Am Freitagabend, 21.30 Uhr deutscher Zeit, haben sich US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin in Anchorage (US-Bundesstaat Alaska) getroffen. Bei der anschließenden Pressekonferenz sprach zunächst Putin und lobte das Treffen als "konstruktiv" und "respektvoll". Auch US-Präsident Trump äußerte sich positiv und erklärte, er wolle jetzt mit den NATO-Partnern telefonieren. Ebenso sei ein Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geplant. Konkrete Ergebnisse wurden in der Pressekonferenz nicht genannt und auch keine Fragen beantwortet. Insbesondere zum angekündigten Hauptthema Ukraine-Krieg gab es kaum Aussagen. Von einer möglichen Waffenruhe war nicht die Rede.
Trump sagte, man habe große Fortschritte erzielt. "Es gab viele, viele Punkte, über die wir uns einig waren, die meisten davon, würde ich sagen, ein paar wichtige, bei denen wir noch nicht ganz am Ziel sind, aber wir haben einige Fortschritte erzielt."
Putin sprach von Vereinbarungen, die Ausgangspunkt für eine Lösung des Ukraine-Konflikts sein könnten. Details nannte er nicht. Der Konflikt sei aber eines der zentralen Themen des Gipfels gewesen, sagte der russische Präsident.
In Freiburg lebende Ukrainer kritisieren Gipfel
Gemischte Gefühle und massive Kritik gab es zuvor bei Ukrainerinnen und Ukrainern, die inzwischen in Freiburg leben. Sie befürchten, dass die Ukraine, die nicht an dem Gipfel beteiligt ist, bittere Opfer bringen muss. Im Raum stehen Gebietsabtretungen im Osten des Landes, ohne Gegenleistungen Russlands.
Ukrainer in Freiburg: Gipfeltreffen macht keinen Sinn
Das Treffen von Trump und Putin auf einer Militärbasis in Alaska sei sinnlos. Diese Meinung vertritt Oksana Vyhovska, Vorsitzende der deutsch-ukrainischen Gesellschaft Freiburg. "Ohne die Ukraine über die Ukraine zu sprechen und zu verhandeln ist Wahnsinn", betonte die Ukrainerin in einem SWR-Interview. Es gebe keine Garantien von Putin und Russland, sagt sie. Er halte nie seine Versprechen. Deshalb lohne es nicht, mit ihm zu sprechen oder zu verhandeln.
Oksana Vyhovska: Putin versteht nur Härte
Der Westen müsse Stärke zeigen, sagte die 51-jährige Marketingmanagerin. Nur Stärke würde Putin verstehen und beeindrucken. Der Westen müsse auch die Ukraine massiv unterstützen und Solidarität zeigen. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt seien, so Vyhovska, wäre Putin gezwungen den Krieg in der Ukraine zu beenden. Diese Haltung deckt sich mit Einschätzungen von Politkwissenschaftlern und Militäranalysten, die schon zu Beginn des Krieges Russlands in der Ukraine, Härte gegen Putin gefordert hatten.
Wenig Hoffnung auf Lösung
Auch die 60-jährige Svitlana Los sieht wenig bis gar keine rasche Lösung des Krieges, der nicht erst seit Februar 2022 andauert. In der Ukraine wird die Annexion der Krim 2014 als eigentlicher Beginn des Krieges von Russland gegen die Ukraine wahrgenommen. Los weiß, wovon sie spricht. Sie kommt ursprünglich aus Luhansk, einer Stadt im Donbas im Osten der Ukraine. Die dortige Region ist Kampfzone zwischen russischen und ukrainischen Truppen. Ihre Befürchtung ist, erzählt sie dem SWR: Sollte Moskau, sprich Putin, mittel- und langfristig ungestraft davonkommen, werde der Krieg weitergehen.
Wenn Putin ungestraft davonkommt, sind die baltischen Staaten als nächstes dran.
Viele Spekulationen vor Gipfeltreffen
International spekulierten politische Beobachter und Analysten im Vorfeld, was Trump und Putin bei dem Gipfeltreffen in Anchorage (US-Bundesstaat Alaska) auf einer Militärbasis der Amerikaner im Einzelnen aushandeln könnten. Unklar war auch, ob Trump sich an die am Mittwoch bei einer Videokonferenz getroffenen Absprachen zwischen ihm und den führenden EU-Regierungschefs halten wird.