Grünes Licht für den Ausbau der Zollernalbbahn

2040 mit der E-Lok von Tübingen nach Sigmaringen

Es war Formsache - doch jetzt haben alle beteiligten Gremien dem Ausbau der Zollernalbbahn zugestimmt. Spätestens 2040 sollen elektrische Züge von Tübingen nach Sigmaringen rollen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Ulrike Mix

Das Jahrhundertprojekt Regional-Stadtbahn Neckar-Alb kommt voran. Trotz der Finanzmisere der Kommunen stehen alle Projektpartner hinter dem Vorhaben, ein modernes Stadtbahnnetz für die Region Neckar-Alb zu schaffen.

Jetzt haben die Gremien grünes Licht für den Ausbau und die Elektrifizierung der Zollernalbbahn zwischen Tübingen und Sigmaringen gegeben.

Vertreter der Bahntochter InfraGO und der Politik halten vor dem Landratsamt Balingen eine Grafik mit einem künftigen Zug der Zollernalbbahn.
Wollen die Zollernalbbahn aufs Gleis setzen: Vertreter der Bahntochter InfraGO, des Verkehrsministeriums, des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb und die Landräte der Landkreise Tübingen, Zollernalb und Sigmaringen vor dem Landratsamt in Balingen. Ulrike Mix

Mit der E-Lok von Sigmaringen direkt nach Stuttgart

Geschätzte 1,7 Milliarden Euro soll der Ausbau der Zollernalbbahn kosten. Es geht darum, Oberleitungen zu bauen, damit Elektroloks auf der Strecke unterwegs sein können. Nur die dürfen künftig noch in den neuen Stuttgarter Tiefbahnhof einfahren.

Außerdem soll die Strecke zum Teil zweigleisig ausgebaut werden, damit sich begegnende Züge aneinander vorbeifahren können. Das ermöglicht einen engeren Fahrtakt. Auch neue Haltestellen sind geplant.

Die Strecke ist das Rückgrat der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb.

Dass die komplette Bahnstrecke bis Sigmaringen ausgebaut wird, freut vor allem Sigmaringens Landrätin Stefanie Bürkle (CDU). Denn lange Zeit war nur ein Ausbau bis Albstadt geplant.

Gigantische Kosten für die Zollernalbbahn

Die veranschlagten 1,7 Milliarden Planungs- und Baukosten teilen sich der Bund, das Land und die beteiligten Kommunen. Bei den Baukosten übernimmt der Bund den Löwenanteil. Das Land übernimmt einen kleinen Anteil und steuert außerdem die Hälfte der Planungskosten bei.

Welche Kosten letztlich an den Kommunen hängen bleiben werden, darüber gab es auch beim letzten Pressetermin zur Zollernalbbahn keine Auskunft. Sämtliche Kostenberechnungen für das Gesamtprojekt haben sich aber längst überholt - durch Inflation und steigende Baupreise.

Sie alle wollen die Zollernalbbahn voran bringen (von links): Philipp Langefeld (DB InfraGO AG), Gerd Hickmann (Verkehrsministerium Baden-Württemberg), Günther-Martin Pauli (Landrat Zollernalbkreis, CDU), Stefanie Bürkle (Landrätin Sigmaringen, CDU), Hendrik Bednarz (Landrat Tübingen, SPD), Eugen Höschele (Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb).
Sie alle wollen die Zollernalbbahn voran bringen (von links): Philipp Langefeld (DB InfraGO AG), Gerd Hickmann (Verkehrsministerium Baden-Württemberg), Günther-Martin Pauli (Landrat Zollernalbkreis, CDU), Stefanie Bürkle (Landrätin Sigmaringen, CDU), Hendrik Bednarz (Landrat Tübingen, SPD), Eugen Höschele (Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb).

Pauli: "Die Zahlen sind immer im Fluss"

Vor allem auf den Zollernalbkreis dürfte ein Megabatzen zukommen, denn die Strecke befindet sich überwiegend auf seinem Gebiet. Damit muss er auch die stärkste finanzielle Beteiligung bringen.

Die Kosten werden auf alle Fälle weiter steigen. Da wird's einem schwindelig, was da alles rauf geht.

Als Anhaltspunkt: Noch vor fünf Jahren schätzte der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb die Gesamtkosten des Projekts auf 2,1 Milliarden Euro - für die Ammertalbahn von Tübingen nach Herrenberg, die Ermstalbahn von Bad Urach nach Metzingen, die Zollernalbbahn von Tübingen bis Albstadt, die Obere Neckarbahn von Tübingen nach Horb, die Innenstadtbahnen in Tübingen und Reutlingen und die Echaztalbahn von Reutlingen auf die Alb nach Engstingen.

Inzwischen braucht allein die Zollernalbbahn fast soviel, wie damals das gesamte Projekt kosten sollte.

Eine Karte zeigt das Streckennetz der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Es reicht von Horb (Kreis Freudenstadt) im Westen bis Bad Urach (Kreis Reutlingen) im Osten und hinauf auf die Alb.
Das Streckennetz der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb reicht von Horb (Kreis Freudenstadt) im Westen bis Bad Urach (Kreis Reutlingen) im Osten und hinauf auf die Alb. Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb

Kommunen sehen die Regional-Stadtbahn als ein Muss

Der "point of no return" sei bei dem Projekt längst überschritten, formuliert es der Tübinger Landrat Hendrik Bednarz (SPD). Man habe schon zu viel investiert. Gleichzeitig ist den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Zollernalb klar: Das Infrastrukturprojekt ist für sie von zentraler Bedeutung. Wenn die Kommunen es nicht stemmen, sind sie abgehängt.

Denn die Bahn hat sich längst aus der Fläche zurückgezogen - und kümmert sich nur noch um Hauptverkehrsachsen. Das bestätigt auch Gerd Hickmann, der Bahnfachmann im Verkehrsministerium Baden-Württemberg.

Pfullingen

Gemeinderatsentscheidung gekippt Bürgerentscheid Pfullingen: Innenstadttrasse setzt sich durch

Die Pfullinger haben ihren Gemeinderat überstimmt: Bei einem Bürgerentscheid haben sie sich dafür ausgesprochen, dass die Regional-Stadtbahn künftig durch die Innenstadt fährt.

Tübingen

Finanznot der Kommunen bringt Projekt in Schwierigkeiten Regional-Stadtbahn Neckar-Alb wackelt

Das größte Infrastruktur-Projekt der Region Neckar-Alb, die Regional-Stadtbahn, steckt in Schwierigkeiten. Den Kommunen geht das Geld aus. Die Finanzierung ist nicht mehr sicher.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Ulrike Mix
SWR Aktuell, Logo

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!