Die Reaktionen auf den neuen Krisenbonus sind unterschiedlich. In Rheinland-Pfalz überwiegen positive Einschätzungen, wie eine nicht repräsentative SWR-Befragung zeigt. Die Entlastungsprämie kann dieses Jahr freiwillig von Arbeitgebern gezahlt werden. Sie ist steuer- und abgabenfrei.
Unternehmerverband: Prämien schon während Corona bewährt
Der Präsident des Landesverbandes der Unternehmer Rheinland-Pfalz, Johannes Heger, sagte dem SWR, er sehe da gar kein Problem. Das würden sicher viele Unternehmen in Rheinland-Pfalz bezahlen. Eine Ausgleichsprämie habe sich während Corona schon bewährt, so Heger.
Ver.di: Tarifverhandlungen können entscheidend sein
Die Gewerkschaft ver.di in Rheinland-Pfalz hat sich nicht selbst geäußert, verweist aber auf die Reaktion auf Bundesebene: Da heißt es, das Ganze sei vor allem beim Thema Tarifverhandlungen schwierig. Laufen Tarifverhandlungen, könnte diese Prämie mit in die Verhandlungen reinfließen und am Ende das Ergebnis für die Arbeitnehmer sogar verschlechtern.
Laufen keine Tarifverhandlungen, sind wahrscheinlich viele Arbeitgeber nicht bereit, überhaupt irgendwas extra zu zahlen - so schätzt ver.di die Lage ein.
Gewerkschaftschef: Abhängig von der Gnade des Arbeitgebers
Ver.di-Chef Frank Werneke kritisierte, die geplante Prämie von bis zu 1.000 Euro davon abhängig zu machen, ob einzelne Arbeitgeber diese gnädigerweise bezahlen oder nicht, sei eine völlig verfehlte Konstruktion. Seiner Meinung nach werden viele Beschäftigte in die Röhre gucken und leer ausgehen. So treibe man die Spaltung der Gesellschaft munter weiter voran.
IG Metall: Entlastungsprämie schnell auszahlen
Ein bisschen mehr Optimismus kommt von der IG Metall für Rheinland-Pfalz: Die Gewerkschaft sieht das auch so wie ihr Bundesverband und begrüßt die Prämie grundsätzlich, fordert aber auch, dass Arbeitgeber das Geld schnell und unkompliziert auszahlen.
Arbeitnehmende brauchen mehr Geld im Portemonnaie, die Entlastungsprämie kann hier kurzfristig helfen. Wir fordern die Arbeitgeber auf, dass dieses Geld schnell und unkompliziert zu den Beschäftigten kommt.
Wer könnte die Entlastungsprämie erhalten?
So wie es die Bundesregierung in ihrem Ergebnispapier formuliert hat, kann die Entlastungsprämie freiwillig von Arbeitgebern gezahlt werden. Sie muss aber nicht gezahlt werden!
Die Regierungskoalition wird es Arbeitgebern im Jahr 2026 ermöglichen, eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro zu zahlen. Zur Gegenfinanzierung der steuerlichen Mindereinnahmen wird die Tabaksteuer schon im Jahr 2026 erhöht.
Das erinnert an die Inflationsausgleichsprämie in Höhe von bis zu 3.000 Euro, die Unternehmen von Oktober 2022 bis Ende 2024 steuer- und abgabenfrei an ihre Beschäftigten überweisen konnten. Damit wollte die Ampelkoalition gestiegene Lebenshaltungskosten nach Ausbruch des Ukraine-Krieges ausgleichen.
Koalitionspläne zur Entlastung Warum viele bei der Prämie leer ausgehen könnten
Die Bundesregierung will es Unternehmen ermöglichen, Beschäftigten eine steuerfreie 1.000-Euro-Prämie zu bezahlen. Doch ob die Firmen das auch tatsächlich machen, ist offen. Was g…
Inflationsausgleichprämie: Deutliche Unterschiede zwischen den Branchen
Laut Statistischem Bundesamt bekam damals der überwältigende Teil der Arbeitnehmer eine Inflationsausgleichsprämie: Es waren mehr als acht von zehn Tarifbeschäftigten - also 86,3 Prozent. Der durchschnittliche Betrag pro Person lag bei 2.680 Euro. Zwischen den Branchen gab es deutliche Unterschiede. Die niedrigsten Prämien wurden im Baugewerbe (1.103 Euro) sowie im Handel (1.419 Euro) gezahlt, die höchsten in Verwaltungsbereichen (3.000 Euro).
Wer geht leer aus?
Rentner, Bürgergeld-Empfänger, Beschäftigte ohne Tarifvertrag waren damals von der Inflationsausgleichsprämie ausgeschlossen. Diese Gruppen werden auch jetzt keine Entlastungsprämie erhalten. Außerdem bekamen nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine nur knapp 12 Prozent der Mitarbeiter in der Gastronomie einen Krisenbonus.
Deshalb kritisiert auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, die neue Prämie. Die Entlastungsprämie komme vor allem Beschäftigten in größeren und finanzstarken Unternehmen zugute, so Fratzscher.
Sie kommt vor allem Beschäftigten in größeren und finanzstarken Unternehmen zugute, während viele andere Gruppen leer ausgehen - etwa Arbeitslose, Rentnerinnen und Rentner, Studierende oder Beschäftigte in kleinen Betrieben.
Die Regierung lege damit auch erhebliche Kosten auf Unternehmen um, bemängelt der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Viele Firmen würden sich ohnehin in einer schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage befinden.