Die sogenannten Distanz-Elektroimpulsgeräte werden ab Montag beim Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen erprobt. Zum Start des Projekts wird auch der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) vor Ort sein.
Taser-Einsatz wird bei einigen Polizei-Einheiten getestet
Polizisten sollen die Taser als Alternative zur Schusswaffe einsetzen können. Sie sind zudem eine Alternative zu Schlagstock oder Pfefferspray, die bei vielen Angreifern nicht wirken - etwa wenn diese sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden oder unter Drogen stehen. In solchen Extremsituationen müssen Beamte blitzschnell und unter großem Stress reagieren.
Taser sind spezielle Elektroschockgeräte, mit denen Polizistinnen und Polizisten aus sicherer Entfernung Angreifer schnell außer Gefecht setzen können. Sie verschießen kleine Pfeile, die über dünne Drähte mit dem Gerät verbunden sind. Diese bohren sich einige Millimeter in die Haut oder Kleidung des Gegenübers und geben dann einen starken Stromimpuls ab, der die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln blockiert. Die Folge: Die getroffene Person ist für einige Sekunden bewegungsunfähig.
Innenminister Strobl betont aber: "Taser sind nicht geeignet, um Messerangriffe oder andere Angriffe mit Waffen in dynamischen Einsatzlagen abzuwehren. Hier bleibt uns nur die Schusswaffe als das Mittel der Wahl."
Bislang gab es die Geräte in Baden-Württemberg nur bei Spezialeinheiten der Polizei. Testweise erhalten sie jetzt auch einige Einheiten des Streifendienstes. Beim Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen wird eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit mit Tasern ausgerüstet. Beim Polizeipräsidium Freiburg startet der Test am kommenden Freitag in den Revieren Freiburg-Nord und Freiburg-Süd sowie im Streifendienst der Polizeireviere Weil am Rhein (Kreis Lörrach) und Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald).
Gewerkschaften drängen auf Einführung der Taser
Sowohl die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) als auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordern schon seit Langem, Taser einzuführen. Dirk Preis, Landesvorsitzender der DPolG, plädiert für eine schnellere Einführung. Die Polizei brauche den Taser zeitnah, "nicht erst in 18 oder 24 Monaten", sagte Preis. Der Einsatz der Geräte sei in anderen Bundesländern bereits erfolgreich. Unter anderem der Messerangriff eines Mannes auf Polizisten in Wangen (Landkreis Göppingen) hatte die Debatte im vergangenen Jahr befeuert.
Der Taser rettet Menschenleben. Und der Taser rettet auch Polizistenleben, deren Leben nach einem Schusswaffengebrauch, oftmals nicht mehr so weiterläuft wie bisher.
Kritik gibt es auch an der Auswahl der Testregionen: Gerade Städte wie Stuttgart oder Mannheim mit vielen komplexen Einsatzlagen wären demnach besser geeignet. In Winnenden etwa könne sich ein Test lohnen, weil sich die große Psychiatrie dort besonders auf die Gewaltzahlen gegen Polizisten auswirke, sagte der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Gundram Lottmann.
Taser-Kritiker warnen vor Scheinsicherheit und sinkender Hemmschwelle
Florian Eder, Professor an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen, kritisierte im Sommer im SWR die Einführung der Taser. Er warnte dabei vor einer Scheinsicherheit. Polizistinnen und Polizisten müssten im Ernstfall darauf vertrauen können, dass die Geräte funktionieren. Bei der Ausfallwahrscheinlichkeit von Tasern sei das aber nicht der Fall.
Auch wenn Taser als weniger gefährlich als Schusswaffen gelten, sind sie nicht risikofrei. Besonders riskant sind sie bei älteren Menschen, Schwangeren und Personen mit Herzproblemen - bei ihnen kann der Stromimpuls tödliche Folgen haben. Es können auch Verletzungen durch die Pfeile selbst oder durch Stürze entstehen, wenn die Getroffenen plötzlich zusammenbrechen. Kritiker warnen zudem davor, dass die Hemmschwelle für den Einsatz eines Tasers niedriger ist als bei der Schusswaffe.