An Silvester kommt es bei Kindern immer wieder zu Unfällen mit Feuerwerkskörpern, das beobachtet Tobias Berberich seit vielen Jahren. Er arbeitet in der Kinderchirurgie und Kinderurologie des St. Elisabethen Krankenhauses in Lörrach. Jährlich behandele er in dieser Zeit zwischen 10 und 20 verletzte Kinder und Jugendliche, erzählt er. Häufig seien an den Verletzungen auch die Eltern verantwortlich.
Silvester-Unfälle passieren oft unter Alkoholeinfluss
"Don't drink and böller", rät Kinderchirurg Tobias Berberich. Denn: Die meisten Unfälle an Silvester würden unter Alkoholeinfluss passieren. Seit rund 20 Jahren arbeitet Berberich in der Kinderchirurgie - und gerade die Silvesternächte seien ihm im Gedächtnis geblieben.
Ein Fall habe sich bei ihm besonders eingeprägt: Ein Jugendlicher verlor bei einer Mutprobe zwei Finger seiner rechten Hand, weil er versuchte, einen Feuerwerkskörper erst im letzten Moment loszulassen. "Solche schweren Unfälle passieren meist unter Alkoholeinfluss", so Berberich. "Und letztlich tragen auch die Eltern Verantwortung."
Ein Feuerwerk ist keine Mutprobe und nichts, was im Zusammenhang mit Alkohol benutzt werden sollte.
In einem anderen Fall hat laut Berberich ein betrunkener Erwachsener einen Böller auf den Anorak eines Kindes geworfen. Das Kind wurde erst zwei Tage später mit schweren Verletzungen in die Klinik gebracht. Unfälle, die laut Tobias Berberich hätten leicht vermieden werden können.
Wenn die Kleidung anfängt zu brennen
Am häufigsten kommen Kinder und Jugendliche an Silvester in die Notaufnahmen des St. Elisabethen Krankenhauses, weil sie sich an Händen und Augen verletzt haben. Besonders gefährlich seien Verbrennungen durch Kleidung aus synthetischen Materialien, sagt der Chefarzt.
"Diese Stoffe haben die Eigenschaft, dass sie sehr unangenehm brennen und die Haut dadurch sehr tief verletzt wird", erklärt Berberich. Wenn in der Notaufnahme angekündigt werde, dass ein Kind mit verbrannter Kleidung eingeliefert wird, wisse das Team bereits, dass ein aufwendiger Einsatz bevorstehe.
Unfall mit Feuerwerkskörper - was tun?
Kommt es zu einem Unfall mit einem Feuerwerkskörper, sei schnelles und richtiges Handeln entscheidend, sagt Tobias Berberich. "Wenn eine Jacke brennt, sollte das Feuer sofort mit einer Flüssigkeit gelöscht oder mit einer Decke erstickt werden", erklärt der Kinderchirurg. Anschließend sollte die betroffene Stelle gekühlt werden - aber nicht zu lange, um eine Unterkühlung zu vermeiden.
Danach müsse unverzüglich ein Krankenhaus aufgesucht werden und nicht erst ein oder zwei Tage später. Besonders wichtig ist es laut Berberich, den Kindern Schmerzmittel zu geben. "Verbrennungen tun sehr, sehr weh", betont er. Ohne Schmerzmittel könne das Kind in einen Schock geraten, der die Durchblutung vermindere.
Feuerwerk: mehr Aufklärung statt Verbot
Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte hat am 22. Dezember 2025 mit sechs weiteren medizinischen Verbänden eine Silvesterpräventionskampagne gestartet. Ziel ist es, insbesondere junge Menschen für die Risiken von Feuerwerk zu sensibilisieren. Sie sollen eigenverantwortlich, bewusst und rücksichtsvoll damit umgehen.
"Statistiken zeigen, dass vor allem junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren betroffen sind, aber auch Kinder und unbeteiligte Beobachtende geraten immer wieder in Gefahr", schreibt Jan Löhler, Präsident des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte.
Ich bin kein Freund von einem Böllerverbot.
Auch Kinderchirurg Tobias Berberich setzt auf Eigenverantwortung: "Ich habe selbst Kinder und weiß, was Verbote bewirken. Sie machen Dinge oft noch interessanter." Stattdessen könne er sich einen "Böllerführerschein" oder ein Alkoholverbot in Kombination mit Feuerwerk vorstellen. Seine Devise bleibe aber weiterhin "aufklären, aufklären, aufklären".
In der diesjährigen Silvesternacht wird Tobias Berberich nicht im Dienst sein. Seinen Kolleginnen und Kollegen in der Notaufnahme wünscht er aber "eine möglichst langweilige Schicht", sagt er. Dass es dennoch zu Verletzungen kommen wird, sei ihm bewusst. Er hoffe aber, dass es keine schweren Vorfälle geben wird und dass die Menschen sich bewusst machen, wie riskant ihr Handeln sein kann.