Amtsverwalter Norbert Beck hat am Dienstagabend dem Gemeinderat seine Entscheidung mitgeteilt: Er möchte nicht zur Wahl des Bürgermeisters in Alpirsbach (Kreis Freudenstadt) antreten. Obwohl er gar nicht kandidiert hatte, haben 42,41 Prozent der Wähler und Wählerinnen im ersten Wahlgang für ihn gestimmt und seinen Namen in die leere Zeile auf dem Wahlzettel geschrieben.
Die wilde Wahl eines Rathauschefs Stichwahl in Alpirsbach nötig: Keine Gewinner bei Bürgermeisterwahl
Die Bürgermeisterwahl in Alpirsbach verlief ungewöhnlich. Kandidatin Vanessa Schmidt hat die 50 Prozent-Hürde verfehlt. Und Platz zwei ging an einen, der gar nicht kandidierte.
Damit steht fest: Bei der Stichwahl am 13. Juli wird auf dem Wahlzettel nur ein Name stehen: Vanessa Schmidt. Die 34-jährige Wirtschaftsingenieurin hat im ersten Wahlgang 48,97 Prozent der Stimmen geholt und wird im zweiten Wahlgang gegen eine leere Zeile antreten.
Beck wurde wegen seines hohen Ergebnisses angefeindet
Norbert Beck nannte dem SWR die Gründe, wieso er nicht zur Stichwahl antreten wird. Wegen seines Alters und seines hohen Wahlergebnisses hätten Bürger ihn in den letzten Tagen angegangen. Noch weitere acht Jahre im Amt zu sein, sei eine lange Zeit. Das habe man ihm unfreundlich an den Kopf geworfen, so Beck. Zusammen mit seiner Frau und seinen Töchtern entschied er, "das muss ich mir nicht geben". Ohnehin hätte der 70-Jährige gerne mehr Zeit mit seiner Familie.
Zudem würde ihn das Amt auch in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Seine Pensionskasse, von der er momentan Geld bekomme, zahle nicht mehr, sollte er als Bürgermeister beschäftigt werden. Für Beck spricht also einiges gegen eine Kandidatur bei der Stichwahl. Über die vielen überraschenden Stimmen für ihn im ersten Wahlgang habe er sich aber sehr gefreut.
Es war sehr emotional. Ich bin durch die letzten Monaten mit Alpirsbach sehr verbunden.
Bei letzter Wahl wurden die Alpirsbacher getäuscht
Im April 2024 hatten die Alpirsbacher und Alpirsbacherinnen bereits einen Bürgermeister gewählt. Den Polizisten Sven Christmann. Doch gegen den wurde zu dieser Zeit schon ermittelt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Deshalb war er im Beruf als Polizist gesperrt und hatte - anders als im Wahlkampf angegeben - nicht aktiv als solcher gearbeitet. Deshalb hat das Landratsamt Freudenstadt seine Wahl für ungültig erklärt. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat die Entscheidung dann bestätigt. Deshalb war Beck über viele Monate als Ersatz-Bürgermeister tätig.