Das Haupt- und Landgestüt Marbach feiert in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum seiner Hengstparaden. An drei Tagen erleben Besucherinnen und Besucher die Entwicklung von der Züchtervorführung bis zur modernen Pferdeshow. Rund 25.000 Gäste werden auch in diesem Jahr zu den Paraden im Herbst erwartet.
Hengstparade Marbach: Geschichte wird lebendig
Für das 100-jährige Jubiläum hat das Landgestüt Marbach (Kreis Reutlingen) historische Kutschen und Geschirre restaurieren lassen, darunter einen Prunkwagen von König Wilhelm II. In der großen Arena treten 250 Mitwirkende mit über 200 Pferden auf – in historischen Vorführungen genauso wie in der modernen Dressur. Erstmals werden Gespanne mit zehn Pferden präsentiert. Auch Kühe, Schafe, Ziegen und Hühner zeigen den bäuerlichen Alltag früherer Zeiten am Gestüt.
Wie alles begann
Die erste Hengstparade fand am 16. Dezember 1925 in Offenhausen bei Gomadingen statt. Damals hieß sie noch "Vorführung der Hengste" und war eine Art Brautschau für Pferdezüchter. Etwa tausend Männer drängten sich auf dem Platz bei der ehemalige Klosterkirche, um einen Hengst für ihre Stute auszuwählen. Gefragt waren vor allem arbeitstüchtige Pferde mit Zugkraft und Ausdauer. Entsprechend mussten die Pferde bei den ersten Veranstaltungen richtig ackern und Leistung zeigen. Sie zogen Wagen, arbeiteten im Geschirr und bewiesen, dass sie den harten Alltag auf der Schwäbischen Alb meistern konnten.
Früher musste ein Pferd funktionieren - es war ein Nutztier. Das heißt aber nicht, dass unsere Vorfahren grob gewesen wären. Im Gegenteil: Sie gingen gut mit den Tieren um, weil sie sie möglichst lange nutzen wollten.
Wandel zur spektakulären Pferdeshow
In den 1970er Jahren verlor das Pferd seine Rolle als Arbeitstier in der Landwirtschaft und wurde Sport-, Freizeit- und Therapiepartner. Auch die Hengstparade veränderte sich: Aus einer reinen Veranstaltung für Züchter wurde ein Spektakel mit viel Musik. Dafür musste mehr Platz her. 1978 wurde schließlich die große Hengstparaden-Arena am Gestütshof eröffnet, die mehr als 8.500 Plätze hat.
In Offenhausen habe es diesen tollen Platz, wie hier in Marbach, nicht gegeben, sagt Helmut Gebhardt, der ehemalige Gestütsleiter. Früher sei es darum gegangen, den Züchtern die Hengste vorzuführen. Heute seien mehr Show-Elemente dabei. Und für die ist laut Gebhardt die große Arena viel besser geeignet - mit dem tollen Boden und den Sitzplätzen drumherum.
Frauen am Landgestüt
Auch die Rollenbilder wandelten sich im Laufe des Jahrhunderts. "Auf alten Fotos sind fast ausschließlich Hengste, Züchter und Gestütsmitarbeiter zusehen - Frauen waren höchstens in der Gastwirtschaft zu finden", erzählt Gestütsleiterin Astrid von Velsen-Zerweck. Seit den 1970er Jahren hat sich das radikal verändert: Familien kamen ins Publikum, und auch in der Arbeit am Gestüt spielten Frauen zunehmend eine große Rolle.
Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Bei den Auszubildenden haben wir von hundert Bewerbern ungefähr 90 Bewerberinnen und nur zehn Bewerber.
2007 schrieb Astrid von Velsen-Zerweck Geschichte: Als erste Frau wurde sie Landesoberstallmeisterin am Haupt- und Landesgestüt Marbach. Sie öffnete die Hengstparade ab 2008 für europäische Gäste, die sich an der Parade mit ihren Pferden beteiligen. Den Anfang machte die Schweiz mit dem Nationalgestüt Avenches und dem bekannten Fahrsportkünstler Daniel Würgler. Auch in diesem Jahr wird die Schweiz wieder mit Ross und Reitern bei mehreren Programmpunkten dabei sein. Die diesjährigen Hengstparaden sind am 28. September und am 3. und 5. Oktober.