburg ist eine Herzensangelegenheit", sagt Wiehle.

Freiburg

Wahlveranstaltung in voller Länge Vor Freiburger OB-Wahl: So lief die Diskussion von SWR, BZ und LpB

Vor der Freiburger Oberbürgermeisterwahl haben sich die Kandidierenden den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. Moderiert von Journalisten des SWR und der Badischen Zeitung.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Florian Braune: Der Jurist

Der gebürtige Freiburger Florian Braune (Freie Wähler) war bisher als Fachanwalt und Kommunalpolitiker tätig. Nach 16 Jahren Politikpause will er als Oberbürgermeister vor allem auf alltagsnahe Themen setzen, um die Freiburger Bürgerinnen und Bürger zu entlasten.

Der zweifache Vater und Mitgründer der kommunalen Wählervereinigung "Junges Freiburg" setzte sich schon früh in verschiedenen Jugendorganisationen für die Bedürfnisse seiner Generation ein. In den Abendstunden legte er in früheren Jahren gerne mal als Resident DJ im Freiburger Club AGAR auf.

Heute, da seine Kinder im Teenageralter sind, möchte er an seine Zeit im Gemeinderat (2002 - 2009) anknüpfen. Als Oberbürgermeister will er sich für einen kostenfreien Nahverkehr, mehr Wohnraum und eine "Freiburg-App" stark machen. Die App soll die Amtsbürokratie vereinfachen und ein Mittel für mehr Bürgerbeteiligung sein, so Braune.

Martin Borgmann: Der Andere

Ein weiterer Oberbürgermeisterkandidat kommt aus den Reihen der Satirepartei Die PARTEI: Martin Borgmann vom Freiburger Kreisverband will nach eigenen Angaben "den alten Martin (Horn) durch sich selbst ersetzen". "Wir sagen Nein zu Martin, Ja zu Martin", so der 34-Jährige.

Borgmann nennt zwei Schwerpunktthemen für seinen Wahlkampf: die Bekämpfung der Wohnungsnot und den Ausbau der Windenergie. So fordert er unter anderem die Enteignung des Freiburger Bauunternehmers Unmüssig und eine anschließende Umverteilung der Wohnungen. Außerdem setzt sich der gebürtige Cloppenburger für ein Windrad auf dem Münsterturm ein.

Der 34-Jährige ist seit rund vier Jahren Mitglied bei Die PARTEI. An der Uniklinik Freiburg promoviert er im Fach Biologie mit Schwerpunkt Krebsforschung.

Claudio Probst: Der Anarchist

Für die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (APPD) will Claudio Probst als Oberbürgermeister kandidieren - eine Premiere für Freiburg: Die APPD hat bislang noch keinen OB-Kandidaten oder keine OB-Kandidatin aufgestellt. Der 35-Jährige setzt sich aktiv für das Recht auf Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich ein. Probst ist nach eigenen Angaben selbst arbeitssuchend. Die Wohnungsnot wolle er durch die Legalisierung von Hausbesetzungen bekämpfen, betont er. Dem Spießertum in Freiburg möchte der Musiker - der in einer Punkrock-Band spielt - unter anderem mit Swingerclubs in jedem Stadtteil entgegentreten.

Die APPD wurde laut Bundeszentrale für politische Bildung 1994 gegründet. Sie ging aus der seit 1981 bestehenden "bundesweiten Vereinigung von Pogo-Anarchisten" hervor. Das Motto der Partei lautet "Frieden, Freiheit, Abenteuer". Sie grenzt sich bewusst von den Volksparteien ab und bezeichnet sich selbst als "Partei des Pöbels und der Sozialschmarotzer", die Kapitalismus und Leistungsdruck ablehnt. Politikwissenschaftler ordnen die APPD als Spaß- und Satirepartei ein.

Karl Schwarz: Der Arbeiter

Mit Karl Schwarz hat auch die Alternative für Deutschland (AfD) einen Kandidaten für die OB-Wahl aufgestellt. Seit knapp vier Jahren sitzt Schwarz für die AfD im Freiburger Gemeinderat. Zudem ist er Kreisvorsitzender der AfD in Freiburg. In Baden-Württemberg wird die Partei vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft.

Karl Schwarz will die vorgeschriebenen Standards für Klimaneutralität beim Bauen von Wohnungen senken und auf diese Weise günstigen Wohnraum schaffen. Bei der Mobilität will er einen Ausgleich zwischen Autoverkehr, Radverkehr und öffentlichem Nahverkehr umsetzen. Außerdem möchte er städtische Zuschüsse für kulturelle Einrichtungen wie die KTS (Kulturtreff in Selbstverwaltung) streichen.

Wim Kölker: Der Anti-Kandidat

Ebenfalls die erforderlichen 250 Unterstützerinnen und Unterstützer nachgewiesen hat der Freiburger Student Wim Kölker. Seine Kandidatur: Eine Satireaktion unter dem Motto "der AfD den WIMd aus den Segeln nehmen". Ziel dieser Aktion sei es gewesen, "ohne Partei, ohne Gelder und ohne Rechtsextremismus", die nötigen Unterschriften zu sammeln, wie aus einem Aufruf auf Instagram hervorgeht. Die Frage "Wim als Oberbürgermeister?" wird in dem Post von Kölker als "realitätsfern" bezeichnet. "Mir ist wichtig zu betonen, dass ich diese Kandidatur nicht mit dem Ziel verfolge, tatsächlich gewählt zu werden", erklärt er auf SWR-Anfrage.

Insgesamt hatten sich 13 Personen für die Kandidatur beworben. Drei von ihnen wurden vom Wahlausschuss der Stadt nicht zugelassen, unter anderem der Kreisvorsitzende der WerteUnion in Freiburg, Vinzenz Bothe. Valerie Tabea Schult hatte ihre Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen.

Wie geht es jetzt weiter?

Der erste Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl findet am Sonntag, 26. April 2026, statt. Erringt niemand mehr als die Hälfte der Stimmen, gibt es drei Wochen später, am 17. Mai 2026, eine Stichwahl zwischen den beiden stimmenstärksten Kandidierenden.

Freiburg

Wahlveranstaltung in voller Länge Vor Freiburger OB-Wahl: So lief die Diskussion von SWR, BZ und LpB

Vor der Freiburger Oberbürgermeisterwahl haben sich die Kandidierenden den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. Moderiert von Journalisten des SWR und der Badischen Zeitung.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Freiburg

Reihenfolge auf dem Stimmzettel steht fest Neun Kandidaten zur OB-Wahl in Freiburg zugelassen: Drei Bewerbungen abgelehnt

Der Gemeindewahlausschuss der Stadt Freiburg hat die Kandidierenden für die Oberbürgermeisterwahl bestätigt. Amtsinhaber Martin Horn wird acht Gegenkandidaten haben.