Jeder närrisch geprägte Ort hat in der heißen Phase der Fasnet seine eigenen Brauchformen: Einige – wie Wecken, Schülerbefreiung, Rathaussturm, Narrenbaumsetzen und Hemdglonkerumzug – sind auch überregional weit verbreitet.
Empfang im Regierungspräsidium mit Narrenkappe
Im Regierungspräsidium Tübingen sind bereits am Dienstag, also schon vor der heißen Phase, Abordnungen der Narrenzünfte empfangen worden. Dabei hat Regierungspräsident Klaus Tappeser die "Narrenkappe 2025" an den ehemaligen Präsidenten der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, Roland Wehrle, verliehen.
Am Schmotziger: Wecken mit Kanonen und Fanfaren
"Bitte Lärminstrumente mitbringen" heißt es bei der Narrenzunft Grünwinkel Geisingen (Kreis Tuttlingen). Hier beginnt der Schmotzige Donnerstag um 6 Uhr mit dem Antrommeln und Wecken durch Narrenkapelle, Kanoniere und alle "früh aufstehenden Narren".
Zur gleichen Uhrzeit wirft in Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) der Fanfarenzug die Bevölkerung aus den Betten. Auch im Ortsteil Frohnstetten wecken die "Hilbenschlecker" um 6 Uhr. Der SWR Tübingen wird live berichten.
Im Ortskern gibt es eine Hilb – ein Wasserspeicher für Mensch und Vieh. Da alles, was Wasser nötig hatte, aus dieser Hilb versorgt wurde, bekamen wir den Übernahmen Hilbenschlecker.
Das Streuen des Narrensamens gehört in Wilflingen (Kreis Rottweil) um 8 Uhr zum Beginn des Narrentreibens. Am Gemmeligen wird um 10.30 Uhr bei der Butzenzunft in Kiebingen (Kreis Tübingen) die "Fasnets-Hear" (Henne) an die Ortsobrigkeit übergeben.
Ab 12 Uhr sind in Empfingen (Kreis Freudenstadt) die Ruaßhexa unterwegs, um am Ruaßiga Dauschtig Passanten das Gesicht mit Ruß zu schwärzen. Diesen Brauch kennen wir auch in Schörzingen (Zollernalbkreis), wo beim "Freien Hexen" die Tradition des "Rußelns" ebenfalls lebendig gehalten wird.
Höhepunkte der Fasnet in den Hochburgen
Am Abend steigt in Hechingen (Zollernalbkreis) in den Lokalen und auf den Straßen das "Altweibertreiben".
Höhepunkte der Rottenburger Fasnet (Kreis Tübingen) sind "Hexentanz", "Ahlandtanz" und "Pompeles Kellerspuk" um 19 Uhr auf dem Marktplatz.
Fasnet im Flegga ond Bolanes
Am Ruaßiga, Bromiga oder Schmalziga Freitag und am Fasnetssamstag sind vielerorts Zunftabende, Kneipen- und Saalfasnachten vorgesehen. In Wurmlingen (Kreis Tübingen) laden die "Wurmlinger Knöpfle" am Fasnetssamschdig zur "Fleggafasnet" mit einem Umzug ein, der um 14 Uhr beginnt.
Uhland, Ahland, Lombadock, butz dei Noas en Onderrock!
Am Fasnetssonntag steigt um 11 Uhr 11 Uhr in Schömberg (Zollernalbkreis) das Ausrufen der Fasnet durch die Zwanziger. Um 14 Uhr gibt es den Großen Umzug mit dem "Bolanes" (Polonaise), bei dem sich Fransennarr und Fuchswadel in buntem Reigen farbenprächtig zeigen.
In Rottenburg gehen dem Umzug "Ahlandhoppa" und "Ahlandtanz" voraus. In Obernheim (Zollernalbkreis) schließt sich der "Hexenprozess" an den närrischen Umzug an.
Der Fasnetsmontag oder Fasnetsmedig ist ebenfalls von vielen Umzügen und Narrensprüngen geprägt, unter anderem in Tübingen-Hirschau und Rottenburg-Seebronn. In Wehingen (Kreis Tuttlingen) wird der Ort durch den Fanfarenzug geweckt.
Narrensprünge und Lumpentreiben
In Schömberg beginnt um 8.11 Uhr, elf Minuten nach Rottweil, der "Historische Narrensprung", gefolgt von einem weiteren "Bolanes" um 10.31 Uhr. Am Lumpenmontag zählt neben dem "Lumpentreiben" das "Monsterkonzert" um 18 Uhr zu den Höhepunkten in Hechingen.
Letzte Narrensprünge und Ahlandtaufe
Nur am Fasnetsdienstag sind in Oberndorf am Neckar (Kreis Rottweil) um 8.30 und 14.30 Uhr die beiden "Historischen Narrensprünge" mit Hansel, Narro und Schantle zu sehen.
Wer das "Historische Bräuteln" in Sigmaringen erleben möchte, hat dazu am Fasnetsdienstag um 10 Uhr die ebenfalls einmalige Gelegenheit. In Schömberg gibt’s um 10.02 Uhr das "Narrenlied" und um 11 Uhr einen letzten "Bolanes". In Wilflingen (Kreis Rottweil) wird um 14 Uhr der Strohbär durch den Ort getrieben. Der Fasnetzeischdig steht in Hirrlingen (Kreis Tübingen) ganz im Zeichen der "Fleckafasnet" mit Kinderumzug und Narrensamenfütterung.
Umzüge und Narrensprünge gibt es auch in Ergenzingen, Hechingen und auch noch zwei Mal in Rottweil, um 8 und um 14 Uhr. Nach dem Umzug in Bühl (Kreis Tübingen), der um 14.01 Uhr startet, springen vier Bühler Drotzer, jeder mit einem Symbol für die vier Jahreszeiten, beim "Narrensprung" von der kleinen Bogenbrücke in den Bühler Talbach hinunter.
In Kiebingen wird am Nachmittag der "Umzug der Eierleser" mit Fasnetspredigt abgehalten und Rottenburg steht ganz im Zeichen der Taufe der Jung-Ahlande.
Vor Aschermittwoch wird eingeschläfert und verbrannt
Ansonsten gibt es an diesem Tag, vor allem in den Abendstunden, viele Endbräuche, die oft mit Narrenbaumfällen, Schlüsselrückgabe und dem Verbrennen der Fasnet den Schlusspunkt setzen. In Hechingen wird das "Pestmännleverbrennen" auf dem Schloßplatz in ein Narrenspiel eingebunden. In Empfingen gibt’s einen letzten Umzug "da Flegga nei", dann werden die Saiwaldhexen aber nicht verbrannt, sondern bis zur nächsten Fasnet eingeschläfert.
Am Aschermittwoch wird in Wilflingen der "Fideli" begraben und in Schömberg ziehen die Zwanzger noch ein letztes Mal in Frack und Zylinder durch die Stadt, um Heringe und Brot zu verteilen. Erst am Facklasonndig, dem Funkensonntag, brennt dort das "Facklafiar" und die Fasnet geht in Flammen auf. Doch bis Aschermittwoch gilt, mehr denn je, der Text des Rottenburger Narrenmarschs:
Fasnet hemmer, Narre semmer – ond des emmer – Narri – Narro