In Baden-Württemberg waren in diesem Jahr im Schnitt mehr als 9.000 Ehrenamtliche im Monat für die Tafeln im Land im Einsatz - und damit fast 300 Leute mehr als im Jahr zuvor. Das hat eine Umfrage des baden-württembergischen Tafelverbandes unter den rund 150 Tafelläden im Land ergeben.
Die Hälfte der Kunden in den baden-württembergischen Tafelläden waren Bürgergeldempfänger. Auch viele Rentner und Asylbewerber gehen laut der Umfrage regelmäßig in Tafelläden einkaufen. Knapp ein Drittel der Tafeln im Land bietet auch Möbel und Kleidung sowie die Möglichkeit einer Sozialberatung an.
Blickt man auf die bundesweite Bilanz der Tafelläden für 2025 fällt auf: Knapp jeder dritte Kunde der Tafeln in Deutschland ist ein Kind. Insgesamt nutzen 1,5 Millionen Menschen den Angaben zufolge das Angebot der mehr als 970 kostenlosen Lebensmittel-Ausgaben. Davon sind etwa 20 Prozent im Alter von mehr als 63 Jahren und knapp 30 Prozent Kinder. "Vor allem die Anzahl der Kinder ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, was uns Sorge bereitet", sagte Andreas Steppuhn, Vorsitzender von Tafel Deutschland, der Deutschen Presse-Agentur.
Knappe Lebensmittelspenden sind Herausforderung für Tafelläden
Schwierigkeiten haben offenbar viele Tafelläden mit dem Thema Lebensmittelspenden: Von knapp zwei Dritteln der Tafelläden in Baden-Württemberg kam die Rückmeldung, dass sie zu wenig Ware hätten. Einige beklagten außerdem, dass die Lebensmittel häufig von schlechter Qualität seien. Hier gebe es nun Hoffnung, heißt es vom Tafelverband Baden-Württemberg: Im November sei man der "Allianz für Lebensmittelrettung" beigetreten.
Auf diesem Wege werde der Verband nun Großspenden direkt von den Herstellern beziehen. Das könnten zum Beispiel 16 Paletten Birkle-Nudeln oder auch Maggi-Fläschchen sein, sagte Verbands-Vorstandmitglied Udo Engelhardt dem SWR. Diese würden oft gespendet, wenn sie versehentlich falsch etikettiert wurden oder ein bisschen zu viel Salz in die Mischung geraten sei. Unterstützung gebe es bereits von einer großen baden-württembergischen Spedition.
Verband fordert mehr Fördermittel
Es brauche aber auch mehr Fördermittel aus der Staatskasse, so die Forderung an die Politik - bei vielen Großspenden brauche man auch mehr Geld, um diese zu lagern und an die einzelnen Läden im Land zu verteilen, heißt es vom Verband.
Für das Jahr 2026 wünscht sich die Hilfsorganisation, dass die "Politik wieder die Menschen und das Miteinander in den Fokus rückt", so Andreas Steppuhn, Vorsitzender von Tafel Deutschland. Man brauche lösungsorientierte sozialpolitische Maßnahmen. Dazu gehörten armutsfeste Löhne, armutsfeste Renten und Sozialleistungen und Maßnahmen gegen hohe Mietkosten: "Mit Blick auf die Lebensmittelrettung hoffen wir endlich auf ein Gesetz, das dafür sorgt, dass es günstiger ist, Lebensmittel zu spenden, statt sie wegzuwerfen."