Nach dem mutmaßlich sexuellen Missbrauch eines Kindes nahe des Erlebnisbads Rulantica in Rust (Ortenaukreis) haben die Eltern zum Prozessauftakt Vorwürfe gegen den Europa-Park erhoben. Der Freizeitpark, der das Bad betreibt, will sich zu den Anschuldigungen derzeit nicht äußern.
Eltern erheben Vorwürfe gegen Europa-Park: Keine Durchsagen, Security nicht informiert
Der Vorwurf der Eltern und ihres Anwalts: Die Tat hätte möglicherweise verhindert werden können, wenn das Personal im Erlebnisbad Rulantica seine Pflichten nicht verletzt hätte. Mehrmals hätten sie nach dem plötzlichen Verschwinden ihrer sechsjährigen Tochter die Mitarbeiter um Hilfe gebeten. Es seien aber keine Durchsagen gemacht worden. Auch die Security wurde nach Aussage der Eltern nicht alarmiert. Außerdem sei die Kasse am Ausgang nicht über den Vorfall im Bad informiert worden.
Der Europa-Park teilte auf dpa-Anfrage mit, dass man sich nicht zu einem laufenden Gerichtsverfahren äußern werde. Der 31-jährige Angeklagte hatte am Montag vor dem Landgericht Freiburg gestanden, das Kind aus dem Bad gelockt und in einem Maisfeld sexuell missbraucht zu haben. Das Urteil in dem Verfahren soll voraussichtlich Anfang März fallen.
Technik soll Verschwinden von Kindern im Rulantica-Bad verhindern
Der Europa-Park hat im Rulantica-Bad inzwischen zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Laut dem Park gibt es neuerdings ein multifunktionales Armband, über das für Minderjährige der Ausgang am Drehkreuz blockiert werden kann. Optional ließen sich mehrere Armbänder im Familienverbund koppeln, schreibt der Park, "so dass der Auslass für Minderjährige nur möglich ist, wenn zuvor ein Erwachsener aus derselben Buchung das Drehkreuz passiert hat."
Wo waren die Eltern?
Mit "Allgemeinen Infos für den Familienaufenthalt" auf der Rulantica-Homepage will der Europa-Park außerdem stärker bewusst machen, dass Eltern im Freizeitbad für die Aufsicht ihrer Kinder verantwortlich sind. Sie werden aufgefordert, immer in Sichtweite ihrer Kinder zu bleiben. Auch mit Blick auf den aktuellen Missbrauchs-Fall stellt sich die Frage: Wo waren die Eltern?
Der Anwalt der Familie, Thorsten Schulte-Günne, bechreibt die Umstände des Verschwindens gegenüber dem SWR so: Der Vater sei mit dem Kind an einem Tattoostand gewesen, der sich etwa fünf Meter vom Kleinkindbecken entfernt befand, wo sich die Mutter mit einem kleineren Geschwisterkind aufhielt.
Vater wird am Mittwoch vor Gericht angehört
Als die Sechsjährige an der Reihe war, sei der Vater zum Kleinkindbecken herüber gegangen - laut Anwalt mit den Worten: "Wenn du fertig bist, kommst du rüber!" Vom Kleinkinderbecken aus habe er alle 30 Sekunden hinüber geschaut und habe seine Tochter auch immer gesehen bis sie nach einiger Zeit auf einmal nicht mehr da gewesen sei.
Der Prozess am Landgericht Freiburg wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann sollen laut dem Anwalt unter anderem der Vater des Kindes sowie ein Polizist als Zeuge aussagen. Außerdem werde ein Sachverständiger zum mutmaßlichen Kokainkonsum des angeklagten 31-Jährigen gehört.