Vergangene Woche ist der Tunnel in Albstadt-Laufen feierlich eröffnet worden, doch ohne Verkehrsfreigabe. Fahrzeuge dürfen noch nicht durch den Tunnel fahren. Und dies, wo sich alle so sehr auf die Tunneleröffnung gefreut hatten. Manche sprechen deshalb von einem schlechten Maischerz, andere finden es gar nicht mehr lustig. Neben dem Bahnübergang mitten in Albstadt-Laufen hängt ein Banner - dort wo es alle sehen: die Einwohner und die Autofahrer, Lastwagenfahrer und Pendler, die am Tag durchfahren - bis zu 25.000 sind das. "Kein Licht am Ende des Tunnels" ist darauf zu lesen, in neonpinker und blauer Schrift.
Moderne Sicherheitstechnik im Tunnel spielt noch nicht mit
So dramatisch ist die Situation auf der B463 bei Albstadt tatsächlich nicht. Der Tunnel ist nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit fertig saniert. Er hat unter anderem eine neue Betriebstechnik und einen neuen Anstrich bekommen. Und auch wenn manch einer kein Licht am Ende des Tunnels sieht, so gibt es zumindest im Tunnel Licht. Der Strom wird mithilfe einer ebenfalls neuen Photovoltaikanlage neben dem Tunnel produziert. Ein weiterer wichtiger Grund für die Sanierung nach 25 Jahren Betriebszeit: Der Tunnel wird jetzt zeitgemäß mittels neuer Sicherheitstechnik überwacht. Die funktioniert noch nicht ganz so, wie sie sollte. Bei der Übertragung in die Leitstelle nach Balingen hapert es laut Regierungspräsidium Tübingen noch. Das Problem soll zeitnah behoben werden.
Gefeiert wurde nur das Ende der Bauarbeiten im Tunnel
Das ist der Grund, weshalb es beim Festakt zur "Verkehrsfreigabe" eine große Überraschung gab. Ministerialdirigent Steffen Müller vom Bundesministerium für Verkehr, Landesverkehrsminister Winfried Hermann, Vertreter von Regierungspräsidium, Landkreis, Stadt, Einwohner von Laufen sogar eine Kindergartengruppe waren gekommen. Allerdings: Der Tunnel blieb zu. Gefeiert wurde dann nur das Ende der Bauarbeiten.
Anwohner sind verärgert: "Alles nur Show"
Auch knapp eine Woche nach der "Tunneleröffnung ohne Tunneleröffnung", wie Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU) den Termin zusammenfasste, hängt der Termin noch vielen nach. Dass es mit der langersehnten Tunneleröffnung doch nicht klappt, wusste im Ort niemand, selbst Ortsvorsteher Peter Landenberger nicht.
Ortsvorsteher spricht von "peinlicher Veranstaltung"
Der Ortsvorsteher spricht von einer "Farce", einer "peinlichen Veranstaltung". Man habe sich im Ort gefreut auf die Tunnelfreigabe. Nach eineinhalb Jahren Umleitung mitten durch den Ort. Ein Anwohner habe schon den Kaffee am Nachmittag auf dem endlich wieder ruhigeren Balkon geplant. Daraus allerdings wurde nichts. Daran, dass die Arbeiten im und um den Tunnel nötig waren, zweifelt auch in Laufen niemand. Schließlich wollen sie die Autos und Lastwagen ja nicht im Ort. Und auf ein, zwei Wochen länger kommt es laut dem Ortsvorsteher nicht mehr an. Ihn und viele andere im Ort ärgern aber die fehlende Kommunikation und der Zeitpunkt des Festakts.
Noch unklar, wann der Tunnel in Albstadt-Laufen öffnet
Die Fast-Freigabe des Tunnels in Albstadt-Laufen war, wie Landesverkehrsminister Winfried Hermann selbst betonte, seine letzte Veranstaltung, bei der er eine Straßenbaumaßnahme freigebe, genau genommen: das Bauende. Wann nun tatsächlich wieder Autos durch den Tunnel fahren können, ist aktuell noch offen. Einmal war beim Festakt von der "kommenden Woche", mehrmals aber auch von "Wochen" die Rede. Das Regierungspräsidium will informieren "sobald ein ordnungsgemäßer Probebetrieb sichergestellt ist".