Der junge Flamingo vom Titisee könnte bald eine neue Heimat finden. Das Tier war am vergangenen Freitag aufgegriffen worden, da zunächst der Verdacht auf Krankheit und Unterernährung bestand. Nach einer gründlichen Untersuchung durch den Tierschutzverein Markgräflerland und Experten des Zoos Basel steht fest: Der einjährige Flamingo ist gesund und hat sich gut erholt. Nun wird geprüft, wo und wie er am besten wieder in die Natur entlassen werden kann.
Ein gesunder Wildvogel auf Abwegen?
Laut Matthias Henrich, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, handelt es sich bei dem Tier der Art 'Rosaflamingo' um einen Wildvogel. Darüber hatte unter Tierschützern zuletzt Uneinigkeit geherrscht. "Es ist bekannt, dass ein Anteil der jungen Rosaflamingos unmittelbar nach dem Flüggewerden aus ihren Brutkolonien abwandert. Das dient dazu, neue Lebensräume zu finden und zu erschließen", erklärt Henrich. Dieses Verhalten, auch als Dismigration bezeichnet, sei vermutlich auch bei diesem Tier der Grund für seine Reise. Hinweise auf eine Haltung durch Menschen gebe es nicht.
Nach seiner Rettung wurde der Flamingo zum Tierschutzverein Markgräflerland in Buggingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) gebracht und dort tierärztlich untersucht. Dabei konnten keine Parasiten oder Infektionskrankheiten festgestellt werden, und das Tier hat inzwischen an Gewicht zugelegt. Das Ergebnis eines Tests auf das West-Nil-Virus steht jedoch noch aus. Dieses Virus, das von Vögeln auf Stechmücken und in seltenen Fällen auf Menschen übertragen werden kann, wird besonders bei grenzüberschreitenden Tiertransporten streng überwacht.
Schweiz oder Elsass: Wohin geht die Reise?
Die nächste Herausforderung besteht darin, einen geeigneten Ort für die Auswilderung des Vogels zu finden. Idealerweise sollte der Flamingo wieder Anschluss an Artgenossen finden. Eine mögliche Option ist eine 20-köpfige Flamingogruppe, die sich derzeit am Klingnauer Stausee in der Schweiz aufhält. Diese Gruppe wurde zuvor am Genfer See beobachtet und dürfte der ursprünglichen Kolonie des Jungvogels angehören, glaubt das Regierungspräsidium.
Wir freuen uns, wenn er wieder glücklich leben kann in einer neuen Kolonie und sich dort wohlfühlt, das ist das Allerwichtigste.
Allerdings stellt die Schweiz als Nicht-EU-Land eine bürokratische Hürde dar. Das Regierungspräsidium hat angekündigt, Kontakt mit den zuständigen Schweizer Behörden aufzunehmen, um die Freilassung zu ermöglichen. Sollte dies scheitern, käme eine Auswilderung ins Elsass in Frage, etwa in der Nähe des Naturschutzgebiets Petite Camargue im Dreiländereck. Dort gibt es nach Angaben der Freiburger Behörde geeignete Flächen, die dem Flamingo ausreichend Nahrung und Lebensraum bieten könnten.
Das Wohl des Tieres steht im Mittelpunkt
"Wir freuen uns, wenn er wieder glücklich leben kann in einer neuen Kolonie und sich dort wohlfühlt", betont Henrich. Die Entscheidung hängt nun von den letzten Testergebnissen und den Abstimmungen mit den Behörden ab. Klar ist: Der Flamingo hat gute Chancen, bald wieder in freier Wildbahn zu leben - sei es in der Schweiz oder im Elsass.