Blitzeis hat am Mittwochmorgen zu einer großen Anzahl von Unfällen geführt. Betroffen war die gesamte Region Neckar-Alb, aber auch der Nordschwarzwald. Im Landkreis Reutlingen meldete die Polizei besonders viele Glatteis-Unfälle.
Ein Polizei-Sprecher sagte dem SWR, so schlimm hätte er das noch nicht erlebt, die Unfallmeldungen seien im Minutentakt reingekommen. Über 200 Verkehrsunfälle haben sich laut der Polizei in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Esslingen und Zollernalb innerhalb von knapp fünf Stunden ereignet.
Massenkarambolage auf der B27 bei Hechingen
Auf der B27 bei Hechingen (Zollernalbkreis) kam es um 8 Uhr zu einer Massenkarambolage mit 21 Fahrzeugen. Nach Polizeiangaben wurden zwei Menschen leicht verletzt. Der Rettungsdienst und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks rückten zur Versorgung der Beteiligten an die Unfallstelle aus. Die Bundesstraße war mehrere Stunden in Fahrtrichtung Balingen gesperrt.
Nicht nur Autofahrer rutschten auf den Straßen, auch Fußgänger und Radfahrer kamen vielerorts kaum vorwärts. Vor allem auf den Seitenstraßen sei es glatt gewesen, so die Polizei. Glücklicherweise habe es überwiegend Blechschäden und nur einige leicht Verletzte gegeben.
Warnung vor Blitzeis und gefrierendem Regen Liveticker zum Glatteis in BW: ++ Mehr als 1.000 Unfälle ++ B27 nach Massenkarambolage wieder frei ++ Wetter-Besserung in Sicht ++
In vielen Teilen Baden-Württembergs geht an diesem Mittwochvormittag gar nichts mehr: In vielen Regionen hat Blitzeis für Chaos auf den Straßen gesorgt, Menschen sollten zuhause bleiben.
Notaufnahmen waren überfüllt
In den Kliniken in Reutlingen und Tübingen waren Ärzte, Ärztinnen und Rettungsdienste im Dauereinsatz. "Es ist die Hölle los", sagte ein Arzt der Tübinger Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik. Rettungswagen lieferten dort im Minutentakt Patienten an, bestätigte auch die Sprecherin der Klinik. "Die kommen mit Blaulicht an und fahren mit Blaulicht wieder los."
Im Kreisklinikum Reutlingen wurden viele Menschen mit Knochenbrüchen oder Kopfverletzungen eingeliefert, weil sie auf Glatteis gestürzt waren. Ein Sprecher sagte dem SWR: "So voll habe ich die Notaufnahme in den letzten Monaten nicht gesehen." Zum Teil stauten sich die Krankenwagen in der Auffahrt zur Notaufnahme. Es seien alle Bereitschaftsdienste im Einsatz gewesen.
Auch Klinikpersonal, das eigentlich frei hätte. "Die haben sich freiwillig gemeldet", so der Sprecher. Die Reutlinger Klinik bat darum, wirklich nur bei Notfällen in die Notaufnahme zu kommen.
Winterdienste schon seit der Nacht im Einsatz
Die Streudienste sind auf den Hauptstraßen lange im Einsatz gewesen. In Reutlingen waren die Streufahrzeuge ab 3 Uhr in der Nacht unterwegs, die Hauptstraßen seien schon im Vorfeld gestreut worden. Insgesamt war der Winterdienst mit mit 30 Fahrzeugen und 170 Mitarbeitern im Einsatz.
Im Kreis Freudenstadt sagte eine Sprecherin dem SWR: "Die Straßenmeisterei war gestern Abend schon draußen. Und heute morgen seit drei Uhr." Insgesamt seien 17 Streufahrzeuge im Einsatz gewesen. Die Lage entspanne sich inzwischen wieder. Nach Angaben der Polizei gab es in den Landkreisen Freudenstadt und Calw insgesamt zehn Unfälle mit Blechschäden und leichten Verletzungen.
Schulunterricht fand weitgehend normal statt
Trotz Glatteis war der Schulunterricht in der Region weitgehend regulär gestartet. Laut Schulamt Tübingen hatten sich nur vereinzelt Schulen mit Problemen gemeldet, zum Beispiel in Tübingen, Gomaringen und Reutlingen. Dort kamen viele nicht rechtzeitig zum Unterricht, weil es zu glatt war.
Regen könnte weiteres Glatteis bringen
Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) kommt es erst im Tagesverlauf zu einer Entspannung der Lage. Grund für das Glatteis ist eine Warmfront, die Regen und Sprühregen mit sich bringt. Fällt dieser auf kalte Böden, kann er gefrieren und eine Glatteisschicht bilden. Auch in der Nacht auf Donnerstag könne es zu Glatteis kommen.
Fußgänger sowie Auto- und Fahrradfahrer sollten demnach weiter achtsam sein und wenn es irgendwie gehe, drinnen bleiben. Es könne zu Beeinträchtigungen auf den Straßen kommen.