Aus ein paar Steinen wird ein Freilichtmuseum

Ein Leben für die Römer: Gerd Schollian verabschiedet sich

Als Gerd Schollian 29 Jahre alt ist, ändert sich sein Leben. Im Wald bei Hechingen entdeckt er ein Mäuerchen aus der Römerzeit. Ab da ist Schollian nicht mehr zu bremsen.

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Von Autor/in Stefanie Assenheimer

Die kleine Steinmauer, die aus einer Böschung ragte, wäre für die meisten vermutlich ein unscheinbares Detail geblieben. Doch für Gerd Schollian war es der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Das war 1971. 55 Jahre später verabschiedet sich der Mann, der aus einem Waldstück bei Hechingen-Stein (Zollernalbkreis) ein Römisches Freilichtmuseum geschaffen hat, das in ganz Deutschland bekannt ist.

Steinmauern alleine locken kaum

"Es war, als hätte mir der Himmel geholfen", erinnert sich Schollian an die Entdeckung des römischen Landguts, das später als Villa Rustica bekannt wird. Von Anfang an verfolgt er eine klare Vision: Geschichte sollte nicht nur ausgegraben und dokumentiert, sondern für die Menschen erlebbar gemacht werden. "Ich wollte den Bürgern zeigen, wie die Römer einst gewohnt haben", so Schollian. Gegen anfängliche Widerstände setzt er sich dafür ein, auf Originalmauern zu rekonstruieren und Gebäude nachzubauen.

Gerd Schollian vor dem Haupthaus auf dem Museumsgelände in Hechingen-Stein. Viele der Mauern hat er mit eigener Hand hochgezogen.
Das Haupthaus im Freilichtmuseum hat mehrere Räume und Zimmer. Hier bekommen Besucherinnen und Besucher einen Einblick über das Leben der Römer.

Mit Herzblut und Teamgeist zum Erfolg

Schollian ist in den 1970 Jahren Bürgermeister von Hechingen-Stein. In jeder freien Minute geht er zur Baustelle und packt mit an. Er gräbt im Boden nach weiteren Funden, zieht Mauern hoch und baut Tempel, so wie sie ausgesehen haben könnten. Alles, was man heute im Römischen Freilichtmuseum sehen kann, hat Schollian selbst geschaffen oder basiert auf seiner Initiative. "In hervorragender Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege, der Stadt Hechingen, dem Zollernalbkreis, Sponsoren und vielen anderen." Es ist ihm wichtig, diese anderen Akteure zu erwähnen.

1978 gründet er einen Förderverein, der die Entwicklung der Anlage maßgeblich unterstützt. Auch seine Familie holt Schollian mit ins Boot. Seine Frau leitet über 20 Jahre lang den Kiosk, und sein Enkel hilft von klein an bei den Ausgrabungen.

Über eine Million Besucher im Römermuseum

Die Ergebnisse all der Arbeit sprechen für sich: Über eine Million Gäste hätten das Römermuseum seit seiner Gründung besucht, so der 84-Jährige. Er ist stolz auf die vielen rekonstruierten Gebäude, den Tempelbezirk mit einzigartiger Bemalung und einer zehn Meter hohen Götterstatue. Wer will, kann auf dem weitläufigen Gelände einen ganzen Tag verbringen. "Es ist eine der größten römischen Villen im süddeutschen Raum."

Mehrere Tempel und eine zehn Meter hohe Götterstatue im Freilichtmuseum Hechingen-Stein. Der Gründer Gerd Schollian geht in Ruhestand.
Nicht ein, sondern gleich mehrere Tempel haben die Museumsmacher rekonstruiert und in den Originalfarben bemalt. Die zehn Meter hohe Götterstatue ist ein echter Hingucker.

Rückblick und Ausblick

Doch nicht alles gefällt Schollian. Er bedauert, dass in den letzten Jahren zwar wieder vermehrt ausgegraben wird, anschließend die Funde aber zugeschüttet werden, anstatt Gebäude zu rekonstruieren. Wer schon öfter in Hechingen-Stein gewesen sei, wolle mal was neues sehen, sonst kämen die Leute irgendwann nicht mehr.

Der Abschied fällt Gerd Schollian nicht leicht, aber gesundheitliche Gründe zwingen ihn, kürzer zutreten. Er hat schon früh dafür gesorgt, dass zwei seiner engsten Helfer, seinen Job übernehmen. Am Freitag, 20.03. war seine letzte Vorstandssitzung, bei der er von langjährigen Wegbegleitern verabschiedet und zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Mal schauen, ob der umtriebige Römer-Fan tatsächlich zur Ruhe kommt. Dem SWR sagt er: "Ich werde mit wachem Auge die Zukunft beobachten."

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Stefanie Assenheimer
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