Riedern am Wald (Kreis Waldshut) ist wieder im Theaterfieber. Das 340-Einwohner-Dorf im Südschwarzwald probt seit mehr als eineinhalb Jahren für sein drittes großes Theaterstück im Freien. "Zeitschleuse" heißt der Theaterverein, der selbst über den Ort hinaus Mitglieder hat.
Den Verein gibt es seit mehr als 10 Jahren, er besteht ausschließlich aus Laien und wurde bereits mit dem Landespreis für Amateurtheater ausgezeichnet. Auch dieses Mal stehen mehr als 120 Frauen, Männer und Kinder auf der Bühne. Selbst mehrere Bürgermeister aus den umliegenden Orten sind wieder dabei und spielen mit.
Die verzweifelte Suche nach Liebe und Glück
In diesem Jahr heißt das Stück "Die Schwarze Rose". Darin spielt das Dorf einen Teil seiner eigenen Geschichte. Es erzählt vom Maler und Schriftsteller Heinrich Ernst Kromer, der zwischen 1866 bis 1948 in Riedern im Wald gelebt hat. Autorin und zugleich Regisseurin ist Corinna Vogt. Sie hat dafür alte Schriftstücke und Dokumente zusammengetragen. Heinrich Ernst Kromer war nicht nur Zeitgenosse, sondern auch ein Bekannter von Hermann Hesse, sagt sie. Doch der Riedener Schriftsteller und Maler hatte wenig Glück im Leben: Seine Mutter stirbt früh, der Rest der Familie wandert aus. Er schreibt und malt, aber der wirklich große Erfolg bleibt aus. Auch mit der Liebe zu Agnes hatte Heinrich am Ende kein Glück.
Die erste große Hauptrolle für den jungen Laienschauspieler
Gespielt wird Heinrich Ernst Kromer von dem 18 Jahre alten Luis Probst. Während der Proben hat er seine Abschlussprüfung gemacht. Im Herbst wird er eine Ausbildung zum Produktdesigner beginnen. Doch den Sommer verbringt er nicht im Freibad, sondern auf der Bühne. Seit er acht Jahre alt ist, ist er beim Theaterverein dabei. Es sei eine große Verantwortung, erstmals eine Hauptrolle zu spielen, sagt Luis. Aber er hat sofort zugesagt, denn er findet den Zusammenhalt gut. Die Probenwochenenden werde er sogar vermissen, meint er.
Ich finde es cool, was so viele Menschen zustande bringen. Die Probenwochenenden waren echt cool.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler spielen – wo immer es geht – die eigenen Vorfahren. Das Dorfgasthaus in Riedern ist seit vielen Generationen im Besitz der gleichen Familie. Der heutige Besitzer spielt im Stück seine Vorfahren. Auch Waldtraud Kromer schlüpft diesmal in eine besondere Rolle: Sie spielt ihre Oma und ihre Uroma. Eine Rolle, die ihr gefällt, weil die Uroma durchaus recht bruddelig sein konnte.
Beeindruckende Kulissen und Requisiten
Spielort ist die ehemalige Klosteranlage von Riedern am Wald. Bereits für die letzten Aufführungen haben Handwerker einen maßstabsgetreuen Schiffsrumpf in den Garten gebaut. Neu dazu gekommen ist nun eine Windmühle, die in dem neuen Stück eine übergeordnete Rolle spielt. Das Stück wird immer wieder unterbrochen: Erinnerungen, Rückblenden und Musik werden mit den Theaterszenen kombiniert.
Stolz auf die vielen helfenden Hände
Besondere Mühe geben sich die Helferinnen und Helfer des Vereins bei den Requisiten: Die Kostüme wurden nach alten Bildern geschneidert. Die Tür des Raumes, in dem Heinrich Ernst Kromer in dem Stück wohnt, stammt aus seinem früheren Haus. Alte Fotoapparate, Werkzeug, Geschirr und Wagen wurden zusammengetragen. Vom ersten Tag der Planung bis zum Schluss sind etwa 1.000 Menschen an dem Projekt beteiligt, so die Verantwortlichen. Corinna Vogt weiß deren Hilfe zu schätzen. Auch bei ihr ist es der Zusammenhalt, der sie antreibt und motiviert. Es sei toll, dass sie nicht immer wieder von vorne anfangen müsse, sagt sie. Sie sei extrem stolz drauf, dass alle an einem Strang ziehen.
Wir sind schon ein toller Haufen.
Die Aufführungen im Klostergarten in Riedern am Wald finden vom 25. Juli bis 10. August statt. Immer donnerstags, freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Karten gibt es online oder an der Abendkasse. Gespielt wird bei jedem Wetter.