Wenn in Ergenzingen (Kreis Tübingen) zur Fasnet das Morgenwecken beginnt, schläft niemand lange. Ab acht Uhr zieht die Narrenzunft Klein Paris mit Blaskapelle durch den Ort und sorgt dafür, dass niemand den Kirchgang verschläft. Mit dabei ist auch Thea Breuling. Im Häs der Lausbühlhexen mischt sich die fast 91-Jährige unter die Narren - und das ganz selbstverständlich. Nach dem Wecken geht es in die Narrenmesse, danach ins Narrenheim zur Linsensuppe. "Ich geh bis zu meinem letzten Tag zur Fasnet. Auch wenn ich nicht mehr kann, wenn ich auf allen Vieren gehen muss, aber ich geh", sagt Breuling lachend.
Mitgründerin der Lausbühlhexen
Thea Breuling gehört zu den Mitgründerinnen der Lausbühlhexen, die 1969 aus einer Gymnastikgruppe des Turnvereins hervorgingen und beim Ergenzinger Umzug erstmals auftraten. In den Anfangsjahren wurde alles selbst gemacht: Die Masken bestanden aus Pappmaché, die Kostüme wurden genäht, die Socken gestrickt. Später kamen geschnitzte Holzmasken hinzu. Bis heute tragen die Hexen ihr charakteristisches Häs mit schwarzem Rock, grüner Schürze, grüner gehäkelter Stola, weißem Spitzenbeinkleid, rot-weiß geringelten Socken, Strohschuhen und einer Haube aus Rupfensack mit Reisig und Tannenzapfen.
Fasnet trägt die Ergenzingerin bis heute
Seit rund 70 Jahren gehört Breuling zur Fasnet und ist Mitglied der Narrenzunft Klein Paris Ergenzingen 1958 e.V. Auch nach dem Tod ihres Mannes Georg, der über Jahrzehnte im Narrenrat aktiv war, blieb sie der Zunft treu. Für sie ist die Fasnet nicht nur ein Brauch, sondern gelebte Gemeinschaft und ein Stück Heimat.