Es ist ein magisches Schauspiel: In diesen Tagen fliegen wieder die Glühwürmchen. Auf Partnersuche schweben sie lautlos durchs Gehölz an Waldrändern oder zwischen Büschen umher. Als leuchtende Punkte in der Dunkelheit. Doch mittlerweile gelingt es immer seltener, Glühwürmchen zu beobachten. Denn die Käfer sind - nicht nur hierzulande - in Bedrängnis geraten.
Studie: Künstliches Licht stört Glühwürmchen auf Partnersuche
"Die Lage ist ernst", sagt Verena Völz von der Ökostation Freiburg, einem Umwelt-Bildungszentrum. Glühwürmchen verlieren demnach zunehmend an Lebensraum, weil immer mehr Flächen, wo sie sich wohlfühlen, bebaut werden. Auch Lichtverschmutzung und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft seien ein Problem.
Die Lage ist ernst.
Darauf weisen auch andere Umweltverbände und Studien hin. Eine Untersuchung eines britischen Forscherteams ergab im Jahr 2023, dass Glühwürmchen wegen des künstlichen Lichts etwa durch Straßenlaternen das Leuchten der Weibchen nicht mehr erkennen. Das ist aber wichtig, da die Weibchen mit dem Leuchten einen Partner zur Fortpflanzung anlocken wollen. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht.
Für Glühwürmchen den Rasen lieber wachsen lassen
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beobachtet: "Auch wenn Glühwürmchen in Deutschland noch nicht flächendeckend verschwunden sind, gibt es deutliche Hinweise darauf, dass ihre Population vielerorts abnimmt." Konkrete Zahlen dazu gebe es nicht, weil es schwierig sei, die nachtaktiven Glühwürmchen zu zählen. Die Entwicklung sei aber ähnlich wie bei anderen Insektenarten.
Immerhin: Es gibt Möglichkeiten, den Glühwürmchen zu helfen. "Den Garten so wenig wie möglich beleuchten", sagt die Umweltnaturwissenschaftlerin Verena Völz. Und: Den Rasen und Büsche einfach mal wachsen lassen. Der BUND empfiehlt: "Lassen Sie in Ihrem Garten Schnittgut liegen, errichten Sie Trockenmauern oder häufen Sie in Ihrem Garten Äste auf." Damit schaffe man eine Warte - also eine Art Beobachtungsposten - für die Weibchen und eine Unterkunft für die Larven.
Weltweit mehr als 2000 Glühwürmchen-Arten
Weltweit gibt es mehr als 2000 Glühwürmchen-Arten. In Deutschland sind es drei: der Kleine Leuchtkäfer, der Große Leuchtkäfer und der Kurzflügel-Leuchtkäfer. Bei allen drei Arten können die Weibchen leuchten, aber nicht fliegen. Bei den Männchen kann dafür nur eines hell leuchten: der Kleine Leuchtkäfer. Das grün-gelbe Signal bedeutet: bereit zur Paarung. Es entsteht durch eine chemische Reaktion im Hinterleib der Glühwürmchen.
Wo kann man Glühwürmchen beobachten?
Wer dieses Jahr noch das romantische Schauspiel der Leuchtkäfer beobachten will, sollte an warmen Tagen in der Dämmerung an Wald- oder Wegränder ausschwärmen, in Parks oder in Gärten. In Freiburg waren zum Beispiel zuletzt immer wieder an der Sternwaldwiese im Stadtteil Wiehre und am Zähringer Berg Glühwürmchen unterwegs. Das Flirten der Glühwürmchen beginnt meist gegen 22 Uhr und dauert bis spätestens Mitternacht - dann können sie schon mal schlagartig verschwinden. Die Paarungszeit beginnt in der Regel Mitte Juni und dauert bis Ende Juli.