Es sind Verhältnisse fast wie in München: Öffentliche Grünflächen dürfen nicht mehr mit Trinkwasser bewässert werden. Der Grund: Es wird mehr Trinkwasser verbraucht, als nachgepumpt werden kann. Rund um den Heuberg bei Meßstetten (Zollernalbkreis) bekommen 100.000 Menschen damit zum ersten Mal zu spüren, dass der Klimawandel drastische Konsequenzen hat. Und sie müssen eine Lektion lernen, die vielen offenbar schwer fällt.
Quellen am Heuberg schütten weniger
Bereits Ende Juni hatte sich beim "Zweckverband Wasserversorgung Hohenberggruppe" die Lage zugespitzt. Kaum Niederschläge. Extreme Trockenheit. Rückläufige Quellschüttungen. Statt bei 7,20 Meter lag der Pegel bei den Tiefenbrunnen im Donautal unter 5,60 Meter.
Gleichzeitig stieg der Trinkwasserverbrauch der Bevölkerung mit zunehmender Hitze immer weiter an. Der Zweckverband versuchte es mit Appellen an die Menschen. Doch der Aufruf, Trinkwasser zu sparen, ging ins Leere. Zum Ärger des Zweckverbands:
Da werden Blumen gegossen, der Hof nass abgestrahlt, Sport- und Tennisplätze bewässert, der private Rasen gesprengt, das Auto gewaschen und nicht zuletzt unzählige Pools befüllt – die Liste ist lang.
Krisensitzung wegen knappem Trinkwasser
Mitte Juli gab es dann eine Krisensitzung beim Zweckverband. Es bestand die Gefahr, dass die 100.000 Menschen im Verbandsgebiet bald auf dem Trockenen sitzen könnten. Deshalb zog man die Reißleine:
Der Verband empfahl seinen 28 Mitgliedskommunen von Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) über Meßstetten (Zollernalbkreis) bis Bubsheim und Gosheim (beide Kreis Tuttlingen) und Oberndorf (Kreis Rottweil), Verbote auszusprechen.
Kein Trinkwasser für Feuerwehrübungen!
Die Vereine dürfen Sport- und Freizeitanlagen nicht mehr mit Trinkwasser gießen. Auch für kommunale Grünflächen soll nicht mehr einfach Trinkwasser aus dem Hahn genommen werden, so Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft (CDU), der auch Vorsitzender des Zweckverbands ist. Weitere Anordnung: Die Feuerwehr soll für ihre Übungen kein Trinkwasser mehr verwenden.
Verbote für Privatbürger habe man nicht erlassen, da man kaum kontrollieren könne, wer wann seinen Pool füllt oder den Rasen mit Trinkwasser sprengt. Statt dessen appelliere man an die Vernunft der Menschen.
"Menschen haben es immer noch nicht begriffen"
Eine der 28 Gemeinden, die über den Zweckverband ihr Trinkwasser bezieht, ist Gosheim. Bürgermeister André Kielack (CDU) hat alle Empfehlungen des Zweckverbands umgesetzt. Es sei nicht einzusehen, warum die Feuerwehr in einer solchen Notsituation Trinkwasser bei einer Übung verspritzen sollte. Bei einer Übung kann der Verbrauch nach Schätzungen leicht 10.000 Liter erreichen. Kielack geht sogar von wesentlich mehr aus. Vor allem weil es in Gosheim Alternativen gibt:
Aus dem örtlichen Käsbrunnen kann man Brauchwasser entnehmen. Also Wasser, das nicht aufwendig als Trinkwasser aufbereitet wurde. Genau das macht der Bauhof jetzt. Das Wasser wird in große Behälter gepumpt. Die stehen am Friedhof oder werden genutzt, um kommunale Flächen zu bewässern. Manche Vereine hätten auch eine eigene Zisterne für den Fußballplatz.
Man könne also schon umdenken und umsteigen. Doch Kielacks Eindruck ist: Viele Menschen haben immer noch nicht begriffen, was für ein kostbares Gut Trinkwasser ist.
Meßstetten hat keine eigenen Brunnen
In Meßstetten gibt es laut Bürgermeister Schroft keine solchen Ausweichmöglichkeiten. Die Stadt habe keine weiteren Brunnen, kann also nicht anderweitig bewässern.
Viele andere Kommunen im Land können in Extremsituationen auf Wasser aus dem Bodensee zurückgreifen - etwa Sigmaringen, Tübingen, Reutlingen oder Stuttgart. Andere hängen an anderen großen Versorgungsnetzen, wie etwa der Wasserversorgung Kleine Kinzig im Nordschwarzwald. Am Heuberg dagegen ist man weitgehend auf sich selbst gestellt. Nur ein Bruchteil des Wassers kommt vom Bodensee. Die Region kann nicht auf eine stabile Versorgung mit Bodenseewasser hoffen.
Der Heuberg braucht Alternativen beim Trinkwasser
Deshalb habe sich der Zweckverband entschlossen, ein altes, stillgelegtes Wasserwerk zu reaktivieren, erklärt Frank Schroft. Die "Neidinger Mühle" soll ab nächstem Jahr, spätestens aber 2028 für zusätzliches Trinkwasser und für Entspannung sorgen.
Denn auf den Trinkwasser-Sparwillen der Bevölkerung will sich der Zweckverband laut Schroft nicht verlassen. Denn der Trinkwasserverbrauch ist nicht nur in diesem Sommer, sondern auch in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.