Am Landgericht Hechingen hat am Dienstag der Prozess gegen einen Fahrlehrer aus dem Raum Sigmaringen begonnen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Vergewaltigung und sexuelle Belästigung. Der Angeklagte kam mit einer Kapuze über dem Kopf in den Gerichtssaal. Später erzählte er unter Tränen, er habe eine Affäre mit seiner zum Tatzeitpunkt 17-jährigen Fahrschülerin gehabt. Dass er mehrfach Sex mit der jungen Frau gehabt hat, bestritt der 41-jährige nicht. Allerdings sei der Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen.
Fahrlehrer steht vor Gericht: Sechsfache Vergewaltigung oder Affäre?
"Wir haben uns gut verstanden", sagte der Angeklagte. Man habe auch über private Themen gesprochen. Über Ärger in der Schule und den Ex-Freund beispielsweise. Der Angeklagte selbst habe vom Stress während der Hochzeitsvorbereitungen mit seiner Lebensgefährtin erzählt. Mittlerweile ist er mit ihr verheiratet und hat sich während des Prozesses entschuldigt. "Es war moralisch falsch, eine Affäre einzugehen", so der 41-Jährige.
Die Staatsanwaltschaft geht dagegen von einer sechsfachen Vergewaltigung der 17-jährigen Schülerin aus. Laut Staatsanwalt drohte der Fahrlehrer ihr damit, dass sie keinen Führerschein bekomme und dass er ihr Leben ruinieren werde, sollte sie sich an die Polizei wenden.
Weitere Fahrschülerinnen berichten von Belästigungen durch Fahrlehrer
Die junge Frau beschrieb ihre Sicht der Dinge vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch weitere ehemalige Schülerinnen des Angeklagten sagten aus. Der Fahrlehrer soll laut Anklage mehrere Schülerinnen belästigt haben oder ihnen gegenüber übergriffig geworden sein.
Eine Frau gab an, sie habe sich während der Fahrstunden mit dem 41-Jährigen unwohl gefühlt. Der Fahrlehrer habe ihr unter anderem an den Po gefasst und seine Hand auf ihr Bein gelegt - angeblich, um ihr beim Umgang mit Kupplung und Gas zu helfen. Sie beschrieb den Angeklagten als "charmant und offen". Er habe gerne geflirtet. Zu weiteren Fahrstunden brachte die Schülerin ihre Mutter oder ihre Schwester mit, um sich sicherer zu fühlen.
Berührungen durch Fahrlehrer: Er habe Vibration der Kupplung zeigen wollen
Auch dass er seine Fahrschüler - "egal ob männlich oder weiblich" - gelegentlich berührte, räumte der Angeklagte ein. Das sei jedoch nicht in sexueller Absicht geschehen. Er habe den Schülerinnen die Vibration der Kupplung zeigen wollen. Über eine Berührung an der Kniescheibe habe er beispielsweise zeigen wollen, "wo die Füße hin müssen". Er habe immer auch ein guter Pädagoge sein wollen, so der Fahrlehrer. "Bei mir war alles etwas lockerer". Auch eine Einladung auf einen Kaffee während der Fahrpause oder eine gemeinsame Zigarette mit Schülern habe dazugehört. Der Prozess am Landgericht Hechingen geht nächsten Dienstag weiter. Ein Urteil könnte dann im August kommen.