Knapp acht Monate nach seinem Suizidversuch ist der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp wieder öffentlich aufgetreten. Am Montagabend war er zu Gast bei "Gysis Begegnungen", dem Talkformat des Ex-Linken-Chefs Gregor Gysi im Neuen Kunstmuseum Tübingen.
Grupps Auftritt war ursprünglich für Oktober des vergangenen Jahres geplant, musste jedoch abgesagt werden. Der Unternehmer hatte damals öffentlich gemacht, dass er an Altersdepressionen leidet und einen Suizidversuch unternommen hatte. Das hatte deutschlandweit für Aufmerksamkeit gesorgt.
Großes Interesse, wenig Neues
Der Auftritt im Neuen Kunstmuseum stieß auf großes Interesse: Mehr als 400 Zuschauer füllten den Saal, außerdem viele Medienvertreter. Wer erfahren wollte, wie es der Unternehmerlegende inzwischen geht, wurde jedoch enttäuscht: Moderator Gysi klammerte das Thema weitestgehend aus. Auch als Grupp erwähnte, dass er nach seinem Suizidversuch seinen Jagdschein abgegeben habe, hakte Gysi nicht nach.
Stattdessen arbeitete sich Gysi durch seine Karteikarten, fragte Anekdote um Anekdote ab: "Burladingen hat 12.000 Einwohner – könnten Sie sich ein Leben in einer großen Stadt vorstellen?", "Wie haben Sie Ihre Frau kennengelernt?", "Wie haben Sie und Ihre Beschäftigten Corona überstanden?". Auch Themen wie Künstliche Intelligenz und Grupps persönliche Fitness kamen zur Sprache.
Wolfgang Grupp: "Ich war in kaum einer Vorlesung“
Viele der Fragen hatte Gysi dem Ex-Unternehmer so oder ähnlich bereits 2022 gestellt: In seinem Talk-Format "Missverstehen Sie mich richtig". Grupp antwortete gewohnt schlagfertig und humorvoll, beim Publikum kam das gut an. Häufig sorgten Grupps Antworten für Lacher, beispielsweise, als er von seinem Leben als Jurastudent in Köln erzählte: Er habe kaum Vorlesungen besucht, dafür jedoch ein Reitpferd und einen Sportwagen besessen. "Wie jeder Student", kommentierte Gysi trocken.
Auch viel Gelächter, als Grupp den Kindern von Gysi einen Job bei Trigema anbot - so wie die Firma das auch bei Kindern der Mitarbeiter macht.
Das Thema Depression bleibt Randnotiz
Erst gegen Ende des Gesprächs wagte sich Gysi an das zentrale Thema des Abends: "Es heißt, dass Sie an Altersdepression litten und Ihrem Leben ein Ende setzen wollten. Glücklicherweise ist es Ihnen nicht gelungen. War das ein Fehler und sind Sie wieder in der Lage, ihr Leben zu genießen?". Grupp nickte und erntete großen Applaus aus dem Publikum.
Grupp kümmert sich jeden Tag um Enkelkind
Anschließend ergänzte der Unternehmer: Sein gescheiterter Suizidversuch sei eine glückliche Vorsehung gewesen - andernfalls hätte er das Gespräch mit Gysi nicht führen können. Zudem berichtete er, dass er sich jeden Tag um sein Enkelkind kümmere.
Bereits im Juli 2025 hatte Wolfgang Grupp seinen Suizidversuch und seine Altersdepression in einem offenen Brief publik gemacht. Darin schrieb er: "Ich bin im 84. Lebensjahr und leide an sogenannten Altersdepressionen. (...) Ich habe deswegen auch versucht, mein Leben zu beenden." Er habe sich gefragt, ob er überhaupt noch gebraucht werde. Grupp drückte in dem Brief sein Bedauern aus: "Ich würde es gerne ungeschehen machen." Gleichzeitig appellierte er an andere Betroffene, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.