Angriff mit 38 Messerstichen

Mordprozess um Psychotherapeutin: Angeklagter schweigt

Fünf Monate, nachdem eine Psychotherapeutin in Offenburg getötet wurde, hat der Prozess gegen den 43-jährigen Tatverdächtigen begonnen. Der will sich vor Gericht nicht äußern.

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Von Autor/in Jessica Hans, Ulf Seefeldt

Mit einer weißen Kapuze auf dem Kopf wurde der 43-jährige Angeklagte in den Saal des Offenburger Landgerichts geführt. Der Deutsch-Franzose zeigte dabei keinerlei Regung. Weder als der Staatsanwalt die Anklageschrift verlas noch als das Gericht den Ehemann der getöteten 37-jährigen Frau befragte. Er soll die schwangere Psychotherapeutin mit 38 Messerstichen getötet haben. Dazu sagen will er nichts, auch nicht zu seinen persönlichen Verhältnissen.

Unter Tränen berichtete der Ehemann der Getöteten vor Gericht über das glückliche Leben, dass sie zusammen mit ihrer Tochter in Straßburg geführt hatten. Er berichtete aber auch, dass seine Frau Morddrohungen erhalten habe. Seine Frau habe vermutet, dass der Angekagte, ein ehemaliger Patient, die Drohungen verfasst haben könnte. "Sie hatte Angst", sagte er. Vor allem, weil sie wusste, dass der heutige Angeklagte schon einmal jemanden umgebracht hatte und dafür lange in Haft saß. Abschließend schilderte der Franzose, wie er erfahren habe, dass seine Frau Opfer einer Gewalttat geworden war. "Die Welt ist zusammengebrochen für unsere Familie", sagte er. Ebenfalls befragt wurde die Mutter des Opfers. Sie kritisierte, dass ihre Tochter trotz der Morddrohungen nicht geschützt werden konnte.    

Festnahme 15 Stunden nach der Tat

Am frühen Abend des 11. Februar war die Psychotherapeutin in Offenburg (Ortenaukreis) angegriffen worden. Der Angriff ereignete sich hinter dem Gebäude, in dem sie arbeitete. Die schwangere Mutter eines Kindes starb nach dem Angriff noch am Tatort. Der Tatverdächtige ist ein ehemaliger Patient des Opfers. Er wurde 15 Stunden nach dem Angriff von der Polizei festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte Mitte Mai Anklage wegen Mordes gegen den 42-jährigen Tatverdächtigen erhoben und wirft ihm vor, die Frau vorsätzlich und heimtückisch getötet zu haben.

Landgericht Offenburg von außen.
Die Staatsanwaltschaft Offenburg hat den 42-jährigen Tatverdächtigen wegen Mordes angeklagt. Vor dem Landgericht muss er sich nun an sechs Verhandlungstagen verantworten.

Opfer und Täter kannten sich

Die 37-Jährige hatte den Mann zu einem früheren Zeitpunkt psychotherapeutisch behandelt. Dort war er schon mal wegen eines Tötungsdelikts verurteilt worden und saß deshalb viele Jahre in Haft. Opfer und mutmaßlicher Täter besaßen die deutsche und die französische Staatsangehörigkeit.

Nachdem er seine Strafe verbüßt hat, zog der Tatverdächtige nach Offenburg, wo das Opfer inzwischen arbeitete. Im Jahr 2023 war er dort dann erneut psychisch auffällig geworden. Im Jahr 2024 hatte es deshalb eine Gefährder- und Gefährdetenansprache gegeben. So sollen Verbrechen verhindert werden. Laut Staatsanwaltschaft habe der Tatverdächtige die Frau für seine unglückliche Lebenssituation verantwortlich gemacht und sich rächen wollen.

Weitere Verhandlungstermine geplant

Für den Prozess sind noch fünf weitere Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil ist Ende August zu rechnen.

Offenburg

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