Knollen in allen Formen und Größen

Kartoffelmarkt in Reutlingen: Welche ist die "schwäbischste" Kartoffel?

Seit über 70 Jahren findet im Herbst in Reutlingen der Kartoffelmarkt statt. Immer samstags verkaufen Landwirte aus der Region ihre Knollen. Es gibt zahlreiche Sorten.

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Stand

Von Autor/in Friederike Dauser

Verschiedene Kartoffelsorten direkt von hier: Die gibt es seit 1955 auf dem Kartoffelmarkt in Reutlingen. Im Herbst, jeden Samstag, verkaufen Landwirte von der Schwäbischen Alb bei der Reutlinger Kreuzeiche ihre besonderen Knollen. Auch Mathias Rudolf aus Hohenstein-Oberstetten (Kreis Reutlingen) ist dabei. Er hat bis zu acht verschiedene Kartoffelsorten auf seinem Anhänger.

Seit über 30 Jahren auf dem Reutlinger Kartoffelmarkt dabei

Bei der Reutlinger Kreuzeiche ist an diesem Samstag einiges los. Große Traktoren mit Anhängern stehen auf dem Parkplatz. Darauf: Unzählige Säcke mit Kartoffeln. Mathias Rudolf ist Landwirt im Nebenerwerb. 50 Zentner Kartoffeln hat er an diesem Tag dabei. Alle wachsen auf seinen Feldern rund um Hohenstein-Oberstetten auf der Schwäbischen Alb. " Was ganz arg wichtig ist, ist die Regionalität", sagt der 52-Jährige. Viele seiner Kollegen auf dem Kartoffelmarkt kommen von der Schwäbischen Alb oder aus der Umgebung von Reutlingen.

Er selbst war schon als kleiner Bub mit seinem Vater auf dem Markt dabei. Nun hilft ihm sein Sohn Jonathan. Und waren es früher über 20 Landwirte, die ihre leckeren Knollen auf dem Markt verkauft haben, sind es nun noch etwa eine handvoll, die in verschieden großen Säcken ihre Waren anbieten.

Mathias Rudolf steht mit Sohn Jonathan vor dem Anhänger voller eigener Kartoffeln. Sie verkaufen ihre Knollen auf dem Kartoffelmarkt in Reutlingen.
Mathias Rudolf aus Hohenstein-Oberstetten war schon als kleiner Bub vor über 30 Jahren mit seinem Vater auf dem Reutlinger Kartoffelmarkt. Heute hilft sein Sohn Jonathan beim Verkauf der tollen Knolle.

Granola und Belana sind typisch schwäbische Kartoffeln

Auf seinen Feldern baut Rudolf viele Sorten an, auch typisch schwäbische. Etwa die Sorten Granola und Belana. Beide werden schon seit über 30 Jahren auf der Schwäbischen Alb angebaut.

Durch das Klima werden sie aber von anderen Sorten verdrängt. Zum Beispiel von der Sorte Bellarosa: Kartoffeln mit roter Schale und gelbem Fleisch. Oder Jelly und Glorietta. Auch das Bamberger Hörnla, eine der ältesten Kartoffelsorten, gibt es auf dem Reutlinger Markt. Die kleine, krumme Knolle sieht ein bisschen aus wie eine schrumpelige Karotte. Ursprünglich kommt sie aus Franken.

In einem Kartoffelsack sind Bamberger Hörnla.
Eine der ältesten Kartoffelsorten ist das Bamberger Hörnla. Eigentlich kommt die Knolle aus Franken, aber sie wird auch auf dem Reutlinger Kartoffelmarkt verkauft.

Zickige Kartoffel? Darum bekommen Kartoffeln Frauen-Namen

Knapp 4.000 Kartoffelsorten gibt es weltweit. Und alle tragen sie weibliche Namen. Die Knolle ist eben anspruchsvoll und manchmal etwas zickig, meint einer der Kartoffelhändler auf dem Markt lachend.

Kartoffeln haben vielleicht ein Wesen wie wir Menschen. In dem Fall kann man das ableiten und sagen: Ja, Frauen-Namen für einen guten Geschmack und natürliche Schönheit.

Auf einer Fahne wird für die Kartoffel, "die tolle Knolle aus heimischer Scholle", geworben.
Über 4.000 Kartoffelsorten gibt es weltweit. In Reutlingen werden jedes Jahr im Herbst verschiedene Sorten auf dem Kartoffelmarkt angeboten. Von Landwirten aus der Region.

Kartoffel muss sich dem Klima anpassen

Hitze, Trockenheit aber auch Überflutungen: Das Klima macht der Kartoffel zu schaffen, so Rudolf. Sie muss etwa Hitzestress aushalten. Und auch bei zu viel Niederschlag sollen die Knollen nicht im Boden faulen. Auf das unterschiedliche Klima haben die Kartoffelzüchter geachtet und reagiert. Widerstandsfähige Knollen sind im Trend.

Mathias Rudolf hat in diesem Jahr bereits zwei neue Sorten auf seinen Äckern getestet: Die Sorte Emiliana, eine festkochende Sorte, und die Sorte Antonia. Sie hat gelbes Fleisch, eine glatte Schale und ist widerstandsfähig gegen Kartoffelkrankheiten. Besonders die Antonia hat den Landwirt überzeugt. " Die wird im nächsten Jahr wieder gesteckt", meint er schmunzelnd.

Auf einem Schild sind Rudolfs Kartoffelsorten aufgelistet. Er verkauft acht verschiedene Sorten an seinem Stand.
Landwirt Mathias Rudolf verkauft acht verschiedene Sorten auf dem Kartoffelmarkt in Reutlingen. Von festkochenden bis mehligkochenden Kartoffeln ist alles dabei.

Trend geht zu festkochenenden Kartoffeln

Kartoffelsalat, Pellkartoffeln, Klöße oder Kartoffelbrei. Die Zubereitung der verschiedenen Sorten ist vielfältig. Der Trend, so Rudolf, geht aber eindeutig hin zu festkochenden Kartoffeln. Die sind bei seinen Kundinnen und Kunden beliebt. Ganz wichtig: die Lagerung von Kartoffeln. Frühkartoffeln, so der Experte, sollen nicht gelagert werden, sie müssen bis Dezember aufgebraucht werden. Alle anderen sollten bei sechs bis acht Grad im Keller dunkel gelagert werden. Nicht zu feucht und nicht zu trocken, so Rudolf.

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Autor/in
Friederike Dauser
Friederike Dauser ist Reporterin und Redakteurin für Hörfunk und Online beim SWR im Studio Tübingen.

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