Das Akkordeon ist das Instrument des Jahres 2026. Das haben die Landesmusikräte entschieden. Quetschkommode, Schifferklavier, Ziehharmonika – das Akkordeon hat viele Namen. Und tritt auch ganz verschieden vor sein Publikum: der Alleinunterhalter spielt es oft ein wenig rustikal, feingewandete Akkordeon-Orchester treten mit klassischem Programm auf, und Bands bringen es auf die großen Open-Air-Bühnen.
Ganz am Anfang stand ein einfaches Instrument aus China
Weil es so viel kann und so verschieden klingt, ist das Akkordeon das Instrument des Jahres 2026, dazu auserkoren haben es die Landesmusikräte. Im letzten Jahr hatten sie die menschliche Stimme ausgewählt, 2024 war es die Tuba.
Jetzt also das Akkordeon, das Ein-Mann-Orchester, wie manche sagen. Es hat nicht nur eine beeindruckende Gegenwart, sondern auch eine schillernde Geschichte: Sein Vorläufer war die 3000 Jahre alte chinesische Mundorgel Sheng. Auf ihr erzeugt der Shengspieler – bis heute – Töne mithilfe metallener Stimmzungen, die Luftzüge in Schwingungen versetzen.
Das Patent auf das erste Akkordeon stammt aus Wien
Die Idee der durchschlagenden Zunge trat mit der Sheng im Gepäck eines Missionars vor 250 Jahren die Reise in den Westen an. In Wien hat dann der Instrumentenbauer Cyrill Demian vor knapp 200 Jahren sein „Handbalginstrument“, auf dem er Töne mit Stimmzungen erzeugte, als „Akkordeon“ patentieren lassen. Und zwar, weil er auf seinem neuen Instrument Akkordtöne den bisher nur einzeln anspielbaren Melodietönen hinzugefügt hatte. Bis heute haben Akkordeons links ihre Akkord- und Bassknöpfe und rechts ihre Melodieseite, auch mit Knöpfen oder mit Klaviertasten.
Tango, Shanty und Vallenato
Das Akkordeon hat fast die ganze Welt erobert. In Deutschland war es lange vor allem der Liedbegleiter mit dem vollen Klang, heute ist es – neben den Akkordeonorchestern – auch ein Instrument von Bühnenkünstlern, die Jazz und Pop machen. In Frankreich ist bis heute die Musette-Musik im Walzertakt lebendig. Oder auch Shanty-Gesänge, das alles ist ohne Akkordeon nicht vorstellbar. Auf langen Schiffsreisen hatten Seeleute begonnen, ihre Lieder mit dem Akkordeon zu begleiten.
Besonders viel Zuneigung wird dem Akkordeon in Südamerika geschenkt. Erst eroberte es den argentinischen Tango, dann die Vallenato-Musik Kolumbiens, eine ursprüngliche Folklore mit Akkordeon, doppelköpfiger Trommel und einem kleinen Schrappinstrument. Seit geraumer Zeit mischen Bands diese Klänge mit Pop und werden auf den größten Bühnen des Landes gefeiert, ihre Akkordeonspieler sind Superstars.
Der Weltmarktführer im Akkordeonbau ist in Trossingen zuhause
Im deutschen Südwesten hat das Akkordeon eine ganz besondere Stellung, denn im schwäbischen Trossingen (Landkreis Tuttlingen) hat die Musikfirma Hohner ihren Hauptsitz. Sie sieht sich selbst als Weltmarktführer im Akkordeonbau. Hohner bietet Anfängerinstrumente ebenso an wie Instrumente für gewandte Akkordeonspieler und Profis. Und wer so viel Geld wie in einen Kleinwagen investieren will, der kann sich ein auf seine Wünsche zugeschnittenes Akkordeon bauen lassen. Zum Beispiel mit individueller Tastenbelegung und in Teilen vergoldet.
Junger Virtuose ist Akkordeon-Botschafter Baden-Württembergs
“Mit jeder Bewegung seines Balgs atmet es Musik. Mal entfaltet es die Klangfülle eines ganzen Orchesters, mal ist es ganz zart und lädt zum Träumen ein. Diese beeindruckende Bandbreite und Wandlungsfähigkeit machen das Akkordeon zu einem ausdrucksstarken Instrument, das ebenso auf den großen Bühnen zuhause ist wie in intimen kammermusikalischen Momenten.“
So begründen die Landesmusikräte ihre Wahl des Instruments des Jahres 2026. Ein Jahr lang wollen sie die Aufmerksamkeit auf die vielen Facetten des Akkordeons lenken.