Kürzere Haftstrafen gegen Geständnisse und Geldzahlungen

"Deal" im Entführungsprozess am Landgericht Hechingen

Im Prozess wegen erpresserischen Menschenraubs am Landgericht Hechingen ist ein "Deal" zustande gekommen. Einige Angeklagte können durch ein Geständnis niedrigere Strafen erwarten.

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Von Autor/in Nathalie Waldenspuhl

Am Landgericht Hechingen (Zollernalbkreis) standen am Dienstag im Entführungsprozess erneut sieben junge Männer vor Gericht. Angeklagt sind sie wegen erpresserischen Menschenraubs. Sie sollen einen 16-Jährigen aus Rosenfeld (Zollernalbkreis) über mehrere Tage geschlagen und bedroht haben. Nun kam es zu einem sogenannten "Deal".

Gericht sagt Verständigung zu

Vier der sieben Angeklagten haben sich auf eine Verständigung mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft eingelassen. Voraussetzung des sogenannten "Deals": Die jungen Männer haben gestanden, an der Entführung und Misshandlung des 16-Jährigen beteiligt gewesen zu sein. Die Geständnisse fielen unterschiedlich aus.

Zwei Angeklagte haben angekündigt, im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs zwischen 2.000 und 5.000 Euro an den Jugendlichen und einen weiteren Geschädigten bezahlen zu wollen. Persönlich ausgesagt haben sie nicht, sie ließen alles durch ihre Anwälte verlesen.

Geringere Haftstrafen für einige Angeklagte erwartet

Im Gegenzug hat das Gericht die Dauer der voraussichtlichen Haftstrafen für die Angeklagten heruntergesetzt. Die Angeklagten, die sich auf den "Deal" eingelassen haben, könnten je nach Beteiligung zwischen anderthalb und fünfeinhalb Jahren ins Gefängnis kommen. Einer der Hauptbeteiligten muss mit einer Haftstrafe zwischen fünfeinhalb und sieben Jahren rechnen.

Drei Angeklagte haben sich nicht an der Verständigung beteiligt und können nicht mit niedrigeren Strafen rechnen. Einer von ihnen legte trotzdem ein Geständnis ab.

Entführung wegen Schulden durch Drogenhandel

Den Angeklagten wird vorgeworfen, einen 16-Jährigen Anfang 2025 zwei Mal entführt zu haben. Der Jugendliche habe ihnen mehrere Tausend Euro zahlen sollen - Schulden, die laut Anklage durch Drogenhandel entstanden seien. Sie sollen den 16-Jährigen über mehrere Stunden in einer Wohnung in Mössingen (Kreis Tübingen) festgehalten und geschlagen haben.

Im April sollen sie ihn dann erneut entführt und über mehrere Tage an verschiedenen Orten in Mössingen, Bodelshausen (Kreis Tübingen) und Bisingen (Zollernalbkreis) eingesperrt haben. Dabei soll er geschlagen, getreten sowie mit einem Messer und einer Gaspistole bedroht worden sein. Auch ein Bekannter des Opfers war zwischenzeitlich entführt und geschlagen worden. Das Verfahren wird nächsten Dienstag fortgesetzt. Als erster Zeuge soll der damals 16-jährige Entführte aussagen.

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Autor/in
Nathalie Waldenspuhl
Nathalie Waldenspuhl ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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