Bis an die Schweizer Grenze gebracht

Der Flamingo vom Titisee ist wieder frei - findet er zurück zu seinen Artgenossen in der Schweiz?

Der vor anderthalb Wochen am Titisee eingefangene Flamingo wurde nahe der Schweizer Grenze ausgewildert. Ein direkter Umzug in die Schweiz war pragmatisch nicht möglich, heißt es.

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Zehn Tage lang wurde nach einer Lösung gesucht, nun ist der exotische Gast vom Titisee wieder frei. Auf einem Bein schlafend, stand er vor anderthalb Wochen plötzlich am Ufer des Titisees (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) im Schwarzwald. Ein einzelner junger Flamingo. Die Polizei fing ihn erstmal ein. Jetzt wurde der Vogel nahe der Schweizer Grenze ausgewildert, in der Hoffnung, dass er sich einer Gruppe von Artgenossen anschließt. Diese lebt am Klingnauer Stausee im Kanton Aargau, wo rund 20 Flamingos heimisch sind. Doch warum wurde der Flamingo nicht direkt in der Schweiz freigelassen?

Flamingo soll unbürokratisch allein in die Schweiz einreisen

Wie ein Sprecher des Freiburger Regierungspräsidiums mitteilte, war ein direkter Umzug des Flamingos vom Titisee in die Schweiz nicht möglich. "Wir haben uns für diesen Weg entschieden, da wir das Tier nicht unnötig in Menschenobhut belassen wollten", erklärte er. Eine Frau, die sich freiwillig engagierte, brachte den Flamingo schließlich zum Freilassungsort auf deutscher Seite, nahe Waldshut-Tiengen. Dort, gegenüber der Aare-Mündung, wurde der Vogel wieder in die Natur entlassen.

Die Entscheidung, das Tier in Deutschland auszuwildern, war pragmatischer Natur. Der Flamingo gilt als Wildtier, und die Verantwortlichen wollten eine lange Haltung in einer Not-Aufnahmestation vermeiden. Der Tierschutzverein Markgräflerland in Buggingen hatte den Vogel aufgenommen.

Der Wildvogel war gesund und in guter Verfassung

Laut Matthias Henrich, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, handelt es sich bei dem Tier der Art 'Rosaflamingo' um einen Wildvogel. "Es ist bekannt, dass ein Anteil der jungen Rosaflamingos unmittelbar nach dem Flüggewerden aus ihren Brutkolonien abwandert. Das dient dazu, neue Lebensräume zu finden und zu erschließen", erklärt Henrich. Dieses Verhalten, auch als Dismigration bezeichnet, sei vermutlich auch bei diesem Tier der Grund für seine Reise. Hinweise auf eine Haltung durch Menschen gebe es nicht.

Nach seiner Rettung wurde der Flamingo tierärztlich untersucht. Dabei waren keine Parasiten oder Infektionskrankheiten festgestellt worden, und das Tier hatte an Gewicht zugelegt.

Flamingo vom Titisee vorübergehend in der Obhut des Tierschutzvereins Markgräflerland
Der in Titisee gestrandete Flamingo wurde in die Obhut des Tierschutzvereins Markgräflerland in Buggingen gegeben.

Flamingos in Europa: Von Südeuropa bis ins Münsterland

Flamingos sind normalerweise in wärmeren Regionen wie Afrika, Asien und Südeuropa zu Hause. Doch in den letzten Jahren wurden vermehrt Flamingos in Schweizer Gewässern gesichtet. Die Kolonie am Klingnauer Stausee ist ein Beispiel dafür. Ob sich der Gast vom Titisee tatsächlich seinen Artgenossen in der Schweiz anschließt, wird sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen.

Interessanterweise gibt es auch in Deutschland eine kleine Flamingo-Kolonie: Im Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn im Münsterland brüten die Vögel seit Jahrzehnten. Die Gruppe an der niederländischen Grenze gilt als die weltweit nördlichste Kolonie ihrer Art.

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Thomas Hermanns
Reporter Thomas Hermanns

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