Der Streit um eine 230 Meter hohe Windanlage in Alpirsbach (Kreis Freudenstadt) landet vor Gericht: Einstimmig hat der Gemeinderat beschlossen, gegen die Genehmigung des Landkreises Freudenstadt zu klagen. Die Anlage wurde Ende Juni bewilligt - kurz bevor ein neuer Regionalplan Windenergie den Standort ausgeschlossen hätte. Zuerst hatte der Schwarzwälder Bote berichtet.
Einstimmiger Beschluss für den Klageweg
Die Entscheidung habe die Bürgerschaft "in Unglauben versetzt", auch die Verwaltung sei irritiert gewesen, so der Alpirsbacher Stadtbaumeister Rudolf Müller. Schon seit Juli 2025 protestieren Bürgerinnen und Bürger dort unter anderem mit Petitionen gegen die Windanlage. Damals hatten die Stadtwerke Stuttgart als Projektierer den Bauantrag beim Landratsamt Freudenstadt eingereicht.
Die Genehmigung des Landkreises für das Windrad kam zu einem brisanten Zeitpunkt: Nur wenige Tage später trat ein neuer Regionalplan Windenergie in Kraft, der festlegt, wo künftig Windräder stehen dürfen. Der Standort bei Alpirsbach wäre darin nicht vorgekommen.
Ziel der Stadt: Genehmigung kippen, Windrad stoppen
Die geplante Anlage soll nahe dem historischen Stadtkern entstehen. Nicht gut für den Tourismus, so die Stadtverwaltung, weil das Windrad die Landschaft rund um Alpirsbach deutlich verändern würde. Darum kämpft die Stadt gegen das Projekt.
Alpirsbach will vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim klagen, um die Genehmigung zu kippen und den Bau zu stoppen. "Das ist die einzige Chance, die bleibt", so Müller. Solange das Verfahren läuft - bis zu anderthalb Jahre - darf nicht gebaut werden.
Landrat akzeptiert Klage und verweist auf Rechtsstaat
Der Freudenstädter Landrat Andreas Junt (parteilos), dessen Behörde die Genehmigung erteilt hat, zeigt Verständnis für den Gang nach Mannheim. Es sei das gute Recht der Stadt, die Entscheidung überprüfen zu lassen. Ihm sei viel daran gelegen, "politische Entscheidungen zu treffen, die die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen".
Zugleich betont Junt, seine Behörde habe einen klaren gesetzlichen Auftrag gehabt: "In dem Fall war es so, dass ein Anspruch auf Genehmigung bestand, und das haben wir umgesetzt." Der Landrat sieht jedoch kritisch, dass der touristische Aspekt beim Planen von Windkraftanlagen nicht vorkomme. Fragen wie "wo passt es rein, wo passt es nicht rein" könnten gar nicht berücksichtigt werden.
Stadtwerke Stuttgart halten an Plänen fest
Die Stadtwerke Stuttgart lassen sich von der Klage offenbar nicht abschrecken. Das Windprojekt in Alpirsbach befindet sich laut einer Sprecherin weiterhin in der Planungsphase. Ob man es umsetzt, hänge maßgeblich von rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie Förderungen ab.
Auch Seewald will Klage einreichen
Und: "Klageverfahren sind bei Windenergieprojekten keine Seltenheit und gehören häufig zum Projektverlauf", so die Sprecherin weiter. Das würde häufig zu Verzögerungen führen. Das zeigt sich auch im 30 Kilometer von Alpirsbach entfernten Seewald (Kreis Freudenstadt): Dort hat sich der Gemeinderat Ende Juli ebenfalls auf den Klageweg geeinigt.
Hoffnung auf einvernehmliche Lösung bleibt
Trotz laufender Klage hofft Landrat Junt auf Gespräche zwischen Alpirsbach und den Stadtwerken Stuttgart: Ein Rechtsstreit sei immer die letzte Möglichkeit. Wenn der Projektierer auf die Stadt zugehe und man etwa eine Alternativfläche fände, könne man "den Druck aus dem Kessel nehmen".
Rund 25.000 Euro plant Alpirsbach für seinen Rechtsstreit mit dem Landkreis ein. Die Bürgerschaft unterstützt die Stadt mit Spenden. Viele hoffen, die 230 Meter hohe Windanlage doch noch verhindern zu können. Ein Rechtsanwalt hat für die Stadt die Klage geprüft und glaubt nicht, dass das Vorhaben dauerhaft verhindert werden kann.