Demenz betrifft immer mehr Menschen

Wenn die Musik bleibt: Neuer Chor in Freiburg

In einem neuen Chor in Freiburg singen Menschen mit und ohne Demenz zusammen. Das ist für die Teilnehmer nicht nur ein gutes Gehirntraining. Es hilft auch gegen Einsamkeit.

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Von Autor/in Marion Eiche

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz. Und es trifft nicht nur Ältere. Laut jüngsten Erhebungen soll die Zahl der Betroffenen in Baden-Württemberg bis 2040 rasant steigen: von zuletzt etwa 200.000 auf 256.000. Also braucht es entsprechende Angebote. Zum Beispiel hat das Netzwerk Demenz Freiburg jetzt einen neuen Chor gegründet. Der richtet sich an Menschen mit Demenz und auch an Interessierte, die nicht erkrankt sind.

Die Freude am Gesang vereint

Neu mit dabei ist Hans-Heinrich Mohn. Er hat bislang leidenschaftlich im Buschorchester in Freiburg mitgesungen. Ein großer Chor, der Lieder mit komplexen Texten singt. Aber das wird für ihn jetzt immer schwieriger. Denn vor einigen Jahren ist Hans-Heinrich Mohn an Demenz erkrankt. Er ist einer von etwa 1,8 Millionen Betroffenen in Deutschland.

Ich weiß nicht, wie lange ich das mit meiner Demenz noch machen kann.

Hans-Heinrich Mohn geht offen mit seiner Erkrankung um: Im SWR Nachtcafé hat er im Herbst 2025 gemeinsam mit seiner ehemaligen Ehefrau darüber gesprochen.

Musikgedächtnis nicht von Demenz betroffen

In einer Liste im Computer sind die Termine des Tages aufgeführt.
Für Menschen mit Demenz ist es schwer, sich zurecht zu finden.

Noch kommt Hans-Heinrich Mohn zu Hause allein zurecht. Seine Termine notiert sich der 74-Jährige in Listen im Computer. Für Dienstag steht dort nun ein neuer Termin in der Liste: 15 Uhr, Chorprobe im Heinrich-Hansjakob-Haus in Freiburg, eine Einrichtung des Caritasverbands.

Hier treffen sich seit Mitte Januar etwa 20 bis 30 Menschen unterschiedlicher Altersgruppen. Einige leben mit Demenz oder zeigen erste Anzeichen. Andere kommen als Angehörige oder Interessierte. Chorleiter Frank Leenen, früher Domkapellmeister, zieht nach der Proben eine Bilanz: "Jemand der im Chor gesungen hat sein ganzes Leben lang, ich gehe mal davon aus, dass der das immer noch einigermaßen hinbekommt, was Neues zu lernen." Aber das sei für ihn eine Frage, die noch nicht beantwortet sei, so Leenen. Sein Eindruck bisher: Es klingt gut, und der Chor ist lernfähig.

An diesem Tag werden "Ein Vogel wollte Hochzeit machen" als dreistimmiges Lied und ein weniger bekanntes Geburtstagsständchen als Kanon geprobt. Hans-Heinrich Mohn muss sich anstrengen, aber er kann sich an seinem Nebenmann, einem stimmkräftigen Tenor orientieren. Aus eigener Erfahrung berichtet er, dass das Informationsgedächtnis dement wird, nicht aber das Musikgedächtnis: "Die Texte zu merken, ist noch eine Herausforderung für sich, aber in Melodien komm' ich ziemlich leicht rein."

In einem Chor in Freiburg singen Menschen mit und ohne Demenz zusammen.
Singen in der Gemeinschaft macht große Freude.

Wie profitieren Menschen mit Demenz von so einem Chor?

Viele Teilnehmer sind dankbar für die Möglichkeit, hier im Chor mitzusingen. Denn: Demenz macht oft einsam. Das berichtet auch ein Sänger, der kaum älter scheint als 60 Jahre. Es gibt Studien, die belegen, dass Chorsingen bei Demenz die emotionale Stabilität und das Wohlbefinden stärkt. Der Schlüssel liegt in der Gemeinschaft der Chormitglieder. Deshalb geht es nach der Probe im Heinrich-Hansjakob-Haus in Freiburg noch zusammen zum Kaffeetrinken.

Außerdem belegen wissenschaftliche Studien, dass Singen im Chor die Gehirngesundheit fördert und das Demenzrisiko senkt. Denn Singen im Chor ist komplex: Melodie, Rhythmus, Text und Intonation - auf alles muss man achten. Ob der neue Chor in Freiburg irgendwann ein Konzert geben wird? Für Chorleiter Frank Leenen ist das nicht die Frage. Denn im Mittelpunkt steht vor allem die Freude am Gesang.

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Autor/in
Marion Eiche
Marion Eiche, SWR Studio Freiburg

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