Die Anwohner der Beethovenstraße in Tübingen versammeln sich mit Wasserkochern und Töpfen voll kochend heißem Wasser. Ihr Ziel: Sie wollen die aggressiven Ameisen, die sogenannte Tapinoma magnum vertreiben.
Denn die macht den Bewohnern dort große Sorgen. Die Ameisenart wurde vermutlich über Pflanzen aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt und bildet große Kolonien. Vor ein paar Wochen wurde sie offiziell auch in Tübingen nachgewiesen. Die Aktion soll verhindern, dass sich die Ameisen im Wohngebiet Wanne weiter ausbreiten und Häuser befallen.
Tapinoma magnum breitet sich in Baden-Württemberg aus
Die invasive Ameisenart ist südlich der Alpen bereits etabliert. In Deutschland wird sie immer mehr zum Problem. Vor allem entlang des Rheins ist Tapinoma magnum aufgetaucht. Auch in Stuttgart und Esslingen gibt es sie inzwischen.
In der badischen Stadt Kehl machen die Ameisen seit zwei Jahren Probleme. Dort haben die Insekten auch Strom- und Internetkabel befallen, weshalb es schon zu Stromausfällen gekommen ist. Auch in Häuser sind die Ameisen eingedrungen. In Kehl gehen Mitarbeiter der Stadt mit heißem Wasser gegen die Insekten vor.
Tübinger Biologielehrer hat die Ameisen entdeckt
Dem Biologen Christian Wolff ist die invasive Ameisenart im Tübinger Beethovenweg aufgefallen. "Das war schon beängstigend, als ich da, nichts Böses ahnend, über die Straße lief und die Ameisenspur sah", erzählt er. Daraufhin hat er direkt ein paar Ameisen eingefangen und unter dem Mikroskop untersucht.
Tatsächlich handelte es sich um die Tapinoma magnum. Das hat ihm das Naturkundemuseum bestätigt. "Wir kämpfen verzweifelt mit der Heißwasser- und der Kieselgurpulver-Methode. Aber ein paar Stunden später finden wir sie dann plötzlich an neuen Orten", so Christian Wolff.
Bei der "Kieselgur-Methode" handelt es sich um ein Pulver aus Kieselalgen: Es verletzt die Panzer der Ameisen und lässt sie austrocknen. Beide Methoden seien leider nicht sehr vielversprechend, sagt Wolff. Mit den Wasserkochern sei man auf verlorenem Posten.
Ich bin optimistisch, dass wir, mit Unterstützung der Stadt, die Tapinoma im Beethovenweg wieder los werden
Stadt Tübingen beobachtet die invasive Ameisenart
Lukas Haderlein vom Ordnungsamt Tübingen hat sich die Situation vor Ort angeschaut. Er sagt, es müsse niemand in Panik verfallen. Aber: Bisher habe keine Gemeinde in Süddeutschland ein Allheilmittel für den Ameisenbefall gefunden. Ob mit Fadenwürmern, heißem Wasser oder Gift. In manchen Gemeinden werden Fadenwürmer als Nützlinge eingesetzt. Die sollen in die Ameisennester eindringen und sie zerstören.
Für Haderlein ist es wichtig, dass sich die Gemeinden, in denen Tapinoma magnum bisher aufgetaucht ist, vernetzen und austauschen. Am Donnerstag wollen sich alle betroffenen Gemeinden in Baden-Württemberg zu einer Besprechung zusammenschalten.
Bislang beobachtet die Stadt Tübingen verschiedene Stellen, an denen die invasiven Ameisen gemeldet werden. Auch am Schlossberg wurde die Art nachgewiesen. Es sei wichtig, rechtzeitig einzugreifen. Bevor kritische Infrastruktur wie Kliniken, Kindergärten oder Schulen betroffen seien, so Haderlein. Die Stadt versuche bestehende Sprühgeräte umzurüsten, um heißes Wasser tiefer in die Erde spritzen zu können.
Wissenschaft beschäftigt sich mit der Tapinoma magnum
Die Politik in Baden-Württemberg hat reagiert: Das Umweltministerium hat die Staatlichen Museen für Naturkunde in Stuttgart und Karlsruhe beauftragt, umfassend zur Ameise Tapinoma magnum zu forschen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten herausfinden, wie sich die invasive Ameisenart verbreitet und daraus Prognosen ableiten.