Der angespannte Wohnungsmarkt ist für die befragten Studierenden das Hauptärgernis. Das ist das eindeutige Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Dualen Hochschule, DHBW, in Lörrach und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Befragt wurden Studierende beider Hochschulen, allerdings kamen dreiviertel der Antworten von Studierenden aus Lörrach.
Der Dreiländeregion gehen Fachkräfte verloren
"Besorgniserregend" findet es der Leiter der Studie, Professor Michael Lindemann, dass 43 Prozent der Studierenden nach ihrem Abschluss nicht in der Dreiländerregion Deutschland/Frankreich/Schweiz bleiben möchten. Dies bedeute, "dass wir ein erhebliches Fachkräftepotential nach dem Abschluss nicht für die Region gewinnen können."
Die Bereitschaft zu bleiben, ist bei Zugezogenen dramatisch gering.
Die Studie zeigt auch, dass es von der Herkunft abhängt, ob Studierende in der Region bleiben möchten oder eben nicht. Professor Michael Lindemann, Leiter des Lörracher Studiengangs "BWL-Digital Business Management", bringt es auf den Punkt: "Man sieht dann, dass die Bereitschaft, in der Region zu bleiben bei den Einheimischen hoch ist und bei den Zugezogenen dramatisch gering." Hinzu kommen weitere Faktoren, die die befragten Studierenden in Lörrach sehr schlecht bewertet haben. Dazu zählen das Nachtleben und die Möglichkeiten zur Existenzgründung.
Wohnraum in Lörrach nicht auf Studierende zugeschnitten?
Der 24 Jahre alte Leon Aschenbach, Absolvent der DHBW in Lörrach und nun dort auch angestellt, hat sich gegen Lörrach und für Freiburg als Wohnort entschieden. Im Raum Lörrach hat er vor allem größere Wohnungen entdeckt. Aber die kann er sich nicht leisten. Jetzt wohnt er in Freiburg und zahlt für ein Zimmer mit 22 Quadratmetern rund 550 Euro im Monat.
Freiburg bietet viel mehr kleine Wohnungen für Studenten, die auch auf Studenten zugeschnitten sind.
Recherche SWR Data Lab: Eigene Wohnung nur mit gutem Gehalt
Ein Befund, den auch eine Recherche des SWR Data Lab in Baden-Baden bestätigt. Demnach ist es - je nach Einkommen - für Singles in Baden-Württemberg mancherorts tatsächlich schwierig, eine bezahlbare kleine Wohnung zu finden. Die Städte Lörrach und Konstanz, die beide an der Grenze zur Schweiz liegen, gelten laut des Carrie-Bradshaw-Indexes nur knapp als erschwinglich.
Der Index misst, in welchen Orten sich Alleinstehende eine kleine Wohnung leisten können und wo nicht. Dabei wird allerdings ein mittleres Einkommen zugrunde gelegt. Verdient man weniger, reicht das Geld nicht mehr für eine eigene Wohnung. In Lörrach konkurrieren zwei Gruppen auf dem Wohnungsmarkt miteinander: Personen, die in der Schweiz arbeiten und im Durchschnitt erheblich höhere Gehälter haben, und die anderen, die ihr Geld in Deutschland verdienen.
Bald neues Studierendenwohnheim in Lörrach?
Zumindest für die Studierenden der DHBW in Lörrach gibt es nun einen Lichtblick: Noch in diesem Monat wird der Lörracher Gemeinderat voraussichtlich den Weg frei machen - für ein Studierendenwohnheim. Das Projekt, das seit vielen Jahren auf der Wunschliste stand, soll nun schon bald rund 100 Wohneinheiten bringen. Eine Zustimmung des Gemeinderates gilt als sicher.
Der Rektor der DHBW Lörrach, Gerhard Jäger, fasst es so zusammen: "Das Studierendenwohnheim ist ein Riesenschritt für die Duale Hochschule und - ich glaube auch - für die Stadt Lörrach und für die Region." Das Studierendenwerk Freiburg-Schwarzwald könnte schon im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen. Standort soll ein bisheriger Parkplatz unterhalb der DHBW Lörrach sein.