Ein Blick auf die Tankstellen ist aktuell besonders interessant. Denn am Mittwoch ist die neue Tankregel in Kraft getreten, die die Bundesregierung als Reaktion auf den Preissprung an den Zapfsäulen seit Beginn des Iran-Kriegs beschlossen hat. Nur noch einmal am Tag dürfen die Tankstellen die Spritpreise erhöhen - um Punkt 12 Uhr. Preissenkungen sind jederzeit möglich.
Heißt konkret: Zur Mittagszeit dürfte der Preis am höchsten sein, danach dürfte er bis zum nächsten Tag um 12 Uhr wieder fallen. Wie sieht es an den Tankstellen im Land aus?
12 Uhr: Der Spritpreis steigt enorm
Ein erster Blick auf eine Aral-Tankstelle in Stuttgart am Mittwoch zeigte: Es passierte genau das, was zu erwarten war. Der Preis stieg enorm. Um 11 Uhr kostete der Diesel noch 2,26 Euro pro Liter, um 12:02 Uhr war er ganze 9 Cent pro Liter teurer. Das zeigen die Zahlen des Vergleichsportals "clever-tanken.de". Beim Benzin war der Sprung von 2,06 Euro auf 2,12 Euro pro Liter E10 zwar nicht ganz so extrem, groß war er aber dennoch.
Nicht viel anders sah es auf dem Land aus. Bei einer zufällig gewählten Tankstelle in Baden-Württemberg, einer AVIA-Tankstelle in der Gemeinde Glatten (Kreis Freudenstadt) im Nordschwarzwald, stieg der Preis in ähnlicher Weise: von 2,28 Euro auf 2,35 Euro beim Diesel und von 2,08 Euro auf 2,17 Euro beim E10-Benzin.
Sprünge sind kurz, aber teils extrem
Teilweise waren die Sprünge nicht nur sehr hoch, sondern galten nur für kurze Zeit. Bei einer Tankstelle in Ulm etwa schnellte der Diesel-Preis um 12 Uhr auf 2,51 Euro hoch. "Da sieht man mal die Hilflosigkeit der Politik bei den Ölmultis, die jetzt eben absahnen, wo sie absahnen können“, sagte eine Passantin an der Tankstelle. Die Frau war extra zurückgekehrt, um die Preisanpassung um 12 Uhr zu sehen. Nach weiteren zehn Minuten erfolgte dann der Preissturz bei beiden Tankstellen auf 2,36 Euro.
Damit lagen die Tankstellen wieder in etwa im Durchschnitt von Baden-Württemberg. Dort kostete der Liter Diesel seit der Erhöhung im Schnitt 2,37 Euro, der Liter Benzin im Schnitt 2,22 Euro, wie die folgende SWR-Statistik zeigt. Allerdings lag der mittlere Preis damit einen Cent unter dem höchsten Mittel des vergangenen Tages.
Mit die günstigste Tankstelle im Land dürfte zurzeit die des Lebensmittelhändlers Kaufland in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) sein: Schon vor der Erhöhung lag der Preis mit 2,10 Euro für Diesel um fast 20 Cent pro Liter unter dem Landesdurchschnitt. Und auch die Erhöhung auf 2,12 Euro pro Liter fiel vergleichsweise moderat aus.
Verbraucherzentrale: Unklar, ob die Tankregel wirklich etwas bringt
Die Frage ist, ob sich diese ersten Entwicklungen verfestigen werden: Kann die neue Tankregelung langfristig zu günstigeren Preisen an der Zapfsäule führen? Oder hebeln die enormen Sprünge zur Mittagszeit den Effekt wieder aus?
"Ob die neue Tankregel tatsächlich zu günstigeren Spritpreisen führen wird, ist offen", sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands. "Die Erfahrung aus unserem Nachbarland zeigt: Kurz nach der Einführung sanken die Kraftstoffpreise in Österreich vorübergehend, pendelten sich aber rasch wieder auf dem gewohnten Niveau ein."
Auch der ADAC ist skeptisch
Der ADAC bewertet das Eingreifen der Bundesregierung grundsätzlich positiv - bezweifelt jedoch, dass das Gesetz tatsächlich zu niedrigeren Preisen führt. Nach Einschätzung der ADAC-Fachleute wird das neue System das Preisniveau voraussichtlich nicht senken. "Erwartet werden vor allem Veränderungen im Tagesverlauf der Preise, weniger jedoch beim generellen Niveau", hieß es in der Münchner ADAC-Zentrale.
Die schwarz-rote Koalition verspricht sich von der Änderung nach österreichischem Vorbild mehr Verlässlichkeit durch weniger Preiserhöhungen sowie mehr Transparenz. Autofahrerinnen und Autofahrer hätten schon länger kritisiert, dass sich die Preise an den Tankstellen teilweise sehr häufig änderten, hieß es zur Begründung des Gesetzes.