Museen und Kastelle

Ausflugstipps entlang des Limes: Unterwegs mit den alten Römern

550 Kilometer verläuft der Obergermanische-Raetische Limes quer durch Mitteleuropa. Das längste Bodendenkmal nach der Chinesischen Mauer ist heute UNESCO Weltkulturerbe. Kastelle, Türme und andere archäologische Überreste machen die römische Geschichte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sichtbar und in Museen erlebbar.

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Von Autor/in Silke Arning

Geschichte zum Anfassen: Der Alltag der alten Römer, ihre militärische Organisation, ihre Religionen und kulturellen Gebräuche lassen sich am besten in den großen Limes-Museen erkunden. In den den technisch modernen Ausstellungen werden außergewöhnliche Funde präsentiert.

Doch auch wer jenseits des Museums unterwegs ist, wird Spuren römischer Kulturgeschichte mitten im Wald und im Naturpark finden.

Fünf Ausflugstipps entlang des Limes:

Das Limesmuseum Aalen

Es muss sehr geschäftig im Römerkastell Aalen zugegangen sein: 1000 Reiter waren hier stationiert und noch einmal fast ebenso viele Pferdeknechte. Das Limesmuseum Aalen, eines der ältesten und größten Römermuseen in Deutschland, lädt auf mehreren Ebenen zum Entdecken und Verstehen ein.

Limes Museum Aalen
Das Limesmuseum Aalen ist ein Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg. Es befindet sich auf dem Gelände des ehemals größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen.

Eine Zeitreise führt ins Aalen vor 1800 Jahren. Veteran Marcus Cerialis ist einer von sieben Charakteren, die vom Alltag in Kastell und Dorf erzählen. So verweist ein altes Brandeisen auf seinen Beruf als Viehzüchter. 1500 Originalfunde aus Aalen und Umgebung machen das Leben der Menschen sichtbar

Limes Museum Aalen
Das römische Aalen bestand aus einer alten Militärbasis. Die Dauerausstellung vermittelt anhand archäologischer Originale, Hörstationen, Illustrationen und fiktiver Lebensläufe einen Eindruck vom Alltagsleben im Kastelldorf.

Wer mehr darüber erfahren will, warum die Römer überhaupt ein Weltreich anstrebten, welches Verständnis von Herrschaft und Grenzen sie verfolgten, ob der Limes ein Schutzwall gegen die Germanen oder doch eher Ausdruck römischer Identität war, der findet dazu Antworten in einer zweiten umfassenden Ausstellung.

Limes Museum Aalen
Bei archäologischen Ausgrabungen 1979 bis 1986 wurde das größte Stabsgebäude am Limes freigelegt. Ein Rundgang führt heute über das erweiterte Freigelände, auf dem regelmäßig Veranstaltungen wie zum Beispiel die beliebten Aalener Römertage stattfinden.

Die Geschichte selbst lässt sich zudem entlang der Grundmauern des alten Reiterkastells im archäologischen Park ablaufen. Spektakulär die Umrisse des größten am Limes gefundenen Stabsgebäudes und auch die Nachbauten mehrerer Gemeinschaftsstuben mit Pferdestall und Unterkunft für die Soldaten.

Limes Museum Aalen
Nicht nur die Grundmauern des alten Kastells und des Stabsgebäudes sind auf dem Freigelände zu besichtigen. Der archäologische Park wurde durch einen nachgebauten Baukran, durch Abgüsse römischer Steindenkmäler und den Nachbau einer Reiterbaracke erweitert.

Ein besonderes Highlight: der Nachbau eines römischen Baukrans, mit dem die gewaltigen Quaderblöcke zum Bau von Mauern und Gebäuden überhaupt in die Höhe gehievt werden konnten.

Römermuseum Osterburken

Geheim und sehr exklusiv, das heißt ausschließlich Männern vorbehalten, war der Mithras-Kult, der sich nach dem 1. Jahrhundert nach Christus sehr rasch im Römischen Reich ausbreitete. Besonders beliebt war er unter den römischen Legionären.

Mithrasrelief in Römermuseum Osterburken
Das sehr gut erhaltene Relief aus Buntsandstein zeigt, wie Gott Mithras einen Stier tötet. Zwei Fackelträger und ein Hund flankieren die Szene, die von 15 kleineren Bildern umrahmt wird.

Der 1861 in Osterburken gefundene Mithras-Altar ist daher heute Mittelpunkt und Prunkstück einer Dauerausstellung des Römermuseums im Neckar-Odenwaldkreis, die sich mit den verschiedenen Religionen im Römischen Reich, mit ihrer Vermischung mit keltischen und orientalischen Riten beschäftigt. Buntes Kontrastprogramm: ein leuchtendes Comic-Wandbild des römischen Götterhimmels.

Die Beziehung von Römern und Germanen ist Thema einer zweiten Ausstellung, die das Leben auf beiden Seiten des Limes in den Blick nimmt. Hier die Römer mit ihrem Truppenleben, dem Lagerdorf mit den Familien, mit Handwerkern, Bauern und Händlern. Dort die Germanen, die meistens etwas abseits der Grenze siedelten. Zu den bedeutsamen Entdeckungen in Osterburken gehören auch Überreste von bis zu 10 Meter hohen Grabsteinen, die in einem Gräberfeld am Rande des Lagerdorfes gefunden wurden.

Römermuseum Osterburken
Die in Osterburken entdeckten Überreste eines Bades vermitteln eine Ahnung von der Körperpflege vor 1800 Jahren. Vom Kaltbad ging es über einen Massage- und Erholungsraum in das eigentliche Heißbad, das wiederum über zwei Räume verfügte: einen Schwitz- und einen Wannenraum.

Das imposante Ausmaß des gesamten Kastells Osterburken wird bei einem Gang durch den angrenzenden Limespark deutlich. Mauern und Gräben vermitteln ein Bild um vom Umfang der Wehranlage, die sich über ein weitläufiges Areal erstreckt. Etwa 1 km südlich des Kastells wurde an originaler Stelle ein begehbarer Wachturm im Maßstab 1:1 rekonstruiert. Auch sind im Umfeld des Römermuseums Überreste des Limes im Gelände erhalten, die besichtigt werden können.

RömerWelt Rheinbrohl

Wie hält man ein Legionärsschild? Wie funktioniert ein skythischer Reiterbogen? Im Erlebnismuseum RömerWelt in Rheinbrohl steht das Entdecken mit allen Sinnen im Vordergrund. Geschichte zum Anfassen und Anfühlen für die ganze Familie. Da darf man sich in das pieksige Strohbett der Soldaten legen oder das 12 Kilo schwere Kettenhemd überstreifen.

UNESCO Welterbe - Limes: RömerWelt Rheinbrohl
Die ganze Familie ist eingeladen, das römische Leben aktiv zu erkunden. Zusätzlich zum regulären Museumsbesuch können Gruppen auch eine geführte Zeitreise buchen.

„Sehen – Verstehen – Erleben“ lautet das Motto im Rheinort Rheinbrohl am „caput limitis“, also an der Stelle, wo mit dem Wachturm Nr.1 der Obergermanisch-Raetische Limes vor etwa 2000 Jahren seinen Anfang nahm. Eine Indoor-Ausstellung vermittelt, wie sich das Leben damals auf beiden Seiten des Grenzwalls abspielte – begleitet durch interaktive, multimediale Stationen.

UNESCO Welterbe - Limes: RömerWelt Rheinbrohl
Kochen und Backen wie die Römer: ein typisches Essen bestand aus der „Puls“, einem nahrhaften Getreidebrei, der den römischen Legionären als Kraftnahrung diente.

Auf dem weitläufigen Außengelände des Erlebnismuseums ist römisches Leben nachgebaut: Mannschaftsunterkünfte, Backhaus, Kochstelle, Küchen- und Kräutergarten. Besonders beeindruckend ist das Modell einer Pfahlramme, einer nachgestellten römischen Maschine, die zum Einrammen von Stützpfählen einer Holzbrücke diente.

UNESCO Welterbe - Limes: RömerWelt Rheinbrohl
Mit Hilfe der Ramme konnten die Römer eine Holzbrücke anlegen. Dabei wurde die Maschine auf ein fest im Fluss verankertes Floß gesetzt. So konnten in regelmäßigem Abstand Pfähle in den Grund des Flusses eingerammt werden.

Zu den Highlights in der RömerWelt Rheinbrol gehören die regelmäßig angebotenen Sonderveranstaltungen der RömerWelt Rheinbrohl. Ein besonderes Erlebnis ist der 5-Kampf-Tag am 5. August, ein Wettkampftag für die ganze Familie, die sich im Diskus-Werfen, im Hürdenlauf und anderen Disziplinen messen darf.

Historisches Bogenschießen steht am 31. August auf dem Programm. Am 12. Oktober werden die Backöfen angeheizt und nach römischer Rezeptur Brote gebacken. In der Schmiedewerkstatt werden zudem Bronze und Messing gegossen.

Römische Wasserleitung Brey

Um diese archäologische Kostbarkeit zu entdecken, lohnt es sich ein paar feste Schuhe einzustecken. Denn es gibt gleich mehrere Routen, die zu der römischen Wasserleitung in Brey führen, dem größten antiken Tunnelbau nördlich der Alpen. Ausgangspunkt ist jeweils der Mühlweg in der kleinen Gemeinde Brey im Landkreis Mayen-Koblenz.

Der Eingang der römischen Wasserleitung in Brey.
Schon Ende des 19.Jahrhunderts haben Bewohner von Brey von „Teufelslöchern“ im angrenzenden Gemeindewalt erzählt. Den Hinweisen wurde damals jedoch nicht weiter nachgegangen. Bürger sollen Überreste des Aquädukttunnels zufällig entdeckt haben, als sie während des Zweiten Weltkrieges im Wald Schutz suchten.

Von dort aus führen zwei gut ausgeschilderte Routen – der Kulturweg Brey Spay und der Traumpfad Rheingoldbogen – in etwa 30 Minuten in den Wald zum Einstiegsschacht der römischen Wasserleitung, die seit 2002 zum UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal zählt.

Römische Wasserleitung in Brey
Die wissenschaftliche Erforschung der römischen Wasserleitung begann erst 1963. Archäologen legten Teile des 2000 Jahre alten Tunnelsystems und mehrere Einstiegsschächte frei

Über eine Länge von 500 Metern versorgte die Wasserleitung offenbar ein am Rande von Brey gelegenes römisches Landgut, das zwar nachgewiesen, aber heute nicht mehr zu sehen ist.

Umfang und Aufwand der Wasserleitung haben Archäologen zu dem Schluss veranlasst, dass von Brey aus auch die beiden nahegelegenen Kastelle in Koblenz und Boppard mit Wasser versorgt worden sein könnten. Schätzungen und Messungen zufolge könnten täglich rund 100.000 Liter Wasser durch die Leitung geflossen sein.

Römische Wasserleitung Brey
Besucher können heute ein Teilstück des ausgeleuchteten Stollens erkunden. Überirdisch wird der Verlauf der Wasserleitung durch Schautafeln verdeutlicht.

Die Forschung konnte den Verlauf der römischen Wasserleitung bislang nur auf einem Teilstück nachweisen, wobei eine Gesamtlänge von 2 bis 2,5 km vermutet wird. Der Tunnel entstand im sogenannte Qanatverfahren durch den Bau senkrechter Schächte, die in kurzem Abstand hintereinander in die Erde gegraben wurden. Die Leitung wurde dann von Schacht zu Schacht vorwärts getrieben. 

Römische Wasserleitung Brey
Seit 2002 sind die Überreste der Wasserleitung Teil des UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Im Besucherforum kann man sich über Geschichte und Funktionsweise des Kulturdenkmals informieren.

Die Erkundung der römischen Wasserleitung von Brey ist ein kleines Abenteuer. Am Kulturweg Brey-Spay-Jakobsberg befindet sich das Besucherzentrum, das täglich geöffnet ist.

Limes im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald

Um 150 nach Christus zogen erste römische Truppen in das Gebiet des heutigen Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald ein. Neue Orte, Straßen und Höfe entstanden im Limes-Gebiet. Auf einer gut 50 Kilometer langen Strecke führt der Wanderweg durch den Schwäbischen Wald, beginnend beim Römermuseum in Mainhardt über den Wachturm auf dem Heidenbuckel bei Grab bis zum „Archäologischen Park Ostkastell“ in Welzheim.

Für die Menschen in der Vergangenheit galt der Limes oft als Teufelswerk, was sich bei der Wanderung durch den Rems-Murr-Kreis an Namen und Flurbezeichnungen wie Teufelsmauer, Heidenbuckel und Heidenbühl ablesen lässt. Beeindruckend ist hier die schnurgerade Grenzziehung, die von einer hohen Perfektion römischer Vermessungskunst zeugt.

Kastelle von Welzheim, UNESCO Weltkulturerbe
Auf dem rekonstruierten Ostkastell Welzheim war eine etwa 200 Mann starke Truppe untergebracht. Ihre Geschichte veranschaulichen der Nachbau des Westtors, Grundrisse, Brunnen und ein spektakulärer Fund antiker Schuhe.

Wie an vielen anderen interessanten Stellen des Welterbes stehen auch im Rems-Murr-Kreis sogenannte Limes-Cicerones bereit, um sonntags zum Beispiel den Wachturm auf dem Heidenbuckel für Besucherinnen und Besucher zu öffnen.

Neben klassischen Museumsführungen bieten die Cicerones in Welzheim auch Nachtpatrouillen im Fackelschein an oder laden zu einer interaktiven Kastellinspektion ein. Die offiziellen Gästeführer sind jederzeit auch für eine private Gruppenführung zu buchen.

Museumsführer Weltkulturerbe Limes: Bewusstsein für bedeutende Historie vor der Haustür

2000 Jahre Geschichte auf 550 Kilometern. Der Limes wurde von den Römern als gewaltige Grenzanlage zwischen Rhein und Donau errichtet. Seit 20 Jahren gehört er zum Weltkulturerbe. Eine Ausstellung gibt zum Jubiläum Einblicke in Forschung und Alltag an der einstigen Grenze des Römischen Reiches. Sie soll auch in anderen Orten am Verlauf des Limes in Rheinland-Pfalz gezeigt werden und damit das Bewusstsein für die Historie in nächster Umgebung stärken.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Silke Arning
Moderatorin Silke Arning