Der Herr der Wellen

Von Todtnau in die Salons der Welt: Wie ein Schwarzwälder die Dauerwelle erfand

Sie schlägt bis heute Wellen und wurde im Schwarzwald erfunden: die Dauerwelle. Todtnau feiert 1.000 Jahre und seinen berühmtesten Tüftler, den Erfinder eines globalen Frisurentrends.

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Von Autor/in Vanessa Amann

Sie kommt in Wellen, war nie ganz weg und feiert gerade ihr Comeback auf den Köpfen: die Dauerwelle. Erfunden nicht etwa in Paris oder London - sondern im Schwarzwaldstädtchen Todtnau (Kreis Lörrach).

Der Friseurtüftler Karl Ludwig Nessler, später umbenannt in Charles Nestlé aus Todtnau, hat Anfang des 20. Jahrhunderts eine Technik entwickelt, die die Haarmode weltweit revolutioniert hat. Am Samstag feiert die Stadt ihr 1.000-jähriges Bestehen und erinnert mit dem Nessler-Preis an den Erfinder der Trendfrisur.

Nessler war ein Erfinder. Er hat nicht nur die Dauerwelle erfunden, sondern auch künstliche Wimpern und Haarmessgeräte patentieren lassen.

Nesslers Dauerwelle: Zwischen Fashion und Folter

Wickeln, einwirken lassen und fixieren: "Heute dauert eine Dauerwelle keine Stunde mehr", sagt Peter Hauth, Obermeister der Friseur-Innung Lörrach. Doch bis die heutige Technik ausgefeilt war, musste der Pionier Nessler experimentieren.

1906 stellte der Friseurmeister Karl Ludwig Nessler die sogenannte Heißdauerwelle in London vor. Er benetzte das Haar mit einer Flüssigkeit, wickelte es strähnenweise um Metallstäbe und erhitzte es mit einer glühenden Zange. Für die Entwicklung und den Erfolg herhalten musste seine Freundin Katharina Laible - sie diente als Versuchsperson. "Sie bekam zwar Locken, aber auch Brandblasen, eine verbrannte Kopfhaut und Haarausfall", erklärt Ralf Andreas Thoma vom Bürstenmuseum in Todtnau.

Als "Foltermethode" wurde das Verfahren zur dauerhaften Wellung der Haare zu dieser Zeit beschrieben. Erst drei Jahre später ersetzte Nessler die glühenden Zangen durch elektrische Heizer. Eine Nachbildung davon wird im Bürstenmuseum in Todtnau in einer Dauerausstellung über den Friseurmeister Nessler gezeigt.

Monika Schneider zeigt an einer Puppe im Bürstenmuseum in Todtnau wie der elektrische Heizer funktioniert hat.
Im Bürstenmuseum in Todtnau gibt es eine Dauerausstellung zu Karl Ludwig Nessler und seinen Erfindungen. Diesen elektrischen Heizer hat Nessler 1909 auf den Markt gebracht.

Erfolg von Nessler kam auch Todtnau zugute

Die "Dauerhafte Haarwelle auf dem lebenden Kopf" hat sich Nessler 1908 in London patentieren lassen. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs floh er von London in die USA. Dort landete er seinen großen Durchbruch.

Das Bild zeigt vier Frauen in einem Friseursalon um 1930 und den "Nestlé-Dauerwellen-Apparat".
Keine Gedankenkontrolle und auch keine Alien-Invasion, sondern die nächste Erfindung von Nessler, für die er 1914 ein Patent anmeldete. Die Heiztuben müssen jetzt nicht mehr gehalten werden.

Zu Spitzenzeiten beschäftigte er 500 Angestellte. Sie produzierten seine Dauerwellenapparate in Serie und arbeiteten in seinen Salons. Seine Heimat hatte der Todtnauer aber nie vergessen. Als die Inflation 1923 ihren Höhepunkt in Deutschland erreichte, schickte er Spenden in den Schwarzwald und kaufte den Bauern ihr Getreide ab.

Mit der Dauerausstellung wollten wir dem Edelmut von Nessler als Exil-Todtnauer und nicht dem Friseur gedenken. Er hat viel für Todtnau getan.

Ist die Dauerwelle wieder im Trend?

Die Dauerwelle war nie weg. Die Technik hat sich stark gewandelt, aber getragen wird sie immer noch, sagt Peter Hauth. "Viele junge Männer tragen heute eine Dauerwelle", so der Friseurmeister.

Heute ist es eher ein natürlicher Look und weniger Volumen am Ansatz. "Die Dauerwelle hat sich der Mode angepasst", sagt er und funktioniere ganz ohne Brandblasen und Haarausfall.

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