Mädchen wissen oft weniger über Geld- und Finanzthemen als gleichaltrige Jungen. Das zeigt eine Studie der Universität Tübingen. Dazu wurden rund 2.000 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse an 92 Gymnasien, Real- und Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg befragt.
Jungs haben mehr Interesse an Wirtschaft und Finanzen als Mädchen
Das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen beginnt schon in der Schule - so ein Ergebnis der Studie. Jungs interessieren sich demnach mehr für Wirtschafts- und Finanzthemen. Der Aussage "Ich interessiere mich für Wirtschaft" stimmten mehr Jungs als Mädchen zu. Sie schnitten auch in Tests zu Finanzfragen im Durchschnitt besser ab als ihre Mitschülerinnen.
Das hat weitreichende Konsequenzen: Frauen entscheiden sich oft für schlechter bezahlte Berufe, investieren seltener in ihre private Altersvorsorge und haben im Alter weniger Geld. Das hat die Leiterin der Studie, Professorin Taiga Brahm vom Lehrstuhl für Ökonomische Bildung und Wirtschaftsdidaktik, mit ihrem Tübinger Team rund um Lucy Haag und Martin Biewen festgestellt.
Männer richten ihre Berufswahl stärker nach finanziellen Kriterien als Frauen aus und investieren im Laufe ihres Lebens eher in Aktien und Alterssicherung. Dadurch werden die (...) Unterschiede in Einkommen und Vermögen (...) verstärkt.
Ursache laut Studie der Uni Tübingen: Klischees in Schulbüchern
Wirtschafts- und Finanzthemen scheinen Sozialisationseffekten zu unterliegen, so die Studie. Medien, Bilder und Beispiele mit wirtschaftlichen und finanziellen Themen würden immer noch von männlichen Personen dominiert. Das Potenzial der Mädchen werde häufig nicht ausgeschöpft. Stereotype Vorstellungen wie "Männer sind in Wirtschaft besser als Frauen" würden bei der Entstehung der Unterschiede als Ursache aber keine Rolle spielen.
Stattdessen sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Ursache im Schulmaterial. So zeige eine aktuelle Schulbuchanalyse, dass dort Geschlechterklischees verwendet würden. Im Wirtschaftsunterricht ginge es beispielsweise häufig um "Unternehmer" und selten um "Unternehmerinnen". Das Forscherteam empfiehlt, dass das pädagogische Material angepasst wird, damit darin stereotype Darstellungen vermieden werden.
Interesse in der Schule wecken und damit Selbstbewusstsein fördern
Insgesamt appelliert das Autorenteam an Lehrerinnen und Lehrer, über "geeignete Aufgaben" wie Rollenspiele oder Projektarbeiten das Interesse von Mädchen im Wirtschaftsunterricht zu wecken. So ließe sich die Lücke zwischen Mädchen und Jungs am ehesten verringern, sagt Co-Autor Luis Oberrauch von der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Wirtschaftliche Aufgaben erfolgreich zu lösen, stärke das Selbstbewusstsein in finanziellen Fragen.