Wurde ein 16-Jähriger eingesperrt, bedroht und geschlagen?

Prozess um mehrtägige Entführung am Landgericht Hechingen

Sie sollen einen Jugendlichen zwei Mal entführt, eingesperrt und misshandelt haben. Am Landgericht Hechingen hat am Donnerstag der Prozess gegen sieben junge Männer begonnen.

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Von Autor/in Nathalie Waldenspuhl

Am Landgericht Hechingen (Zollernalbkreis) hat am Donnerstag ein Prozess wegen "gemeinschaftlichen erpresserischen Menschenraubs" gegen sieben junge Männer begonnen. Sie sollen einen Jugendlichen zwei Mal entführt, eingesperrt und geschlagen haben, um viel Geld von ihm einzufordern. Auch ein Bekannter des Opfers wurde entführt. Am ersten Prozesstag wurde die 17 Seiten lange Anklage verlesen.

Entführung in Kellerwohnung in Mössingen

Das erste Mal soll die Gruppe den damals 16-Jährigen Anfang 2025 entführt haben. Sie sollen den Jugendlichen in eine Kellerwohnung nach Mössingen (Kreis Tübingen) gebracht und dort einen Abend lang festgehalten haben. Ihm sei mehrfach ins Gesicht und auf den Oberkörper geschlagen worden, heißt es in der Anklageschrift.

Laut Staatswaltschaft sollte der Jugendliche über 3.000 Euro an seine Entführer bezahlen - Schulden, die durch einen vorherigen Drogenhandel entstanden sein sollen. Weil er das Geld nicht sofort auftreiben konnte, haben die Entführer den 16-Jährigen wieder nach Hause gebracht. Anschließend habe sein Vater die Summe an die Entführer bezahlt.

Zweite Entführung dauerte vier Tage

Im April wurde der 16-Jährige laut Staatsanwaltschaft erneut entführt, diese dauerte vier Tage lang. Einer der Angeklagten habe sich am Reutlinger Hauptbahnhof mit dem 16-Jährigen getroffen und erneut 4.000 Euro von ihm gefordert - offenbar weitere Schulden durch Drogenhandel. Dabei habe er gedroht, dass der Jugendliche erst wieder frei komme, wenn das Geld bezahlt sei und dass er "abgestochen" werde, wenn er irgendwelche "Faxen" mache, so die Anklage.

In den darauffolgenden Tagen sollen die Entführer den 16-Jährigen an verschiedene Orte verschleppt haben. So seien sie erst in einem Hotel in Mössingen gewesen, später wieder in der Mössinger Kellerwohnung, anschließend auch in Bodelshausen (Kreis Tübingen) und Bisingen (Zollernalbkreis). Weil der 16-Jährige das geforderte Geld nicht auftreiben konnte, sei er immer wieder mit Fäusten und Gegenständen geschlagen sowie mit einem Messer und einer Gaspistole bedroht worden.

Das Hauptgebäude des Landgerichts Hechingen. Hier beginnt am Donnerstag ein Prozess wegen erpresserischen Menschenraubs.
Vor dem Landgericht Hechingen müssen sich sieben Personen verantworten. Sie sollen einen Mann zwei Mal entführt und in eine Kellerwohnung in Mössingen eingesperrt haben.

Auch Bekannter des Opfers wurde gefangen genommen

Am dritten Abend sollen die Angeklagten beschlossen haben, eine weitere Person zu entführen. Die Wahl fiel auf einen Bekannten des Opfers. Laut Staatswanwaltschaft haben sie den 17-Jährigen in Haigerloch-Stetten (Zollernalbkreis) an eine Bushaltestelle gelockt und zum Einsteigen in ein Auto gedrängt. Dort sollen sie ihn aufgefordert haben, auf der Stelle 5.000 Euro zu bezahlen.

Weil das nicht funktioniert hat, sollen die Entführer auch den 17-Jährigen geschlagen und mit einer Gaspistole und einem Messer bedroht haben. In einem Waldstück bei Bisingen konnte der Jugendliche aber fliehen, heißt es in der Anklage. Daraufhin habe er die Polizei gerufen.

Entführung endete mit Polizeieinsatz

Nach vier Tagen hatte die Entführung schließlich ein Ende. Zwei der Angeklagten fuhren mit dem 16-Jährigen zu dessen Elternhaus, wo sie den Vater des Opfers treffen wollten. Die Polizei nahm dort die Entführer fest, der 16-Jährige konnte befreit werden.

Die sieben Angeklagten sitzen derzeit in verschiedenen Gefängnissen in Baden-Württemberg in Untersuchungshaft. Sie waren zum Tatzeitpunkt zwischen 16 und 19 Jahre alt. Alle kommen aus den Kreisen Tübingen und Zollernalb. An der Entführung seien außerdem noch fünf weitere Personen beteiligt gewesen. Deren Anklage wird aber in einem anderen Verfahren behandelt. Für den Prozess sind 13 Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil ist nach jetzigem Stand im Februar zu rechnen.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass einer der Angeklagten in diesem Prozess 43 Jahre alt sei. Das ist nicht korrekt.

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Autor/in
Nathalie Waldenspuhl
Nathalie Waldenspuhl ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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