Noch immer gelten wir Deutschen im Ausland als DIE Kartoffeln. Und vielleicht werden wir es ja auch gerade wieder - also Liebhaber dieser tollen Knolle.
Wir sind nicht (mehr) die größten Kartoffelliebhaber
Aber bereits innerhalb der Europäischen Union liegen wir nur noch im Mittelfeld, was den Verzehr von Kartoffeln betrifft. Die Menschen in Polen und Rumänien essen im Jahr rund hundert Kilo Kartoffeln. In den Niederlanden und Belgien werden nur etwa 10 Kilo weniger genossen – und wir Deutschen dümpeln derzeit bei rund 60 Kilo rum.
Nährwerte: Kartoffeln sind Spitze - beim Eiweiß
Die biologische Wertigkeit von Kartoffeln ist nahezu unübertroffen und liegt laut Bayrischer Landesanstalt für Landwirtschaft zwischen 60 und 90 Prozent. Damit ist die Kartoffel wohl die wertvollste einheimische Lieferantin für pflanzliches Eiweiß.
Kartoffeln figurbewusst – trotz hohem glykämischem Index
Kartoffeln werden gelegentlich immer noch als Dickmacher und ungesund angeprangert. Eine aktuelle Studie, nach der drei Portionen Pommes pro Woche das Diabetes-Risiko massiv steigern, dürfte den Ruf der Kartoffel auch nicht gerade gerettet haben.
Da spielt es kaum eine Rolle, dass im langen Text dann zu lesen war, dass „normale Kartoffeln“ das Diabetes-Risiko nur unwesentlich erhöhen, die Daten lediglich aus einer Beobachtungsstudie abgeleitet worden sind und bei den Pommes wohl hauptsächlich Fett und Salz für das erhöhte Diabetes-Risiko verantwortlich sind.
Die Wahrheit über Kartoffeln
Damit nun endlich Schluss ist mit den Mythen und Halbwissen, kommt hier nun die komplette Wahrheit zum Dickmacherpotenzial von Kartoffeln:
- Kartoffeln haben überschaubare Mengen Kalorien
100 Gramm Kartoffeln enthalten nur 73 Kilokalorien. Nudeln haben rund doppelt so viele Kalorien. Reis enthält auch deutlich mehr. Damit sind Kartoffeln eine gute Energiequelle.
- Kartoffeln haben einen hohen Glykämischen Index (GI) von 70
Lebensmittel mit einem hohen GI lassen den Blutzuckerspiegel nach dem Essen massiv ansteigen. Blutzuckerspitzen sind auf Dauer nicht gesund. Diabetiker sollten sie grundsätzlich vermeiden.
Doch wenn wir die Kartoffeln mit etwas anderem gemeinsam essen - egal ob Quark, Blumenkohl oder Schnitzel - gibt es auch keine Blutzuckerspitze. Dann ist unser Körper mit dem Verarbeiten von Fetten, Eiweißen und Ballaststoffen beschäftigt.
- Kartoffeln machen nicht dick
Kartoffeln sättigen gut, sind deshalb ein sinnvoller Bestandteil unserer Gerichte. Allerdings sollten wir Kartoffeln auch tatsächlich als Kartoffeln essen. Pommes, Kartoffelbrei oder Chips hauen kalorisch gesehen richtig rein und sollten deshalb nur ab und zu genossen werden.
- Resistente Stärke macht Kartoffeln zum Schlankmacher
Kommen Kartoffelreste in den Kühlschrank bildet sich innerhalb von etwa zwölf Stunden die enthaltene Stärke in sogenannte resistente Stärke um. Die kann unser Körper nicht verdauen und sie gilt deshalb als Ballaststoff. Dieser Prozess findet übrigens bei allen stärkehaltigen Lebensmitteln statt, also auch bei Nudeln und Reis.
Doch nur etwa 10 Prozent der enthaltenen Stärke werden zu resistenter Stärke. Eine durchschnittlich große Kartoffel enthält deshalb lediglich drei Gramm dieses Ballaststoffes - besser als nix. Schlank machen Kartoffeln deswegen nicht, genauso wenig wie dick.
Praktisches Wissen fürs Kochen von Kartoffeln
Festkochende Sorten haben weniger Stärke als mehligkochende und eignen sich eigentlich für alles - sogar für Püree. Lediglich Ofenkartoffeln mache ich lieber mit mehligkochenden Sorten.
Rezepte: vier Varianten der beliebten Ofenkartoffel
Tex-Mex, Pilze, Lachs, Sucuk Kumpir: türkische Ofenkartoffeln in vier Varianten
Kumpir ist besonders lecker, weil der Käse hinein statt drüber kommt. Die Füllung variiert je nach Geschmack: mexikanisch scharf, mediterran, mit Fisch, Wurst oder Gemüse...
Tipps zum Lagern und Aufbewahren von Kartoffeln
Ungewaschene Kartoffeln lassen sich besser lagern. Die Erde an den Kartoffeln schützt sie vorm Austrocknen und vor Licht, so dass sie kaum Solanin sowie Keime bilden und deutlich länger gelagert werden können.
Schmutz ist Schutz! Waschen kann außerdem die Schale beschädigen, was die Kartoffel ebenfalls anfälliger für Verderb macht. Deshalb Kartoffeln erst direkt vorm Zubereiten mit einer Bürste waschen.
Kartoffeln sollten idealerweise zwischen 6 und 10 Grad gelagert werden. Unter vier Grad wandelt sich die Stärke in Zucker um. Die Kartoffeln schmecken dann süßlich.
Werden Kartoffeln nicht komplett im Dunkeln gelagert, kriegen sie grüne Stellen. Diese enthalten - ebenso wie die Augen und Keime an den Kartoffeln - das Gift Solanin, das beim Kochen nicht zerstört wird.
Einzelne grüne Stellen und Keime werden einfach großzügig weggeschnitten. Dann können die Kartoffeln verwendet werden. Komplett grüne Kartoffeln können noch zum Pflanzen, aber nicht mehr zum Essen genutzt werden.
Solanin ist auch in der Schale von Kartoffeln enthalten. Erwachsene können sie trotzdem mitessen. Wir müssten schon rund zehn Portionen Kartoffeln essen, bevor uns vom Gift übel wird.
Kinder erreichen ungesunde Mengen eher. Sie sollten Pellkartoffeln, Wedges oder die gerade gehypten Smashed Potatoes nur in überschaubaren Portionen essen.
Kartoffel Tasting: verschiedene Sorten probieren
Geschmacklich spannende Kartoffelsorten wie das Bamberger Hörnchen bringen meistens weniger Ertrag und sind auch aufgrund ihrer Form und Größe schwieriger zu ernten. Sie schmecken aber toll!
Allen, die Interesse an einem Aha-Erlebnis haben, empfehle ich wirklich, mal mit Freunden zusammen verschiedene Sorten Kartoffeln als Pellkartoffeln pur zu verkosten. Die Unterschiede sind erstaunlich und offenbaren sich ganz sicher.
Rezept: Kartoffel-Wrap - einfach und vegetarisch
Einfach und lecker Knuspriger Kartoffel-Wrap
Einfach, schnell und lecker - ein gesunder, vegetarischer Wrap für Kartoffelliebhaber.
Vorsicht vor Smashed Potatoes - so sind sie gesünder
Derzeit absolut hipp sind gepimpte Stampfkartoffeln. In den sozialen Medien werden sie als „Smashed Potatoes“ beworben. Für Smashed Potatoes werden die angequetschten Pellkartoffeln im Backofen zusätzlich mit einem Käse-Topping knusprig gebacken.
Diese und ähnliche gehypte Rezepte hauen aber kalorisch so richtig rein. Dagegen sind Pommes das reinste Diät-Food. Mit ein paar meiner Tipps können aber auch diese Gerichte kalorisch etwas entschärft werden.
Rezept: Smashed Potatoes mit weniger Kalorien
Knoblauch und Parmesan oben drauf Würzig knusprige Smashed Potatoes mit weniger Kalorien
Röstaromen mit Knuspereffekt außen, gaumenschmeichelnde weiche Kartoffel innen. Diese Kombi lässt Quetschkartoffeln von einer Beilage zum Sologericht werden.
Kartoffelsalat mit Mayo - so wird er leichter
Wer es traditioneller mag, ist mit Kartoffelsalat wunderbar bedient, vorzugsweise mit Essig-Öl-Dressing statt Mayonnaise. Ich muss allerdings zugeben, dass ich aus einer Mayo-Region stamme und deshalb diese Variante ab und zu einfach brauche.
Ich mische deshalb reichlich zusätzliche Zutaten mit rein: Neben Kräutern, Eiern, Gewürzgurken und etwas Zwiebel, gibt es bei mir noch mindestens einen klein geschnittenen Apfel mit in die Salatschüssel.
Ich lieber aber auch diese mediterrane Variante mit Essig und Öl.
Rezept: Mediterraner Kartoffelsalat
Aroma des Mittelmeers Mediterraner Kartoffelsalat mit Safran
Typisch mediterrane Zutaten wie Oliven, getrocknete Tomaten und Paprika treffen auf Pellkartoffeln und ein leichtes Essig-Öl-Dressing. Das macht Lust auf Sonne und Mittelmeer.
Kartoffeln und ihre weiblichen Sortennamen
Jetzt habe ich noch ein skurrile Kartoffel-Geschichte: Im März 2016 forderte eine Petition mehr männliche Namen für neue Kartoffelsorten. Weil mehr als 90 Prozent der Kartoffelsorten weibliche Namen tragen, sollte eine Gleichberechtigung her.
Mehr männliche Namen bei neuen Kartoffelsorten, forderte eine Petition, schließlich gäbe es ja auch schon beim Wetter mehr Gleichberechtigung - genauer, bei den Namen von Hochs und Tiefs.