Video-Statement mit 1,3 Millionen Aufrufen

Unternehmen unter Druck: Backhaus Mahl kritisiert Energieprämie und Bundesregierung

Die aktuelle wirtschaftliche Lage macht vielen Unternehmen zu schaffen. Deswegen hat das Familienunternehmen ein Statement veröffentlicht - und scheint damit einen Nerv zu treffen.

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Von Autor/in Nathalie Waldenspuhl

Das Backhaus Mahl aus Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) geht derzeit mit einem Video in den sozialen Medien viral. Am Samstag hatte das Statement, das sich mit Kritik an die Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz (CDU) wendet, auf Instagram schon mehr als 1,3 Millionen Aufrufe und über 4.000 Kommentare.

Statement: Energieprämie der Bundesregierung sorge für "Unsicherheit"

In ihrem Statement thematisieren Martin und Yvonne Mahl, die Geschäftsführer des Familienunternehmens, die geplante Energieprämie. Geplant ist, dass Unternehmen bis Ende Juni 2027 jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter steuerfrei 1.000 Euro auszahlen können, als Ausgleich für die gestiegenen Energiekosten. Der Bundestag hat die Prämie am Freitag beschlossen, eine Beratung im Bundesrat steht noch aus.

Die Kritik der beiden Geschäftsführer der Bäckerei-Kette: Mit der Entlastungsprämie gebe die Bundesregierung Verantwortung an die Unternehmen ab. Dabei könne nicht jede Firma das Geld bezahlen. Martin Mahl erklärt in dem Video: „Auch eine steuerfreie Prämie fällt nicht vom Himmel, sie muss erwirtschaftet werden – und das ist in der aktuellen Situation für viele Unternehmen nicht möglich. Am Ende entstehen Erwartungen, die wir erklären, einordnen und enttäuschen müssen.“ Das sorge für Unruhe bei den Beschäftigten.

Mahl über Kanzler Merz: "Brauchen keine Debatte über Faulheit der Menschen"

Martin und Yvonne Mahl sehen den Schlüssel zur Entlastung der Wirtschaft an anderer Stelle. In dem Video fordern sie niedrigere Energiekosten, weniger Bürokratie und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, um Unternehmen in der aktuellen Situation zu unterstützen. Die Geschäftsführer betonen, dass sie als Unternehmer Verantwortung für ihre 750 Mitarbeitenden und deren Familien tragen – und das „jeden Tag, sehr gerne“. Doch die steigenden Kosten und immer höhere Abgaben stellten eine zunehmende Belastung dar.

Dass der Bundeskanzler eine "fehlende Leistungsbereitschaft von Menschen in Deutschland" bemängele, finden die beiden Geschäftsführer falsch. Immer betont Merz in öffentlichen Auftritten, dass die Bevölkerung mehr arbeiten müsse. Dem entgegnet Martin Mahl: "Die meisten Menschen in Deutschland, die wir kennen, die stehen früh auf, bezahlen Steuern und Abgaben und halten den Laden hier überhaupt am Laufen."

Kritik an Bundesregierung bekommt viel Zuspruch im Internet

Für das Statement bekommt das Backhaus Mahl in den Kommentaren auf Instagram großen Zuspruch. Viele Nutzerinnen und Nutzer finden es gut, dass Martin und Yvonne Mahl sich offen äußern. Auch der Unternehmer Carsten Maschmeyer hat kommentiert: "Familienunternehmen wie dieses hier tragen Verantwortung über Generationen. Das verdient keine zusätzliche Last, sondern echte strukturelle Entlastung". Einzelne Kommentare unter dem Video äußern mitunter auch harsche Kritik an der Bundesregierung, vor allem an der CDU und Kanzler Merz. Beiträge, die den Inhalt des Videos kritisieren, sind kaum zu finden.

Die vielen Rückmeldungen überwältigen ihn und sein Team, hat Martin Mahl dem SWR gesagt. Die vielen Kommentare und Nachrichten würden sie förmlich überrollen, sagt er. Seit das Video am Mittwoch Online gegangen ist, arbeiten sie zu dritt daran, die Kommentare zu moderieren und Nachrichten zu beantworten. Es sei ihnen wichtig, dass die Diskussion um das Video nicht "ins Polemische" abdrifte, so Mahl.

Trotzdem sei es gut, dass die Botschaft so viel Aufmerksamkeit bekomme. Eine Rückmeldung von der Bundesregierung sei noch nicht eingegangen. Wünschenswert wäre es natürlich, sagt er.

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Autor/in
Nathalie Waldenspuhl
Nathalie Waldenspuhl ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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