Geschichte zum Anfassen: Der Alltag der alten Römer, ihre militärische Organisation, ihre Religionen und kulturellen Gebräuche lassen sich am besten in den großen Limes-Museen erkunden. In den den technisch modernen Ausstellungen werden außergewöhnliche Funde präsentiert.
Doch auch wer jenseits des Museums unterwegs ist, wird Spuren römischer Kulturgeschichte mitten im Wald und im Naturpark finden.
Fünf Ausflugstipps entlang des Limes:
- Das Limesmuseum Aalen
- Römermuseum Osterburken
- RömerWelt Rheinbrohl
- Römische Wasserleitung Brey
- Limes im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald
Das Limesmuseum Aalen
Es muss sehr geschäftig im Römerkastell Aalen zugegangen sein: 1000 Reiter waren hier stationiert und noch einmal fast ebenso viele Pferdeknechte. Das Limesmuseum Aalen, eines der ältesten und größten Römermuseen in Deutschland, lädt auf mehreren Ebenen zum Entdecken und Verstehen ein.
Eine Zeitreise führt ins Aalen vor 1800 Jahren. Veteran Marcus Cerialis ist einer von sieben Charakteren, die vom Alltag in Kastell und Dorf erzählen. So verweist ein altes Brandeisen auf seinen Beruf als Viehzüchter. 1500 Originalfunde aus Aalen und Umgebung machen das Leben der Menschen sichtbar
Wer mehr darüber erfahren will, warum die Römer überhaupt ein Weltreich anstrebten, welches Verständnis von Herrschaft und Grenzen sie verfolgten, ob der Limes ein Schutzwall gegen die Germanen oder doch eher Ausdruck römischer Identität war, der findet dazu Antworten in einer zweiten umfassenden Ausstellung.
Die Geschichte selbst lässt sich zudem entlang der Grundmauern des alten Reiterkastells im archäologischen Park ablaufen. Spektakulär die Umrisse des größten am Limes gefundenen Stabsgebäudes und auch die Nachbauten mehrerer Gemeinschaftsstuben mit Pferdestall und Unterkunft für die Soldaten.
Ein besonderes Highlight: der Nachbau eines römischen Baukrans, mit dem die gewaltigen Quaderblöcke zum Bau von Mauern und Gebäuden überhaupt in die Höhe gehievt werden konnten.
Römermuseum Osterburken
Geheim und sehr exklusiv, das heißt ausschließlich Männern vorbehalten, war der Mithras-Kult, der sich nach dem 1. Jahrhundert nach Christus sehr rasch im Römischen Reich ausbreitete. Besonders beliebt war er unter den römischen Legionären.
Der 1861 in Osterburken gefundene Mithras-Altar ist daher heute Mittelpunkt und Prunkstück einer Dauerausstellung des Römermuseums im Neckar-Odenwaldkreis, die sich mit den verschiedenen Religionen im Römischen Reich, mit ihrer Vermischung mit keltischen und orientalischen Riten beschäftigt. Buntes Kontrastprogramm: ein leuchtendes Comic-Wandbild des römischen Götterhimmels.
Die Beziehung von Römern und Germanen ist Thema einer zweiten Ausstellung, die das Leben auf beiden Seiten des Limes in den Blick nimmt. Hier die Römer mit ihrem Truppenleben, dem Lagerdorf mit den Familien, mit Handwerkern, Bauern und Händlern. Dort die Germanen, die meistens etwas abseits der Grenze siedelten. Zu den bedeutsamen Entdeckungen in Osterburken gehören auch Überreste von bis zu 10 Meter hohen Grabsteinen, die in einem Gräberfeld am Rande des Lagerdorfes gefunden wurden.
Das imposante Ausmaß des gesamten Kastells Osterburken wird bei einem Gang durch den angrenzenden Limespark deutlich. Mauern und Gräben vermitteln ein Bild um vom Umfang der Wehranlage, die sich über ein weitläufiges Areal erstreckt. Etwa 1 km südlich des Kastells wurde an originaler Stelle ein begehbarer Wachturm im Maßstab 1:1 rekonstruiert. Auch sind im Umfeld des Römermuseums Überreste des Limes im Gelände erhalten, die besichtigt werden können.
RömerWelt Rheinbrohl
Wie hält man ein Legionärsschild? Wie funktioniert ein skythischer Reiterbogen? Im Erlebnismuseum RömerWelt in Rheinbrohl steht das Entdecken mit allen Sinnen im Vordergrund. Geschichte zum Anfassen und Anfühlen für die ganze Familie. Da darf man sich in das pieksige Strohbett der Soldaten legen oder das 12 Kilo schwere Kettenhemd überstreifen.
„Sehen – Verstehen – Erleben“ lautet das Motto im Rheinort Rheinbrohl am „caput limitis“, also an der Stelle, wo mit dem Wachturm Nr.1 der Obergermanisch-Raetische Limes vor etwa 2000 Jahren seinen Anfang nahm. Eine Indoor-Ausstellung vermittelt, wie sich das Leben damals auf beiden Seiten des Grenzwalls abspielte – begleitet durch interaktive, multimediale Stationen.
Auf dem weitläufigen Außengelände des Erlebnismuseums ist römisches Leben nachgebaut: Mannschaftsunterkünfte, Backhaus, Kochstelle, Küchen- und Kräutergarten. Besonders beeindruckend ist das Modell einer Pfahlramme, einer nachgestellten römischen Maschine, die zum Einrammen von Stützpfählen einer Holzbrücke diente.
Zu den Highlights in der RömerWelt Rheinbrol gehören die regelmäßig angebotenen Sonderveranstaltungen der RömerWelt Rheinbrohl. Ein besonderes Erlebnis ist der 5-Kampf-Tag am 5. August, ein Wettkampftag für die ganze Familie, die sich im Diskus-Werfen, im Hürdenlauf und anderen Disziplinen messen darf.
Historisches Bogenschießen steht am 31. August auf dem Programm. Am 12. Oktober werden die Backöfen angeheizt und nach römischer Rezeptur Brote gebacken. In der Schmiedewerkstatt werden zudem Bronze und Messing gegossen.
Römische Wasserleitung Brey
Um diese archäologische Kostbarkeit zu entdecken, lohnt es sich ein paar feste Schuhe einzustecken. Denn es gibt gleich mehrere Routen, die zu der römischen Wasserleitung in Brey führen, dem größten antiken Tunnelbau nördlich der Alpen. Ausgangspunkt ist jeweils der Mühlweg in der kleinen Gemeinde Brey im Landkreis Mayen-Koblenz.
Von dort aus führen zwei gut ausgeschilderte Routen – der Kulturweg Brey Spay und der Traumpfad Rheingoldbogen – in etwa 30 Minuten in den Wald zum Einstiegsschacht der römischen Wasserleitung, die seit 2002 zum UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal zählt.
Über eine Länge von 500 Metern versorgte die Wasserleitung offenbar ein am Rande von Brey gelegenes römisches Landgut, das zwar nachgewiesen, aber heute nicht mehr zu sehen ist.
Umfang und Aufwand der Wasserleitung haben Archäologen zu dem Schluss veranlasst, dass von Brey aus auch die beiden nahegelegenen Kastelle in Koblenz und Boppard mit Wasser versorgt worden sein könnten. Schätzungen und Messungen zufolge könnten täglich rund 100.000 Liter Wasser durch die Leitung geflossen sein.
Die Forschung konnte den Verlauf der römischen Wasserleitung bislang nur auf einem Teilstück nachweisen, wobei eine Gesamtlänge von 2 bis 2,5 km vermutet wird. Der Tunnel entstand im sogenannte Qanatverfahren durch den Bau senkrechter Schächte, die in kurzem Abstand hintereinander in die Erde gegraben wurden. Die Leitung wurde dann von Schacht zu Schacht vorwärts getrieben.
Die Erkundung der römischen Wasserleitung von Brey ist ein kleines Abenteuer. Am Kulturweg Brey-Spay-Jakobsberg befindet sich das Besucherzentrum, das täglich geöffnet ist.
Limes im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald
Um 150 nach Christus zogen erste römische Truppen in das Gebiet des heutigen Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald ein. Neue Orte, Straßen und Höfe entstanden im Limes-Gebiet. Auf einer gut 50 Kilometer langen Strecke führt der Wanderweg durch den Schwäbischen Wald, beginnend beim Römermuseum in Mainhardt über den Wachturm auf dem Heidenbuckel bei Grab bis zum „Archäologischen Park Ostkastell“ in Welzheim.
Für die Menschen in der Vergangenheit galt der Limes oft als Teufelswerk, was sich bei der Wanderung durch den Rems-Murr-Kreis an Namen und Flurbezeichnungen wie Teufelsmauer, Heidenbuckel und Heidenbühl ablesen lässt. Beeindruckend ist hier die schnurgerade Grenzziehung, die von einer hohen Perfektion römischer Vermessungskunst zeugt.
Wie an vielen anderen interessanten Stellen des Welterbes stehen auch im Rems-Murr-Kreis sogenannte Limes-Cicerones bereit, um sonntags zum Beispiel den Wachturm auf dem Heidenbuckel für Besucherinnen und Besucher zu öffnen.
Neben klassischen Museumsführungen bieten die Cicerones in Welzheim auch Nachtpatrouillen im Fackelschein an oder laden zu einer interaktiven Kastellinspektion ein. Die offiziellen Gästeführer sind jederzeit auch für eine private Gruppenführung zu buchen.