Der Bundestagswahlkreis Tübingen steht vor großen Veränderungen: Langjährige, etablierte Bundestagsabgeordnete von CDU, SPD und Grünen treten bei der Wahl nicht mehr an. Die neuen Kandidatinnen und Kandidaten sind eher unbekannt. Dementsprechend haben sie schlechte Plätze auf den Landeslisten ihrer Parteien. Über die Landesliste wird voraussichtlich niemand aus Tübingen in den Bundestag einziehen. Alles wird übers Direktmandat entschieden.
Rennen ums Direktmandat in Tübingen
Nach der letzten Bundestagswahl war der Wahlkreis Tübingen mit vier Abgeordneten in Berlin vertreten. Künftig wird er maximal ein Mandat haben. Den Sieg werden wohl Favorit Christoph Naser (CDU) und Asli Kücük (Grüne) unter sich ausmachen.
Für Kücük wäre ein Sieg das Ticket nach Berlin. Naser dagegen müsste trotzdem zittern, denn durch das neue Wahlrecht wird bei der CDU in Baden-Württemberg nicht jeder Stimmenkönig automatisch einen Sitz im Bundestag bekommen.
Naser: "Es geht jetzt wirklich um jede einzelne Stimme!"
Sollte Naser die meisten Stimmen bekommen, aber im Vergleich zu anderen CDU-Kandidaten im Land zu schlecht abschneiden, dann würde das Tübinger Direktmandat nicht besetzt. Im ungünstigsten Fall wird es am 23. Februar also kein einziger Kandidat aus dem Wahlkreis nach Berlin schaffen.
Neues Wahlsystem bei der Bundestagswahl
Grund dafür ist, dass der Bundestag kleiner werden soll. Das dafür erarbeitete neue Wahlsystem führt dazu, dass die Person mit den meisten Stimmen nicht mehr automatisch über ein Direktmandat in den Bundestag einzieht. Es können nur so viele Direktmandate vergeben werden, wie einer Partei anteilig nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen. Damit ist so gut wie sicher, dass bei der CDU in Baden-Württemberg nicht alle Stimmenkönige auch ein Direktmandat erhalten werden.
CDU wird wohl Direktmandate verlieren
Die Bundeswahlleiterin hat nachgerechnet: Wäre das neue Wahlsystem bei der letzten Bundestagswahl in Kraft gewesen, dann hätte die CDU in Baden-Württemberg elf Direktkandidaten weniger nach Berlin schicken können. Darunter auch die Tübinger Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz. Ihr Wahlergebnis war damals zu schlecht.
Und so schaut der Wahlkreis Tübingen gespannt in Richtung 23. Februar. Viele Bürgerinnen und Bürger fänden es nicht gut, wenn sie künftig keine Vertretung mehr im Bundestag hätten.