Gespräch im SWR Studio Tübingen

Der Kirchenmanager Klaus Krämer: Was bringt ein Jahr als Bischof mit sich?

Am Ersten Advent 2024 wurde Klaus Krämer zum neuen Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart geweiht. Ein volles Jahr liegt hinter ihm und eine große Umstrukturierung vor ihm.

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Stand

Von Autor/in Magdalena Knöller

Über ein Jahr ist es her, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit ihren rund 1,6 Millionen Katholikinnen und Katholiken einen neuen Bischof bekommen hat: den 61-jährigen Klaus Krämer. Er kennt die katholische Kirche in Württemberg sehr gut. Geboren in Stuttgart, studierte er später unter anderem in Tübingen und wurde 1993 in Neresheim (Ostalbkreis) zum Priester geweiht. Er war dann auch Sekretär von Bischof Walter Kasper. Nach Leitungsaufgaben auswärts - unter anderem für das internationale katholische Hilfswerk missio und die Sternsinger - kam Klaus Krämer vor 25 Jahren wieder zurück nach Rottenburg, damals als Leiter der Hauptabteilung Bauen im Bischöfliche Ordinariat.

Er kennt seine Diözese

Ihm musste man also vor der Bischofsweihe nicht erklären, wie die Menschen in der Diözese ticken und wo die Herausforderungen der Kirche in den nächsten Jahren und Jahrzehnten liegen. Über sein erstes Jahr als Bischof sagt Klaus Krämer, es sei "sehr reich und voll" gewesen, mit vielen Gesprächen und Begegnungen über das ganze Gebiet verteilt. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart reicht vom Bodensee über Teile des Schwarzwalds und die Schwäbische Alb bis nach Bad Mergentheim. Er erlebe viel Zuspruch und Unterstützung für die "schwierigen Prozesse", die in der Diözese mit Blick auf die Zukunft anstehen. Damit wollte er nicht lange warten, sondern gleich im ersten Jahr loslegen.

Größte Herausforderung: Diözese neu strukturieren

Rückbau ist angesagt - oder, wie Bischof Krämer es sagt, Umstrukturierung. So sollen aus rund 1.020 juristisch selbstständigen Kirchengemeinden 50 bis 80 sogenannte "Raumschaften" mit einem leitenden Pfarrer und einem gewählten Kirchengemeinderat werden, wie der Diözesanrat vor gut einer Woche entschieden hat. Krämer denkt da besonders an die künftigen Generationen, denen er eine Kirche übergeben wolle, die "nicht nur Altlasten" zu bewältigen hat: Gebäude, die man nicht mehr unterhalten könne und eine Verwaltung, die einem über den Kopf wachse, so dass für die eigentlichen Aufgaben als Kirche und Gemeinde nichts mehr übrig bleibe.

Dadurch können wir Verwaltungsstrukturen verschlanken. Ich hoffe, dass normale Gemeindemitglieder davon gar nicht viel spüren.

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Neue Antworten und Orte als Kirche finden

Klaus Krämer hofft darauf, dass es künftig Raum und Kreativität für neue Aufgaben geben wird. Obwohl die Diözese weniger Mitglieder hat und deshalb auch weniger Geld und Personal. "In einer sich verändernden Welt und Gesellschaft müssen wir als Kirche neue Antworten geben und neue Aktivitäten fördern", so der Bischof. Das biete durchaus Chancen. Er denkt da neben dem Gemeindeleben auch beispielsweise an Orte wie Krankenhäuser oder das Militär, wo Seelsorgerinnen und Seelsorger Halt geben können.

Potential kann er bei den Jugendverbänden erkennen, die neue Kommunikationsformate, etwa im Internet, ausprobieren. Krämer möchte, dass mit Neugierde viel ausprobiert wird, um herauszufinden, was funktioniert und was nicht: "Neue Anfänge wachsen immer im Kleinen und oft auch unerwartet. Da setze ich sehr drauf, und die möchte ich fördern und nicht platt machen." Eine Erneuerung der Kirche sei - auch historisch gesehen - nie "von oben" gekommen.

Der katholische Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart Klaus Krämer war zu Gast im SWR Studio Tübingen. Moderatorin des Abends war Magdalena Knöller.
Klaus Krämer war anlässlich seines ersten Jahres als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart bei einer öffentlichen Veranstaltung zu Gast im SWR Studio Tübingen. Das Gespräch hat SWR-Redakteurin Magdalena Knöller moderiert.

Kirchen schließen: Wo ist der Bischof?

Bischof Klaus Krämer zeigt sich in Gesprächen wie dem öffentlichen Talkformat diese Woche im SWR Studio Tübingen offen für kritische Nachfragen und Anmerkungen. So war zum Beispiel Thema, warum er vor kurzem nicht den Gottesdienst in der Kirchengemeinde Stuttgart-Botnang mitfeierte, in dem sich viele Menschen von der Kirche "Christus Erlöser" verabschieden mussten. Warum als Bischof, der umstrukturieren muss, den Schmerz dort nicht miterleben - spirituell und als Seelsorger, als "Oberhirte", wie er von Christinnen und Christen auch bezeichnet wird? Die Kirche in Botnang wurde unter anderem wegen weniger Kirchenmitgliedern und hohen Kosten profaniert, so dass dort künftig keine religiösen Feiern und Aktivitäten mehr stattfinden.

Er habe noch nie einen Profanierungsgottesdienst erlebt, sagte er, auch wenn er schon über Entwidmungen von Kirchen mitentschieden habe. Er werde sicher die eine oder andere Profanierung selber machen, "mit großem Bedacht". Das sei eine "sehr sensible Sache", bei der er als Bischof vorsichtig herangehe. Auch wenn bislang nur entschieden ist, dass die Diözese auf ein Drittel der nicht-sakralen Gebäude verzichte, müsse auch auf den Bestand an Kirchengebäuden geschaut werden.

Februar 2027: Abschlussbericht zu sexuellem Missbrauch erwartet

Mit großer Spannung - teils auch Anspannung - wird der Abschlussbericht der Aufarbeitungskommission zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erwartet. Den unabhängigen Bericht werden er und sein Leitungsteam gründlich analysieren. Da müsse er dann vor einer kritischen Öffentlichkeit bestehen und auch mögliche Konsequenzen aufzeigen. Er habe Respekt davor, werde sich dieser Aufgabe und der Realität aber stellen.

Bischof Krämer: Normalität statt Abkapseln

Schlagzeilen machen als Bischof? "Da habe ich gar keinen Ehrgeiz", sagt Klaus Krämer. Ihm sei es nicht wichtig, die Zeitung aufzuschlagen und zu schauen, ob er darin vorkomme. Er wolle seine Arbeit gut machen und "nah bei den Menschen" sein. Wenn er mal im Urlaub ist, sei er froh darum, wenn er seine offizielle Kleidung ablegen und in Freizeitklamotten unterwegs sein kann, zum Beispiel im Allgäu, draußen in der Natur mit Freunden.

Dann versuche er, sich möglichst unauffällig zu verhalten - "normal" eben. Mit der Taktik fahre er ganz gut bislang, auch in seinem Alltag. "Eine gewisse Normalität gehört zum seelischen Gleichgewicht", so Krämer. Das erlebe er auch beim Joggen oder Einkaufen. Er wolle sich auf keinen Fall abkapseln.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Magdalena Knöller
Magdalena Knöller ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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