Auf Wunsch des Senior-Chefs im Betriebsrat

Trigema-Urgestein geht in Rente: 48 Jahre für Wolfgang Grupp gearbeitet - und das ohne schriftlichen Arbeitsvertrag

Jahrzehnte arbeitete Karl-Josef Schoser für Trigema in Burladingen. Das Besondere: Bei dem Textilunternehmen hatte er nicht einmal einen schriftlichen Arbeitsvertrag.

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Von Autor/in Florian Dürr

Karl-Josef Schoser hat 48 Jahre lang bei Trigema gearbeitet. So etwas nennt man Urgestein. Er war eine Stütze für Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp Senior. Jetzt ist Schoser im Ruhestand. Das Trigema-Shirt legt er so schnell aber nicht ab: Auch als Rentner trägt er zuhause in Burladingen (Zollernalbkreis) das T-Shirt mit dem Firmenlogo. "Ich habe noch nie verborgen, dass ich bei Trigema schaffe, da bin ich stolz drauf", sagt Schoser. Aber nicht nur über seine Klamottenwahl bleibt die Verbindung zum einzigen Arbeitgeber seines Lebens bestehen.

Nach stolzen 48 Jahren im Betrieb pflegt Schoser auch weiter den Kontakt zu langjährigen Kollegen: Bereits wenige Tage nach seiner Abschiedsfeier greift der 64-Jährige zum Hörer und fragt scherzhaft im Werk nach, "ob es ohne mi no lauft", erzählt er und lacht.

Trigema-Urgestein Karl-Josef Schoser auf seinem Balkon zuhause in Burladingen mit Trigema-Shirt
Trigema-Urgestein Karl-Josef Schoser trägt auch im Ruhestand noch das Trigema-Shirt mit dem Logo auf dem Rücken.

48 Jahre bei Trigema ohne Arbeitsvertrag: Senior-Chef Wolfgang Grupp wollte ihn im Betriebsrat

Mit 17 Jahren beginnt Schoser bei dem Textilunternehmen die Ausbildung zum Textilmechaniker, später steigt er zum Leiter der Strickerei auf - und als LKW-Fahrer hilft er immer wieder aus. Auch Betriebsratsvorsitzender ist er über viele Jahre - auf Wunsch von Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp persönlich. "Herr Schoser, Sie sollten sich für den Betriebsrat aufstellen lassen", soll Grupp ihm damals gesagt haben, berichtet der 64-Jährige. Sein früherer Chef brauchte "Leute, um die kleinen Probleme von ihm fernzuhalten", erzählt er.

Natürlich habe man auch mal härter diskutiert, als Grupp das Weihnachts- und Urlaubsgeld streichen und die Arbeitszeit erhöhen wollte, aber die Verhandlungen seien stets fair gewesen, sagt Schoser. Einmal habe ihn jemand aus dem Betriebsrat gefragt: "Hast du das schriftlich von ihm?" Schoser hat nur geantwortet: "Wenn ich von Herrn Grupp etwas schriftlich brauche, dann verlasse ich die Firma."

Wolfgang Grupp bezeichnet ihn als "Tragende Säule" bei Trigema in Burladingen

Schoser vertraute Grupp - und der Senior-Chef vertraute seinem Betriebsratschef. So kam es auch zu der Kuriosität, dass Schoser in den ganzen 48 Jahren nie einen schriftlichen Arbeitsvertrag in den Händen hielt (Infokasten). Für dieses Vertrauen dankt ihm Grupp: "Die tragenden Säulen in jedem Betrieb sind Mitarbeiter wie Herr Schoser, die fünf Jahrzehnte in guten und schwierigen Zeiten die Treue halten", sagt der Senior Chef.

Auch bei Schosers Abschiedsfeier kürzlich war Grupp dabei - zusammen mit Frau Elisabeth und den aktuellen Trigema-Chefs Bonita und Wolfgang Grupp junior entstand ein gemeinsames Abschiedsfoto. Viele Tränen seien geflossen, erzählt Schoser: "Das Taschentuch war klitschklatschnass."

Nach Suizidversuch von Grupp Senior: Unruhe im Trigema-Werk

Für den 64-Jährigen war es ein turbulentes letztes Arbeitsjahr: Als sich sein langjähriger Chef im Juli 2025 das Leben nehmen wollte, saß der Schock tief. "Es war Unruhe im Betrieb, aber wir haben darüber geredet, man hat sich getröstet", berichtet Schoser über die Tage danach. Der Senior Chef sei dann aber schnell wieder jeden Tag ins "Geschäft" gekommen.

Dass Grupp mit seinen polarisierenden Aussagen immer wieder für Schlagzeilen sorgte, störte Schoser nicht. Im Gegenteil, er und seine Kollegen seien stolz gewesen, dass ihr Chef immer so präsent gewesen sei, sagt er. Jetzt bricht für das Trigema-Urgestein ein neuer Lebensabschnitt an. Für seine Enkel hat er mehr Zeit, die Garage hat er schon gestrichen - und in der Landwirtschaft ist er weiter tätig. "Das ist gut, jetzt kommt der Sommer", sagt Schoser: "Die Arbeit geht nicht aus."

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Autor/in
Florian Dürr
Der Mitarbeiter des SWR Studio Tübingen Florian Dürr

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