Kaum Folgen für grenzüberschreitenden Verkehr

Proteste in Frankreich: Blockaden und Demonstrationen in Straßburg

"Bloquons tout" - also "Wir blockieren alles" hieß es am Mittwoch in ganz Frankreich. Im Elsass blockierten Streikende am Morgen kurzzeitig die A35, größere Verkehrsprobleme gab es aber nicht.

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Von Autor/in Jessica Hans

Schon für 7 Uhr hatten Aktivisten angekündigt, die Autobahn A35 im Westen von Straßburg zu blockieren. Etwa 200 Menschen kamen am Morgen und wurden bereits von der Polizei erwartet. Trotzdem schaffte es ein Großteil der Demonstrierenden auf die A35 und blockierte sie zunächst für 20 Minuten. Die Polizei setzte Tränengas ein. Die Blockierenden verließen daraufhin fluchtartig die Autobahn in Richtung einer anderen Autobahnauffahrt. Auch hier setzte die Polizei Tränengas ein, um eine erneute Blockade zu verhindern. Laut der französischen Zeitung "Dernières Nouvelle d'Alsace" (DNA) wurden sechs Personen festgenommen.

Einzelne Proteste - aber noch kein Generalstreik

Am Vormittag schlossen sich Schüler an mehreren weiterführenden Schulen in Straßburg den Streiks an. Demonstrierende berichteten dem SWR, dass es auch da zum Einsatz von Tränengas gegen minderjährige Schülerinnen und Schüler gekommen sein soll. Bei den Protesten am Lycée Fustel de Coulanges wurden nach Angaben der französische Polizei vier Personen festgenommen, weil sie sich der Polizeikontrolle widersetzten.

Mehrere Gewerkschaften und Protestbewegungen hatten für Straßburg den ganzen Tag über Demonstrationen angekündigt. Sie wollten damit ein Zeichen gegen die Sparpläne der französischen Regierung setzen. Landesweit wurden bei Protesten in Frankreich knapp 200 Menschen festgenommen.

Demonstranten bei Blockaden in Straßburg
Demonstrierende am Mittwoch früh auf einer Straße im elsässischen Straßburg.

Kaum Auswirkungen auf den Verkehr am Oberrhein

Die Autobahn A35 im Westen von Straßburg ist eine wichtige Nord-Süd-Verkehrsachse für den europäischen Güterverkehr mit Verbindung zur deutschen A5. Zu größeren Staus auf der A5 und ihren Zubringern kam es am Mittwoch aber nicht.

Die Mitarbeiter der französischen Bahn SNCF starteten am Morgen mit einer Kundgebung am Bahnhof. Die grenzüberschreitende Zugverbindung zwischen Straßburg und Offenburg wurde aber nicht blockiert. Auch der TGV zwischen Paris und Freiburg war laut SNCF nicht betroffen.

Nach Angaben der Stadt Kehl (Ortenaukreis) sollte die grenzüberschreitende Tram D aus Straßburg den ganzen Tag über nur alle halbe Stunde fahren. Tagestouristen, die aus Baden-Württemberg nach Straßburg fuhren, merkten von den Protesten wenig.

Demonstrierende ziehen durch die Straßburger Innenstadt
Mehrere Tausend Demonstrierende zogen am Mittwoch durch Straßburg.

Mein Eindruck: Es wird ein warmer oder sogar heißer Herbst werden.

Große Kundgebung in Straßburger Innenstadt

Am Nachmittag fand in Straßburg auf dem Place Kléber eine große Kundgebung mit einem anschließenden Demozug statt. Nach Schätzungen der Polizei nahmen rund 5.000 Menschen daran teil, der Gewerkschaftsbund CGT sprach von mehr als 10.000 Teilnehmenden. Die Kundgebung verlief ruhig, zu Auseinandersetzungen mit der Polizei wie am Morgen kam es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Beobachter aus BW machte sich ein Bild vor Ort

Stefan Seidendorf, Chef des deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg, war eigens nach Straßburg gereist, um sich ein Bild von den Protesten zu machen. Er geht davon aus, dass die Demonstrationen noch eine Weile anhalten werden. "Das hier ist jetzt noch die unorganisierte Protestbewegung - am 18. September haben die Gewerkschaften aufgerufen und dann ist es strukturiert und zumindest von ein paar Wochen Dauer", schätzt Seidendorf. "Die Frage wird sein: Welche Forderungen werden dann eigentlich gestellt?"

Sparmaßnahmen und Regierungskrise treiben Menschen auf die Straße

Grund für die Proteste sind ursprünglich die von dem ehemaligen Premierminister François Bayrou vorgeschlagenen Sparmaßnahmen im Haushaltsentwurf 2026. Bereits Anfang August hatten Aktivisten und Gewerkschaften für den 10. September Streiks und Blockaden angekündigt. Das am Montag verlorene Misstrauensvotum und die daraus folgende Regierungskrise befeuerten die Proteste - auch wenn der umstrittene Haushaltsentwurf nun vom Tisch ist.

Folgeaktion schon angekündigt

Für den 18. September wurde bereits eine Folgeaktion der Mobilisierung angekündigt, bei der es erneut landesweit zum Streik kommen wird.

Dann dürfte es im Flugverkehr besonders heikel werden. Die Gewerkschaft der Fluglotsen SNCTA, die rund 60 Prozent der Lotsen vertritt, hat einen zweitägigen Streik vom 18. bis 19. September angekündigt. Die Arbeitsniederlegung beginnt am Donnerstagmorgen und dauert bis Freitagabend.

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