Nach dem mutmaßlich antisemitisch motivierten Anschlag auf eine Chanukka-Feier in Sydney zeigen sich jüdische Vereine in Baden-Württemberg schockiert. Die Ereignisse in Australien hätten "ein Gefühl der Bedrohung und Betroffenheit" in der jüdischen Gemeinschaft ausgelöst, sagte Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, dem SWR.
Die jüdische Gemeinde in Baden-Württemberg werde sich von den Anschlägen nicht einschüchtern lassen und das Chanukka-Fest dennoch mit Zuversicht feiern. "Gerade jetzt dazu zu stehen, ist eigentlich in der Mehrzahl der Mitglieder auch spürbar", sagte Traub. Dankbar sei sie für die Unterstützung durch nicht-jüdische Menschen und Sicherheitskräfte, "die uns tagtäglich beschützen".
Antisemitismusbeauftragter warnt vor "verschwörungsgläubigem Terrorismus"
Die Sorge vor Attentaten schwinge in letzter Zeit immer mit, wenn jüdische Feste gefeiert werden, sagte Irina Katz, Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Freiburg. "Das ist das Problem heutzutage für jüdische Menschen, dass sie nicht ruhig ihren jüdischen Feiertag feiern können."
Auch der Antisemitismusbeauftragte in Baden-Württemberg, Michael Blume, äußerte sich zu dem Anschlag. Dieser erinnere "drastisch an die Gefahren des verschwörungsgläubigen Terrorismus", sagte Blume dem SWR. Man müsse der Verharmlosung und Verbreitung von antisemitischen Verschwörungsmythen und Terror entgegentreten. "Wo jüdische Menschen nicht mehr sicher sind, da gibt es auch für Nichtjuden keine Sicherheit mehr."
Bischöfe und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bekunden Solidarität
Ihre Solidarität bekundeten die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Baden, Heike Springhart, und der Erzbischof der Erzdiözese Freiburg, Stephan Burger. "Wir lassen nicht zu, dass Hass das Licht von Chanukka verdunkelt. Gerade jetzt stehen wir an der Seite aller Jüdinnen und Juden - in Sydney, in Deutschland und hier bei uns", schreiben die Landesbischöfin und der Erzbischof. Mit Entsetzen gedenke man der Opfer und Betroffenen des Anschlags. "Unsere Gedanken und Gebete gelten auch der Israelitischen Gemeinde Baden und allen, die jüdisches Leben in unseren Städten tragen und gestalten."
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat der jüdischen Gemeinschaft ebenfalls sein Mitgefühl und seine Unterstützung ausgesprochen. Es gebe keine Worte für das "unfassbare Verbrechen von Sydney", schreibt der Zentralrats-Präsident Romani Rose in einem Kondolenzschreiben an die australische Botschafterin und den israelischen Botschafter in Deutschland. Rose sagte den Opfern und Betroffenen "unverbrüchlichen Beistand" zu.
Augenzeugen berichteten von mehr als 50 Schüssen
Der Anschlag, bei dem mindestens 16 Menschen getötet wurden, ereignete sich am weltbekannten Bondi Beach. Unter den Toten sei auch einer der Angreifer, teilte die Polizei mit. Augenzeugen berichteten von mehr als 50 Schüssen auf die Teilnehmer der Veranstaltung zum jüdischen Lichterfest Chanukka. Das Fest beginnt in diesem Jahr am Sonntagabend und endet am 22. Dezember.