Nicht nur was für Campingsfans

Tiny Houses auf Rädern: Flexible Wohnträume aus Engstingen

Die Brüder Nico und Nino König von "TheCuber" haben schon als Kinder am Bauwagen ihres Opas getüftelt. Jetzt verkaufen sie fahrbare Wohnanhänger in die ganze Welt.

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Von Autor/in Gerd Hagge

Der Sommer lockt Camperinnen und Camper in die Natur und mit ihnen eine bunte Vielfalt an mobilen Unterkünften. Zwischen klobigen Wohnmobilen und spartanischen Campingwagen gibt es seit einigen Jahren individuell gestaltete Tiny Houses auf Rädern von der Schwäbischen Alb.

Tüftler Nico König steht vor fertig produzierten Tiny Houses auf Rädern auf dem Produktionsgelände seiner Firma "TheCuber" in Engstingen (Kreis Reutlingen).
Die Wohnanhänger sind Unikate und haben alle ein individuelles Design. Nico König und sein Bruder haben ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Von Opas Bauwagen zum Luxus-Anhänger

Die Macher sind die Brüder Nico und Nino König aus Engstingen (Kreis Reutlingen). Ihr Unternehmen nennen sie "TheCuber". Der Begriff ist abgeleitet vom englischen Wort Cube (Würfel) und steht für die kompakte Form der Wohnanhänger. Alles begann mit Großvaters Bauwagen, den sie als Kinder ausbauten. Bereits als Teenager stellten sie ihren ersten eigenen Wohnanhänger her - mit Tischkicker, Fernseher und Bartheke.

Inspiriert vom klassischen Schäferwagen suchten die Brüder eine praktische und günstige Lösung für ihre Reisen. Neben Tüfteln lieben sie Musikfestivals und Motorradreisen. Ihr Traum: Ein Wagen, der all ihre Bedürfnisse erfüllt.

Auf einem Sandplatz steht links der erste selbstgebaute Wohnanhänger von Nino und Nico König aus Engstingen (Kreis Reutlingen), rechts der von den beiden ausgebaute Bauwagen ihres Opas.
Als Kinder bauten Nico und Nino König den Bauwagen ihres Opas aus (rechts). Als Jugendliche bauten sie ihren ersten Wohnanhänger (links).

Die Idee fand auch im Freundeskreis großen Zuspruch, was die Brüder motivierte, sie öffentlich zu machen. Mit Unterstützung ihrer Eltern gründeten sie 2019 direkt nach der Ausbildung ihr erstes Unternehmen. Heute blicken sie stolz auf rund sechs Jahre zurück: Über 800 Fahrzeuge verkauft, rund 20 Mitarbeitende im Team.

Ein Wohnanhänger wird in der Produktionshalle der Firma "TheCuber" in Engstingen (Kreis Reutlingen) von einem Handwerker aus Einzelteilen zusammengebaut.
Die Wohnanhänger von "TheCuber" werden in Handarbeit gefertigt. Die Kunden bestimmen den Aufbau.

Ihr Erfolgsgeheimnis: Die Brüder, so sagen sie, orientieren sich an den Bedürfnissen der Kundschaft. Sie verbinden modernes Design mit Funktionalität. Die Wohnanhänger sind maßgeschneidert. Laut Nico König reicht die Ausstattung von Zentralheizung, Küchenzeile, Duschkabine über elektrisch absenkbarem Bett mit Lattenrost bis hin zu einem integrierten Ofen.

Rahmen, Wände und Interieur: Alles aus einer Hand

Dabei stellen sie nahezu alles selbst her. Die Corona Pandemie brachte sie dazu, so autark wie möglich zu produzieren. In der firmeneigenen Fertigungsstraße entsteht Schritt für Schritt aus Metallteilen, Schrauben und Silikon ein komplett neuer Anhänger. Und in der hauseigenen Druckerei werden individuelle Motive für die Außenverkleidung gedruckt.

Ein Innenraum eines Wohnanhängers mit Ofen, Bett und Küchenzeile. "TheCuber" aus Engstingen (Kreis Reutlingen) produzieren fahrbare Tiny Houses.
Gemütlich: Ein Wohnanhänger von "TheCuber" mit eingebautem Ofen.

Auch Unternehmen kaufen Tiny Houses

Zur Kundschaft zählen neben klassischen Campingfans zunehmend auch Unternehmen. Die Tiny Houses werden dabei zu Pausenräumen auf Baustellen, Foodtrucks oder Präsentationswagen auf Messen umfunktioniert.

So auch bei Fahrradhändler Michael Schön aus Pfullingen. Er nutzt seinen Anhänger als Transportmittel, mobiles Büro und zur Präsentation seiner Räder auf Messen. Für kurze Pausen fährt er das absenkbare Bett herunter. In seiner Freizeit steht das Fahrzeug dann auf seiner Streuobstwiese, wo er mit seiner Frau gern mal vor seinem Wagen sitzt und bei Sonnenuntergang einen Drink genießt.

Fahrradhändler Michael Schön steht vor seinem Wohnanhänger auf einer Streuobstwiese.
Fahrradhändler Michael Schön aus Pfullingen mit seinem Wohnanhänger von "TheCuber". Auf Messen präsentiert er damit seine Räder.

Sind die Tiny Houses zum dauerhaften Wohnen geeignet?

Alle Wohnanhänger aus der Produktion in Engstingen sind TÜV-geprüft und für 100 km/h zugelassen. Matthias Stiller vom Kreisbauamt Reutlingen weist jedoch darauf hin, dass bei dauerhafter Nutzung als Wohnersatz – wie bei Tiny Houses – trotz Rädern eine offizielle Baugenehmigung erforderlich ist.

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Die Brüder Nico und Nino König planen, ihren Vertrieb international auszubauen und präsentieren ihre Modelle bereits auf Messen weltweit.

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